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Kopftuchverbot für Kinder gefordert

Keine Kopftücher in Kindergärten und Schulen

Ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren - darüber diskutiert nach Österreich nun auch Deutschland. Es diene dem Schutz der Kinder, sagen die einen. Es handele sich um Entmündigung, sagen die anderen.

Kopftuchverbot für Kinder

Mädchen mit Kopftuch in der Schule (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium erwägt ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Das forderten der NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und die nordrhein-westfälische Integrationssekretärin Serap Güler (CDU).

Einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, sei "pure Perversion", weil es das Kind sexualisiere, twitterte Serap Güler, Staatssekretärin im Düsseldorfer Integrationsministerium.

Am 11.04.18 entgegnete sie im ZDF-Morgenmagazin dem Vorwurf, ein Kopftuchverbot tangiere die Religionsfreiheit: "Es geht hier nicht um religiöse Symbole. Das Kopftuch sollte man auch nach islamischen Brauch erst mit Anfang der Pubertät tragen. (...) Deshalb kann sich auch niemand auf die Ausübung der Religionsfreiheit berufen, wenn die Religion das in diesem Alter noch nicht mal vorschreibt." Beim Tragen des Kopftuchs nach islamischer Sitte gehe es darum, die Reize der Frau vor Männern zu verhüllen. "Dass Mädchen im Kita- und Grundschulalter die Reize vor Männern verhüllen müssten - genau das sexualisiert das Kind." Deshalb müsse diese Debatte geführt werden, damit die Mädchen sich frei entfalten könnten. Wenn eine junge Frau sich dann entscheide, ein Kopftuch zu tragen, sei das ihr gutes Recht.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) findet, man nehme Kindern die Chance, "selbst zu entscheiden" und würde das Verbot gerne umsetzen. CDU-Vize Julia Klöckner unterstützt ein Verbot ebenfalls. "Wenn wir Gleichberechtigung ernst nehmen, sollten wir genau das hinterfragen", sagte Landwirtschaftsministerin Klöckner in Bezug auf Kopftücher.

Immigranten- und Lehrerverbände unterstützen Verbot

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände (BAGIV) unterstützt ein Kopftuchverbot. Der BAGIV-Präsident Ali Ertan Toprak machte deutlich: "Immer mehr Eltern verschleiern ihre Kinder bereits vor der Pubertät". Besonders Kleinkinder müssten vor dem "religiösen Totalitarismus der Eltern" beschützt werden.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der "Bild"-Zeitung: "Ein Kopftuchverbot würde dazu beitragen, Diskriminierung und Mobbing aus religiösen Gründen zumindest tendenziell den Boden zu entziehen." Er mahnte, die "Demonstration religiöser Symbole bei religionsunmündigen Kindern" sei zu unterlassen. In Deutschland tritt mit dem 14. Geburtstag die Religionsmündigkeit ein.

Gegenwind vom Islamrat und aus der eigenen Partei

Die Forderung hat eine Debatte ausgelöst. Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration bedauere die "aufgeheizte Diskussion". Der Vizevorsitzende Haci Halil Uslucan stellte klar: "Aus religiöser islamischer Perspektive gibt es keinen Grund, vor dem Erreichen der Geschlechtsreife ein Kopftuch zu tragen." Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland hatte sich am Wochenende gegen ein Verbot ausgesprochen und nannte die Debatte "populisitsch, symbolgeladen und inhaltsleer". Der Vorsitzende Burhan Kesici hatte am Wochenende kritisiert: "Kopftuchzwang und Kopftuchverbot schlagen in dieselbe Kerbe: Beide entmündigen Musliminnen."

Auch Annette Widmann-Mauz (CDU), die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, steht einem möglichen Kopftuchverbot in Nordrhein-Westfalen kritisch gegenüber. Bei einer solchen Maßnahme würden sich schwierige verfassungsrechtliche Abwägungsfragen stellen, so Widmann-Mauz. Sie kündigte die Einberufung einer Fachkommission an, die Voraussetzungen für gelingende Integration erarbeiten soll.

Österreichisches Vorbild

In Österreich hatte die Regierung angekündigt, Kindergartenkindern und Schülerinnen unter 14 Jahren das Tragen eines Kopftuches zu verbieten. Die Rechtskoalition wolle muslimische Kinder vor Diskriminierung schützen. Damit wolle er der "Entwicklung von Parallelgesellschaften" entgegenwirken, betonte Sebastian Kurz (ÖVP). Bildungsminister Heinz Faßmann nannte das Verbot eine "symbolische Handlung, die Österreichs Selbstverständnis als säkularen Staat" unterstreiche. Wie viele Kinder es betreffen würde, ist nicht klar.

Tagesschau

Mo. 09.04.18, 20.00 Uhr

Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD im Deutschen Bundestag, sagte zum geplanten Verbot in Österreich: "Die Regierung packt Probleme an und setzt konsequent klare Maßnahmen." Die seit Dezember amtierende österreichische Regierung unter ÖVP-Chef Kurz hatte angekündigt, einen harten Kurs in der Migrationspolitik einzuschlagen.

Alina te Vrugt mit Material von dpa, afp, Reuters und tagesschau.de

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