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Seligsprechung von Paul Josef Nardini

Für Deutschland ist es eine Premiere. Erstmals steht nach einer Neuregelung von Papst Benedikt XVI. ein Vertreter des Kirchenoberhauptes einer Seligsprechung vor. Dass es dazu kommt, geht auf eine Entscheidung von Papst Benedikt XVI. vom vergangenen Jahr zurück. Der Papst solle Seligsprechungsfeiern nicht persönlich vorstehen, damit der Unterschied zwischen Seligsprechung und Heiligsprechung stärker hervorgehoben und die Ortskirchen sichtbarer in die Zeremonien zur Seligsprechung einbezogen werden können, wie der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Jose Saraiva Martins, darlegte. Danach sollen Seligsprechungsfeiern in der Diözese stattfinden, die den Prozess für den neuen Seligen betrieben hat, oder an einem anderen geeigneten Ort.
Papst bleibt entscheidende Instanz
Dabei bleibt der Papst die entscheidende Instanz: Er stellt fest, dass eine verstorbene Person vorbildlich aus dem Glauben gelebt hat und Christus in besonderer Weise nachgefolgt ist. Daraus ergibt sich die offizielle Empfehlung an die Lebenden, sie als Vorbild und als Fürsprecher bei Gott anzunehmen. Im Unterschied zu Heiligen werden Selige in der Regel nicht weltweit, sondern lediglich in einer begrenzten Region oder von einer bestimmten kirchlichen Gemeinschaft verehrt.
Die Neuerung Benedikts XVI. ist keine Revolution innerhalb der Kirchengeschichte. Anfangs bestimmte das Volk, wer als Heiliger verehrt wurde. Im Lauf des ersten Jahrtausends der Kirche wurde die Verehrung der Märtyrer und der Bekenner von den verschiedenen Ortskirchen dezentral geregelt. Erst im 11. Jahrhundert begann sich das Prinzip durchzusetzen, "dass allein der Römische Papst als Hirt der universalen Kirche die Vollmacht habe, sowohl in den Ortskirchen wie in der Gesamtkirche einen öffentlichen Kult vorzuschreiben", so Kardinal Saraiva. Seinen Angaben zufolge wurde 1662 die erste Seligsprechung in feierlicher Form begangen. Mit der Seligsprechung von Maximilian Kolbe 1971 führte Papst Paul VI. die Neuerung ein, dass der Papst persönlich dem Seligsprechungsritus vorstand.
"Vater der Armen"
Nach der von Benedikt XVI. eingeführten Bestimmung gilt: Bei der Heiligsprechung hat nach wie vor ausschließlich der Papst den Vorsitz. Seligsprechungen sollen aber von einem vom Heiligen Vater ernannten Vertreter, in der Regel dem Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungssprozesse, vorgenommen werden. Oder von einem anderen Delegaten des Papstes - wie bei Nardini, der als Pfarrer in Pirmasens wirkte, schon zu Lebzeiten als "Vater der Armen" bekannt war und 1855 die Gemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie gründete, die sich um verwahrloste Kinder und um alte und kranke Menschen kümmerte.
Von KNA-Redakteur Timm Maximilian Hirscher
