Inhalt
Quo Vadis - Skandale der Geschichte (3/3)
Opfer der Macht
Jeanne d´Arc, Galileo und Dreyfus sind Opfer der Macht. Ihre politischen Prozesse sind Augenblicke der Geschichte, in denen aufgestaute Widersprüche offenbar werden. Im Spektakel der Verurteilung legt die morsche Ordnung ungewollt ihre Schwächen bloß.
Rouen, 30. Mai 1431: Henkersknechte zerren die 19jährige Jeanne d'Arc auf den Scheiterhaufen. Sie, die für Frankreich die Schlacht von Orléans geschlagen, die Engländer vertrieben und die Monarchie gerettet hat, wird der Ketzerei für schuldig befunden. Das Mädchen Jeanne muss brennen: aus politischem Kalkül.
Zwei Jahrhunderte später wird in Rom Galileo Galilei der Prozess gemacht. Ein kirchliches Gericht "begnadigt" ihn zu lebenslanger Haft. Unter Zwang hatte der geniale Mathematiker seine wissenschaftlichen Erkenntnisse verleugnet, um sein Leben zu retten. Mit einem Richterspruch gelingt es der kirchlichen Macht, ihr überkommenes Weltbild gegen die Erkenntnisse neuzeitlichen Denkens zu verteidigen.
Sendetermin
Di, 10.01.12, 06.10 Uhr
Frankreich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Ein Justizskandal erschüttert die Republik. Alfred Dreyfus, ein jüdischer Stabsoffizier, ist in einem Eilprozess als Vaterlandsverräter gebrandmarkt und auf die entlegene Teufelsinsel verbannt worden. Doch bald wurde klar: Ein Unschuldiger wurde als Sündenbock geopfert, um die Macht der Armee zu erhalten.
Wo die Suche nach Recht und Wahrheit eine Frage von Glauben und Staatsräson wird, geraten Prozesse zur Propaganda. Sie verkommen zu Inszenierungen der Macht, an deren Ende ein vorgefasstes Willkürurteil verkündet wird. Besonders in Zeiten des Umbruchs fühlen sich die Mächtigen herausgefordert, das Recht zu beugen. Um der Selbsterhaltung willen machen sie die Gerichte zu ihrem willigen Werkzeug.
Die Dokumentation führt an die historischen Orte, Inszenierungen legen die psychologische Dramatik des Prozessgeschehens frei. Sie lassen den Menschen hervortreten aus der nüchternen Überlieferung der Prozessakten, zeigen außergewöhnliche Persönlichkeiten in extremen Situationen: Im Angesicht der Richter geht es für die Angeklagten nicht nur um Sieg oder Niederlage, um Recht behalten oder Recht bekommen - es geht um Leben und Tod oder um die Vernichtung ihrer gesellschaftlichen Existenz.
