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Mahlzeit Deutschland! (3/3)

Vom Saumagen zu Sushi

Dokumentation von Katharina Schickling

Der 3. Teil widmet sich den kulinarischen Vorlieben im Wandel der Zeit: wie exotische Zutaten zu alltäglichen Lebensmitteln werden, wie Lebensmittelskandale den Bio-Boom einläuten, wie der Fall der Mauer zwei kulinarische Welten durcheinander würfelt – und wie trotz all der neuen Möglichkeiten die meisten Deutschen immer weniger kochen wollen.

Mahlzeit Deutschland! (3/3)

Sushi-Bars erobern die Großstädte. Schauspielerin Gerit Kling war zunächst skeptisch: "Ich fand das am Anfang gewöhnungsbedürftig. Ganz klar, weil das ist ja wieder etwas, was der Gaumen erst kennenlernen muss." (Quelle: PHOENIX/WDR/Tangram Filmproduktion)

Am Anfang steht der Saumagen. Als Helmut Kohl 1982 Bundeskanzler wird, sind die Flower-Power-Jahre endgültig vorbei. Die Werte der Provinz haben wieder einen Repräsentanten an vorderster Front – und der bewirtet seine Staatsgäste mit dem pfälzischen Nationalgericht. Doch in deutschen Familien werden Sauerbraten und Kohlroulade nicht mehr selbst gekocht, sondern nur noch aufgewärmt.

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 macht sich die Mehrheit der Deutschen zum ersten Mal Gedanken darüber, was da eigentlich auf ihren Tellern liegt. Kabarettistin Maren Kroymann erinnert sich an ihre ersten Einkäufe im Bioladen: "Die Äpfel sahen gar nicht so richtig lecker aus. Da wurde immer tapfer gesagt, ja, nur wenn die so aussehen, schmecken die richtig gut. Das hatte mehr mit politischem Bewusstsein zu tun als wirklich mit gastronomischem Bewusstsein."

Sendetermin

Mi, 10.08.11, 10.30 Uhr

Es ist die Sehnsucht nach Freiheit, aber auch die schlechte Versorgungslage im Osten, die die Bürger der DDR im Sommer 1989 scharenweise in den Westen treibt. Als Außenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der Prager Botschaft verkündet, dass die Flüchtlinge in den Westen ausreisen dürfen, freuen die sich auch auf Jacobs Krönung und Fruchtzwerge – jenen Überfluss, den sie Abend für Abend im Westfernsehen bestaunen konnten.

Der wichtigste Food-Trend im wiedervereinten Deutschland ist die Asienwelle. Der gute alte Chinese wird verdrängt von Tandoori-Häusern, Thai-Restaurants und vietnamesischen Garküchen. Sushi-Bars erobern die Großstädte. Schauspielerin Gerit Kling war zunächst skeptisch.

1994 schlägt die Geburtsstunde der Kochshow: Talkmaster Alfred Biolek lädt Prominente in seine Küche und lässt sie ihr bestes Rezept vorkochen. Hier geht es nur noch am Rande um Tipps für die Nachahmer zu Hause. In erster Linie soll der Zuschauer mit Schaukochen unterhalten werden. Und so lösen die zahllosen kulinarischen Programme auch keine neue Kochwelle aus: Die meisten Zuschauer geben an, selbst eher wenig zu kochen. Um die Jahrtausendwende ist die Revolution in Deutschlands Küchen vollendet: Viele Deutsche haben Kartoffelbrei noch nie selbst gemacht. Wenn es Nudeln gibt, dann mit Fertigsoße aus dem Glas, Gulasch wird lecker dank Würzmischung aus der Tüte. Aber auch zeitlose "Rituale" wie das Grillen werden gepflegt.

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