Inhalt

Mahlzeit Deutschland! (2/3)

Vom Eisbein zur Pizza

Film von Katharina Schickling

In den 60er Jahren gerät nicht nur die deutsche Gesellschaft in die Krise, sondern auch die deutsche Küche. Während die Jugend mit Rockmusik und langen Haaren gegen bürgerliche Werte rebelliert, wandelt sich auch der Speisezettel: Statt liebevoll Gekochtem gibt es Aufgetautes und Aufgewärmtes.

Eine Umfrage der Bild-Zeitung 1962 ergibt: 81 Prozent der Frauen haben die Hausarbeit satt. Die Nahrungsmittelindustrie reagiert: Maggi erfindet die Eierravioli aus der Dose – bis heute das meistverkaufte Fertiggericht.

Sendetermin

Mi, 10.08.11, 09.45 Uhr

1961 kommt der Tiefkühlspinat in den Handel, 1963 gibt es die ersten Fischstäbchen, 1968 erobert die Tiefkühlpizza den Markt. Essen verkommt vom gemeinsamen Ritual zur bloßen Nahrungsaufnahme.
Während der Westen schlemmt, ist im Osten Einkaufen kompliziert: Niemand hungert, aber von Vielfalt kann keine Rede sein. Seit 1960 soll zwar die volkseigene Großhandelsgesellschaft HO-Läden mit Obst und Gemüse versorgen, doch die liefert nur das, was die DDR selbst produziert. Für exotisches Gemüse oder Tropenobst fehlen dem Arbeiter- und Bauernstaat die Devisen. Schauspielerin Eva-Maria Hagen verbringt einen großen Teil ihrer Freizeit beim Schlangestehen vor Lebensmittelgeschäften: "Wenn's Weintrauben gab oder Bananen oder irgendwelche Besonderheiten, da stand man dann Schlange. Gegenüber von mir war ein Fleischer, da stand man immer an. Und manchmal kriegte man auch was gereicht von unterm Ladentisch."

Mahlzeit Deutschland! (2/3)

Bunt wie die Mode wird auch das Essen in den 70er Jahren. (Quelle: PHOENIX/WDR/Tangram Filmproduktion)

Die Studentenbewegung stellt deutsche Esstraditionen auf den Kopf: In Kommunen und WGs gibt es Brunch auf dem Fußboden statt Sonntagsbraten am Tisch, Essen wird zur Nebensache. Maren Kroymann lebt damals in Berlin und kocht eher simpel: "Chili con Carne, das war ein richtig schönes Essen. Das war ein Essen, was prima ankam: zwei Dosen auf und fertig."

Die 70er Jahre sind das Jahrzehnt, in dem Deutschland endgültig in der Moderne ankommt. Die Frauenbewegung verändert das Bild der deutschen Hausfrau und Mutter nachhaltig: Frauen sind immer öfter berufstätig und haben gar nicht die Zeit zum Kochen. Gleichzeitig öffnet sich das Land: 1971 ist jeder zehnte Arbeitnehmer ein Gastarbeiter. Das belebt die Restaurantszene.

Ulrich Wickert zum Beispiel schwärmt damals für griechische Küche "Das hatte auch einen Grund, weil der Grieche, der hat sehr schön fett gekocht. Und da gab's immer irrsinnige Portionen. Und die Menge war ja auch wichtig."

Seite Drucken nach oben

Fußzeile


 
Top | Zurück