Inhalt

Im Auge der Macht

Die Bilder der Stasi

Der Film stellt die für Observation, Herkunft, Funktionsweise und Tarnungen gebräuchlichste Foto- und Filmtechnik des MfS vor. Bislang unbekanntes Material gestattet Einblicke in die Arbeitsweise der Geheimpolizei in der Diktatur. "Bilder der Stasi" ist ein Beitrag zur Geschichte der visuellen Überwachung.

In den Jahren nach seiner Gründung setzte die Staatssicherheit der DDR auf schnelle Verhaftungen, brachiale Gewalt und Geheimprozesse. Erst allmählich übernahmen die Spezialisten fürs Grobe subtilere Methoden aus dem Arsenal der Kriminalpolizei und der Geheimdienste. Die neue Politik des "Wandels durch Annäherung" seit 1972 und die sprunghafte Vervielfachung der ideologischen Feindbilder beschleunigten die Modernisierung der Repressionstechnik. Alle mutmaßlichen Feinde der Republik nahm die Stasi mit der Kamera ins Visier: Fotografie und Film wurden zum wichtigsten Medium der prophylaktischen Ausforschung und heimlichen Dokumentation. Bis zum Ende der DDR häufte das MfS einen beachtlichen Bilderberg auf. Zuletzt zählte die Birthler-Behörde 1,4 Millionen Fotos, Negative und Dias sowie 3.800 Videos. Der größte Teil davon galt der Gegnerbekämpfung.

Sendetermine

Sa, 28.02.09, 13.15 Uhr

Im Zentrum des Films steht die visuelle Überwachung durch das MfS. Exemplarisch für die Opposition ist der Vorgang Robert Havemann - das größte Dossier, das die Stasi jemals anlegte. Havemann galt zu Recht als Ziehvater der Opposition und stand seit den 1960er Jahren unter Beobachtung. Die Observation unbotmäßiger Künstler wie Wolf Biermann und einiger Exponenten der späteren Bürger- und Friedensbewegung (Ulrike Poppe, Roland Jahn) ergänzt diesen Teil. Zweitens wird deutlich, wie akribisch das MfS versuchte, die Kirche als Schutzraum der Subkulturen und oppositionellen Gruppen in Wort und Bild "aufzuklären". Drittens dokumentiert der Film die nahezu hysterische, aber letztlich machtlose Verfolgungswut der Staatssicherheit gegen die westlichen Militärverbindungsmissionen auf ihren Touren durch die DDR. Viertens wird das umfassende Interesse des MfS an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland deutlich, handelte es sich aus der Sicht der Staatssicherheit doch um den Klassenfeind im eigenen Land.

Und schließlich lenkt der Film den Blick auf den durchlässigen Schutzwall und die Transitstrecken. Letztere galten dem MfS als potentielle Fluchtwege und damit als Sicherheitsrisiko. An der Mauer und entlang der Grenze wurde ständig fotografiert und gefilmt: jeder geglückte Flucht, jeder misslungene Fluchtversuch, jede politische Manifestation wurden dokumentiert.

Darüber hinaus gestattet der Film einen Blick auf jene eigene Welt der Stasi zwischen Ordensverleihungen, Bruderküssen, feuchtfröhlichen Feiern, Betriebssport und eigenen Kinderferienlagern. In Protokollfotos, aber auch in zahllosen, privat anmutenden Schnappschüssen und Amateurfilmen haben die Hauptamtlichen ihre Erinnerungen an einen VEB der besonderen Art festgehalten.

Auf der Grundlage bisher unveröffentlichter Fotos und Filme des MfS kommen Betroffene zu Wort. Der ehemalige Chef der Ausbildung in visueller Überwachung rechtfertigt wortreich sein eigenes Schweigen und das anderer Stasi-Experten.

Film von Karin Hartewig und Holger Kulick (2005)

Seite Drucken nach oben

Fußzeile


 
Top | Zurück