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HISTORISCHE DEBATTEN

Helmut Schmidt (Quelle: ZDF)
"Elefantenrunde 1980"
Heute bleiben bei uns Abgeordnetensitze, Regierungsbank und Präsidentenstuhl leer. Wir bleiben stattdessen im Bonner Fernsehstudio, in dem vor knapp 30 Jahren, am 02. Oktober 1980, drei Tage vor der Bundestagswahl sich die Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien einen dreieinhalbstündigen Schlagabtausch lieferten.
Es waren dies für die seit elf Jahren regierende sozialliberale Koalition der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, SPD, Außenminister Hans Dietrich Genscher, FDP, sowie für die Opposition der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl und der bayerische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Unionsparteien, Franz Josef Strauß, CSU. Das lebhafte Vierer-Streitgespräch stand unter der Gesprächsleitung von Reinhard Appel (ZDF) und Charly Weiss (ARD).

Zusammengestellt und moderiert von Helmut Illert (Quelle: PHOENIX)
Ein Kampf mit harten Bandagen...
Kein Fernsehduell also der aussichtsreichen Kanzleramtsbewerber wie in unseren Tagen sondern eine "Elefantenrunde", wie sie im Journalistenjargon genannt wurde. Aber auch 1980 war von den Fernsehanstalten ein Duell Schmidt-Strauß erwogen worden. Für diesen Fall hätten die Freien Demokraten ihren Vorsitzenden Hans Dietrich Genscher zum dritten Kanzlerkandidaten ausgerufen.
Das Vierer-Streitgespräch "Drei Tage vor der Wahl" bietet ein ziemlich genaues Bild des mit harten Bandagen ausgetragenen Kampfes um die Wählerstimmen. Zu viel Polemik, zu wenig Sachinformation, zu viel vorwurfsbeladene Bewältigung der Vergangenheit, zu wenig Blick in die Zukunft – so lautete gleichermaßen das Urteil der meisten anrufenden Zuschauer und der Pressekommentare. Viele Politikbereiche kamen überhaupt nicht zur Sprache, weil sich die Kontrahenten an einzelnen Themen, die zu persönlichen Angriffen taugten, zäh festgebissen.
Trotz allem aber lohnt sich das Anschauen und Anhören der Wahlrunde '80, denn sie vermittelt etwas vom Spannungsgehalt, der rhetorischen Wucht und der Schärfe, mit der vor 25 Jahren der Kampf um die Stimmen ausgetragen wurde.

Moderation: Helmut Illert
