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Das Musikwunder von Caracas
Vom Armenviertel in den Konzertsaal
Sendetermine
Sa, 02.07.11, 18.00 Uhr
Sa, 09.07.11, 08.15 Uhr
"Es ist weltweit das wichtigste, was sich derzeit in der klassischen Musik tut", meint Sir Simon Rattle, Dirigent der Berliner Philharmoniker. Eine einzigartige Musikausbildung, in Venezuela als "El Sistema" bekannt, feiert mit ihren Schülern Erfolge: Der Dirigent Gustavo Dudamel, gerade mal 26 Jahre alt, ist der neue Weltstar.

Sein Kontrabass ist größer als er: Schon mit 17 wurde Edicson Ruiz aus Caracas von den Berliner Philharmonikern geholt und ist seit dem 18. Geburtstag festes Ensemble-Mitglied. (Quelle: PHOENIX/Peter Puhlmann )
Der Kontrabassist Edicson Ruiz ist mit seinen 21 Jahren festes Mitglied der Berliner Philharmoniker. Und das Simon-Bolivar-Jugendorchester wird wegen seiner Energie international gefeiert. Dieses einmalige System hat der Musiker und Komponist José Antonio Abreu 1975 gegründet. Er wollte Kinder und Jugendliche von der Straße wegholen, armen Kindern und arbeitslosen Jugendlichen durch die Musik einen würdigen Weg in die Gesellschaft ebnen. Und es wurde ein Riesenerfolg, nicht nur musikalisch sondern auch sozial. Heute spielen in Venezuela 260.000 Kinder und Jugendliche klassische Musik.

Der 16-jährige Ibrahim unterrichtet die 18-jährige Rosa. (Quelle: PHOENIX/ Peter Puhlmann)
"Die Kinder, die in das Nationale Institut für Minderjährige gebracht werden, haben vielfältige Probleme", erzählt Nancy Carreño, Koordinatorin an der Musikschule Los Chorros. "Sie wurden von den Eltern verlassen, misshandelt oder kommen aus zerrütteten Familien. Sie bleiben solange hier, bis sie gefestigt sind und eventuell zurück können. In der Zwischenzeit halten wir sie von den vielen Gefahren der Straße fern, von Drogen und Prostitution. Denn hier müssen sie täglich vier Stunden proben – von Montag bis Samstag. Das Orchester ist wie eine große Familie für die Kinder. Wahrscheinlich ist der Dirigent ihr Vater, ich ihre Mutter, die Musiklehrer ihre Onkel und die anderen Kinder ihre Geschwister.

Miguel Niño war Strassenkind. Heute spielt er Bratsche in einem Orchester und lernt Geigenbauer. (Quelle: PHOENIX/ Peter Puhlmann)
Früher rechnete ich immer damit, nicht älter als 18 zu werden. In diesem Alter starben fast alle meine Freunde. Ich denke 60 Prozent meiner Freunde waren in diesem Alter schon tot. Ohne "El Sistema" wäre ich ganz einfach tot", erzählt der 24 Jahre alte Lennar Acosta.
Edicson Ruiz formuliert es so: "Musik, Kunst, Tanz und Theater haben es geschafft, Menschen zu inspirieren und in ihnen edle Gefühle hervorrufen: Tugenden, Begabungen, und den Wunsch, Gutes zu tun. All dies weckt "El Sistema" durch die Kunst."
