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Sinatra - Star der Mafia (2/2)

Von Mythos und Macht

Ein Film von Christopher Olgiati

Frank Sinatra und die Mafia - Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit

"Wenn die Mafia in Chicago einen neuen Laden aufgemacht hat, wer ist dann wohl am ersten Abend dort aufgetreten? Frank Sinatra", erinnert sich der ehemalige Casino-Geschäftsführer Ed Becker. Wann immer die Mafia ein neues Casino eröffnete, Sinatra war der Stargast. Er brachte die reiche Kundschaft, die dann für den erhofften Umsatz sorgte. Der zweite Teil der Dokumentation "Sinatra - Star der Mafia" von Regisseur Christopher Olgiati beschreibt die zweite Hälfte von Sinatras Karriere, schwankend zwischen grandiosem Entertainment und Bühnenangst, einer großen Liebe und unzähligen Affären, seriöser Politik und organisiertem Verbrechen.

Als die Mafiageschäfte in Kuba nach Fidel Castros Machtübernahme immer schlechter liefen, avancierte Las Vegas in den fünfziger Jahren zu einem neuen Havanna, einem Mekka für Spieler. Und Frank Sinatra war der Star. Es war die Zeit des legendären "Rat Packs". Das "Rattenpack" - Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. und Peter Lawford - waren die männlichen Idole ihrer Generation.

Frank Sinatra war Dr. Jekyll und Mr. Hyde, berichten die, die ihn kannten. Er war der romantische Frauenverführer, dem kein weibliches Wesen widerstehen konnte. Aber er war auch unbeherrscht, jähzornig und grausam. "Er konnte ununterbrochen die erniedrigendsten Schimpfworte über dich ausgießen, schreien, brüllen, dir Karten ins Gesicht werfen. Man musste einfach dastehen und es ertragen", erzählt Count Guido Deiro, der Croupier in Las Vegas war.

Sendetermin

Do, 22.09.11, 06.00 Uhr

Anfang der 60er Jahre versuchte auch die Politik, Sinatras Ruhm und Ansehen für ihre Zwecke einzusetzen. 1960 kam John F. Kennedy das erste Mal nach Las Vegas. Er wollte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden und suchte die Unterstützung der Stars. Sinatra war sein glühender Verehrer. Kennedy wollte seinen Ruhm nutzen - und über ihn Verbindung zur Mafia aufnehmen. Denn mit Hilfe der Mafia, so glaubte der Präsidentschaftskandidat, konnte er sich den entscheidenden Wahlkreis für seinen Erfolg sichern - Chicago.

Die Mafia erhoffte sich von dem Deal einen guten Kontakt zum neuen Präsidenten. Am Schluss gewann Kennedy um Haaresbreite und alle feierten zusammen seinen Sieg - Stars und Gangster. "Wir haben´s geschafft. Das sagten alle von uns, wir saßen in einer Bar und lachten - wir haben´s geschafft", beschreibt Ex-Mafia-Mitglied Frank Cullotta die Stimmung am Wahlabend.

Doch für die Mafia ging die Rechnung nicht auf. Kennedy machte seinen Bruder Robert zum Generalstaatsanwalt, der dem organisierten Verbrechen den Kampf ansagte. Die Mafia gab dafür nicht dem Präsidenten die Schuld, sondern Frank Sinatra, dem Superstar. Nach der gewonnen Wahl ließ auch Kennedy Sinatra fallen - die Verbindungen zur Mafia, einst so nützlich, waren jetzt viel zu heikel. Sinatra zog sich zurück, resigniert, enttäuscht, gebrochen. Für seine ehemaligen Freunde aus der Unterwelt war er nutzlos geworden.

Auch die Welt um ihn herum veränderte sich. In Las Vegas übernahmen die Großindustriellen die Macht, die Zeit der großen Mafiabosse ging zu Ende. Sinatra war im "The Sands" ein unerwünschter Gast geworden. Und zwischen Rock n´Roll und Vietnam-Generation schien seine Musik niemand mehr hören zu wollen. Sinatra dachte daran, sich zur Ruhe zu setzen.

Seine vierte und letzte Ehefrau Barbara, ein ehemaliges Showgirl, holte ihn auf den Boden zurück und brachte ihn schließlich wieder in die Konzertsäle. Zwischen 1977 und 1990 gab er fast 1.000 Konzerte - von alten und neuen Fans umjubelt wie eh und je.

Francis Albert Sinatra starb am 14. Mai 1998 in Los Angeles. "Einen wie ihn gab es niemals zuvor, einen wie ihn wird es auch nie wieder geben. Er war einzigartig", resümiert die Musikerin Ann Barak.

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