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Sie zwingen dich zu töten
Kindersoldaten erzählen
Sie waren Kinder, als sie von Rebellen entführt und zu Soldaten gemacht wurden: Kindersoldaten in Uganda. Kinder als Kämpfer, Gefolgsleute, Sklaven, in einem Krieg, dessen Ziel sie nicht kannten und dessen Sinn sie nicht verstanden. Nach Jahren bei den Rebellen riskierten viele von ihnen ihr Leben und flohen. Die Waffen haben sie zurückgelassen - die Wunden blieben. Irgendwo zwischen Krieg und Frieden, zwischen Vergangenheit und Zukunft bauen sich die zurückgekehrten Kindersoldaten ein neues Leben auf.
Im Gespräch mit Kindersoldaten
In einem Flüchtlingscamp im Norden Ugandas lernen die deutsche Journalistin Sophie Haarhaus und der estnische Kameramann Kullar Viimne vier ehemalige Kindersoldaten kennen: Simon, Patrick, David und Michael. In dieser außergewöhnlichen Dokumentation begleiten die beiden Reporter die Kindersoldaten nach ihrer Rückkehr ins Camp. Dort teilen sie über viele Wochen mit ihnen den Alltag. Doch es dauert Monate, bis die vier Freunde den „Reportern aus Europa“ ihre ganz persönlichen Lebensgeschichten anvertrauen.
Sendetermin
So, 21.03.10, 23.30 Uhr
Simon (17) wurde mit elf Jahren entführt. In jener Nacht musste er dabei zusehen, wie die Rebellen einen Mann töteten. In jener Nacht fasste er den Entschluss, auszuharren und zu schweigen - das Zuhause zu vergessen, um überleben zu können. Doch dann war es die Erinnerung an seine Mutter im Heimatdorf, die ihn schließlich davonlaufen ließ.
Waise Patrick wünscht sich einen Freund. Die Erinnerungen aus seiner Zeit als Kindersoldat lassen den 20-Jährigen nachts nicht schlafen. Die Albträume kommen immer wieder, aber es gibt niemanden, dem er sie erzählen mag. Er wünscht sich einen Freund, der sagen würde: „Irgendwann wird alles gut“.
Trauma im Busch
Der 19-jährige David schweigt. Kein Wort spricht er über die Zeit im Busch. Er ist zurückgekommen, um wieder ein Kind zu sein, wild, freudig, sorglos. Schweigen ist sein Weg, mit der Vergangenheit umzugehen, es ist der Weg der meisten Kindersoldaten. Doch ein Kind zu sein gelingt nicht immer, denn David trägt eine große Verantwortung: Er hat einen Sohn.
Sechs Jahre hat Michael (24) bei den Rebellen verbracht. Als Neunjähriger wurde er entführt und von den Rebellen an den Gebrauch und die Macht der Waffe gewöhnt. Er hat gelernt, die Zivilisten zu verachten - und ist doch, nach all den Jahren als Kindersoldat, zu ihnen zurückgekehrt. Den Menschen in seiner Umgebung zu vertrauen, die Macht der Waffe zu vergessen und auf den Frieden zu warten, auch das war ein Kampf. Aber er hat es geschafft.
Film von Jörg Altekruse, Sophie Haarhaus und Kullar Viimne
