Inhalt
Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen
Ein Promi im Kampf gegen Alzheimer
Sendetermin
Mi, 08.02.12, 21.45 Uhr
Die "37°"-Dokumentation begleitet ihren prominenten Protagonisten und sein Umfeld bei seinem Weg ins Vergessen. Der Film zeigt die Erfolge und Niederlagen seines Lebens und dokumentiert das rasche Fortschreiten der Demenz. Das ZDF-Team ist bei sehr privaten Momenten dabei und beobachtet, welche Klippen Rudi Assauer bei Auftritten in der Öffentlichkeit umschiffen muss und was die Krankheit für Familie und Freunde bedeutet.
Rudi Assauer will sich mit diesem Film offenbaren - schonungslos und offen. Er hat eine enorme "Wut im Bauch, dass er nicht mehr mithalten kann". Doch er will wenigstens mitbestimmen, wann und auf welche Weise die Öffentlichkeit davon erfährt.

Das Alzheimer-Drama um Rudi Assauer: Er war ein Macher, ein Vorreiter, der gern und oft im Rampenlicht stand. Rudi Assauer, ehemaliger Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, erhielt vor zwei Jahren die Diagnose Alzheimer. Noch ist ihm die Krankheit nicht anzumerken und er versucht, ein möglichst normales Leben in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten. Er will sich von der Krankheit nicht unterkriegen lassen und zeigen, dass ein Weiterleben trotz fortschreitender Demenz möglich ist.

Rudi Assauer (Quelle: ZDF)
Es ist ein großes Vorhaben. Denn schon bald kämpft er mit den Auswirkungen der Krankheit. Er vergisst immer mehr und immer schneller: Namen, Orte und seine eigene Biografie.
Der Film
Die Familie versucht anfangs, mit der schwierigen Situation konstruktiv und nervenstark umzugehen. Doch im Laufe der Zeit kommt auch sie an ihre Grenzen. "37 Grad" begleitet ihn und sein Umfeld auf seinem Weg ins Vergessen. Der Film zeigt die Erfolge seines Lebens, seine Niederlagen und welche Erinnerungen daran bereits verloren gegangen sind. Das Filmteam ist bei sehr privaten Momenten dabei und beobachtet, welche Klippen er in der Öffentlichkeit umschiffen muss.
Was bedeutet die Krankheit für sein persönliches Umfeld? Hält die Familie diese Belastung wirklich aus? Wie reagieren eingeweihte Freunde aus dem prominenten Umfeld? Rudi Assauer möchte sich mit diesem Film offenbaren - schonungslos und offen. Er hat eine enorme "Wut im Bauch, dass er nicht mehr mithalten kann". Doch er möchte wenigstens den Zeitpunkt, wann und wie die Öffentlichkeit davon erfährt, mitbestimmen.
Verblassende Erinnerungen
"In den letzten Jahren ist es so gekommen, dass ich nach einem Gespräch nicht mehr weiß, mit wem ich gesprochen habe", sagt Rudi Assauer: "Da ist was drin, was nicht rauskommt. Ich vergesse manchmal Dinge, die sind unglaublich. Da kann ich mir nur an den Kopf fassen und sagen, ok, Assauer, so doof kannst du doch nicht sein, dass du solche Fehler machst."
Es gibt künstliche Hüftgelenke, künstliche Nieren oder Herzen. Doch für die zentrale Schaltstelle des Menschen, den Kopf, gibt es weder einen Ersatz, noch eine Alternative. Rudi Assauer hatte schon immer "so richtig Schiss", wie sagt, vor dieser Krankheit.
Eines Tages merkt er, dass sein Gedächnis nicht so funktioniert, wie er es will. Schnell ist eine Begründung zur Hand: schlechte Tagesform, wenig geschlafen, zu viel gearbeitet - was soll's. Doch die Gedächnislücken häufen sich. Namen und Termine sind auf einmal nicht mehr so leicht abrufbar. "Man fühlt sich so richtig blöde, versucht, es zu verstecken und fragt im Zweifel nach - so, als hätte man es akustisch nicht verstanden", berichtet Rudi Assauer. Kurze Zeit später fährt seine Tochter mit ihm in eine Memory-Klinik. Er schafft nur die Hälfte der erforderlichen Punkte. Der Test ergibt die Diagnose: Alzheimer - unheilbar.
Mediziner sprechen von "Demaskierung der Krankheit", ausgelöst durch eine Krise. Es wird vermutet, dass unter anderem der Abschied von Schalke Rudi Assauer sehr zugesetzt hat. "Der Verein hat mich entlassen. Das ist schon eine Zeit her. Ich war dann für sie nur noch 'ne kleine Erbse, die totgetreten worden ist. Nachts sind sie zu mir gekommen und haben mir den Kündigungsschein in die Hand gegeben", berichtet er immer noch sichtlich enttäuscht. "Da habe ich gesagt, ok - die Zeit von Assauer ist nicht mehr da."
Nichts ist wie es war...
Der 67-jährige Mann im dunklen Anzug, weißem Hemd und dunkler Brille sieht äußerlich aus wie früher. Doch er hat sich völlig verändert. Der einstige "Macho der Bundesliga" erinnert sich nicht mehr an seine Mitspieler und spricht langsam und schleppend. "Assauer, das war ein Name mit allen Möglichkeiten", erzählt er tieftraurig: "und heute traue ich mich gar nicht mehr raus, weil es dann überall heißt: Guck mal, der Assauer da - demenzkrank! Und keiner kann dir helfen!"
Diese heimtückische Krankheit Alzheimer war schon immer Assauers Albtraum. Er hatte immer große Angst davor, berichtet seine Tochter Bettina bei der er nun lebt: "Seine Mutter und sein Bruder haben es, meine Mutter mütterlicherseits hat es und jetzt auch noch mein Vater! Mein erster Gedanke war: Jetzt lasse ich mich erstmal testen!" Alzheimer ist nicht heilbar. Doch es gibt Medikamente, die dafür sorgen, dass die Krankheit nicht so schnell voranschreitet.
von Andrea Cornelissen
