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Mythos Gorbatschow

Der traurige Held der Perestroika

Ein Film von Ignaz Lozo

Sendetermin

Do, 08.12.11, 13.15 Uhr

1985 gelangte Michail Gorbatschow als Generalssekretär der KPdSU an die Spitze der Weltmacht Sowjetunion. Seine erklärten Ziele waren, den Sozialismus, die UdSSR sowie den Ostblock insgesamt zu stärken. Aber es kam ganz anders: Am Ende seiner sechseinhalbjährigen Amtszeit standen der Zusammenbruch des Sowjetimperiums und die Einführung des Kapitalismus in Russland.

Panzer der Roten Armee in Moskau  während des Putschversuchs  im August 1991 (Bild: dpa)

Panzer der Roten Armee in Moskau während des Putschversuchs im August 1991 (Quelle: dpa)

Im Westen der Held, in der Heimat der Buhmann
Gorbatschow, im Westen gefeiert und zum Mythos gemacht, wird in Russland und in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken überwiegend als inkompetenter Staatsmann angesehen, der das Land in den Ruin getrieben hat mit seiner konzeptionslosen und widersprüchlichen Perestroika.

Putsch 1991, Ende der Sowjetunion
Dramatischer Höhepunkt der Perestroika-Zeit war der Putsch gegen Gorbatschow im August 1991. Die Politiker, die er alle selbst in ihre Ämter gebracht hatte, begründeten ihr Vorgehen gegen ihn damit, das unstrittige Chaos und den drohenden Zerfall des Landes stoppen zu wollen. Damals hielt die Welt den Atem an. Man befürchtete eine Rückkehr zum gerade beendeten Kalten Krieg. Gorbatschow wurde drei Tage lang von den Putschisten in seiner Urlaubsvilla am Schwarzen Meer isoliert. Die Innen- und Außenbilder der Villa sind ein selten gezeigtes Dokument.

Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow 2009 (Quelle: ap)

Die Ursachen für Gorbatschows Scheitern
"Die Perestroika ist die Fortsetzung der Oktoberrevolution", so Gorbatschow während seiner Amtszeit. Er wollte das Unvereinbare miteinander verbinden: Eine Reform des Sowjetsystems bei gleichzeitiger Stärkung der Fundamente, die Lenin gelegt hatte. Von Wirtschaft verstand Gorbatschow sehr wenig. Seine Reformschritte waren schließlich nur noch von Improvisieren, Reagieren und von Sprunghaftigkeit geprägt.

Weggefährten, Widersacher
In der 45-minütigen Dokumentation des Russland-Experten Ignaz Lozo kommen neben dem Hauptakteur Michail Gorbatschow auch dessen Mitstreiter wie Eduard Schwewardnadse zu Wort, ebenso der damalige Anführer der Perestroika-Gegner im Poltitbüro, Jegor Ligatschow, der mittlerweile 90 Jahre alt ist. Ein seltenes Dokument ist auch das Interview mit Oleg Baklanow, einem noch lebenden Hauptbeteiligten am Putsch 1991. Von den Akteuren und Zeitzeugen auf deutscher Seite schildern Hans-Dietrich Genscher und Horst Teltschik, damals engster Berater von Kanzler Kohl, ihre Sicht der Geschehnisse.

Würdigung
Die Wahrnehmung und Wertschätzung Gorbatschows im Westen und in seiner Heimat könnte unterschiedlicher nicht sein. Den Ursachen dafür geht der Film auf den Grund und zeichnet die spannende und widersprüchliche Zeit nach, in der Gorbatschow Herr im Kreml war. "Gorbi" war ein großer Reformer, doch das Ergebnis seiner Politik, für das ihm viele im Westen applaudieren, hatte er nie gewollt - auch wenn Gorbatschow nach seiner Amtszeit im Westen mehrfach behauptete, er habe Pluralismus und Marktwirtschaft als Ziele gehabt.

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