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Die Wehrmacht - Eine Bilanz (4/5)
Widerstand in Uniform

Oberst Gerhard Wilck (links im Bild gespielt von Bernd-Uwe Reppenhagen) unterhält sich mit Oberst Eberhard Wildermuth (gespielt von Rainer Goernemann) über den 20. Juli 1944 (Quelle: PHOENIX/ZDF/Pawel Jakubek)
Das Attentat vom 20. Juli 1944
"Die kriegen alle noch mal ein Denkmal, das sind die einzigen entschlossenen Leute gewesen, die haben gesehen, in welches wahnsinnige Unglück wir weitergeführt werden." General Dietrich von Choltitz zollte in britischer Gefangenschaft jenen Männern Respekt, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler gewagt hatten - die dort angefertigten Abhörprotokolle bezeugen aber auch die andere Sicht: "Dass so etwas auf keinen Fall gemacht werden darf", stand etwa für den Trent Park-Insassen Major Viebig fest. Er beharrte darauf, "dass man als Soldat seinem obersten Kriegsherrn auf alle Fälle gehorchen muss. So dachte wohl die Mehrheit der Wehrmachtsoldaten. Die Debatte setzte sich nach dem Krieg fort: In der frühen Bundesrepublik wurden die Attentäter ebenso als Hochverräter verfemt wie sie zu Vordenkern eines demokratischen Nachkriegsdeutschland verklärt wurden.
Sendetermin
Sa, 16.03.13, 05.45 Uhr
Ein mythisches Datum
Wohl kaum ein Datum der deutschen Zeitgeschichte wurde so nachhaltig Gegenstand von Mythen und Legenden wie der 20. Juli 1944. Wäre das Attentat auf Hitler gelungen, hätte es ein Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs und das Signal zur Beendigung des Völkermordes werden können. Allein die Wehrmacht hatte während des Krieges die Mittel, dem NS-Regime die Stirn zu bieten. Nicht als der Diktator seine größten militärischen Triumphe feierte, formierte sich die Opposition.
Erst als im Krieg gegen die Sowjetunion der wahre, verbrecherische Charakter dieses Feldzuges deutlich wurde, bildete sich der Kern einer Verschwörung. Die Zahl der Hitlergegner wuchs nach der Niederlage vor Moskau 1941/42 und erst recht nach der Katastrophe von Stalingrad. Für viele gab das Entsetzen über die Verbrechen hinter der Front den Ausschlag - an Zivilisten, vor allem Juden. Getragen wurde der Widerstand in der Wehrmacht indes nur von einer Hand voll Männer.

Der Soldat Heinz Drossel (mit Brille) steht einem zum Tode verurteilten Totalverweigerer bei. (Quelle: PHOENIX/ZDF/Pawel Jakubek)
Einsame Verschwörung
Jene Offiziere, die Hitler schließlich töten und den Krieg aus eigener Kraft beenden wollten, waren einsame Verschwörer, die nicht von der Volksstimmung getragen wurden, sondern nur von ihrem eigenen Pflichtgefühl. Sie waren sich bewusst, dass ein Anschlag auf die Person des "Führers" weder in der Wehrmacht noch in der Bevölkerung auf Verständnis stoßen würde. Für die Verschwörer galt der Fahneneid, auf den sich ihre Vorgesetzten beriefen, nicht mehr. Aus ihrer Sicht hatte Hitler dem Eid jede Grundlage entzogen.
Der Attentäter Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 die Bombe in Hitlers Hauptquartier deponierte, gilt als Symbolfigur des deutschen militärischen Widerstands. Doch der eigentliche Kopf der Verschwörung war seit 1941 Oberst Henning von Tresckow, Stabsoffizier bei der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront. Beide ahnten: Nur der Tyrannenmord konnte dem Schrecken ein Ende bereiten. Sie versuchten zunächst prominente Heerführer für einen Umsturz zu gewinnen - vergeblich.
