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Wir Nachkriegskinder (2/2)

Zeit der Wunder

Film von Annette Koehler und Jobst Knigge

Es ist die Generation, die unser Land bis heute prägt. Als Kinder haben sie den Krieg überstanden, an der Seite ihrer Mütter Bombennächte, Flucht und Vertreibung, die Befreiung der NS-Lager erlebt. Sie fanden sich 1945 wieder in einem Trümmerland, das den Anschein erweckte, als würde es noch Jahrzehnte in vieler Hinsicht am Boden zerstört bleiben.

Im Jahrzehnt darauf erfuhr Westdeutschland eine unerwartet rasche Blüte, im Osten des „Eisernen Vorhangs“ entwickelte sich die DDR zu einem sozialistischen Musterstaat. Hüben wie drüben richteten die Menschen den Blick nach vorn - und selten zurück. Es galt, sich neu einzurichten – und die Schatten der Vergangenheit dabei allzu oft auszublenden. Viele Kinder der Zeitenwende hatten Traumatisches erlebt, über das sie lange nicht sprechen durften oder konnten.

Welchen Preis zahlten sie für den raschen Weg in einen bescheidenen Wohlstand oder eine angeblich klassenlose Gesellschaft? Viele wuchsen vaterlos auf, von klein auf mussten sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich oft selbst um ihr Überleben zu kümmern. Andere fühlten sich als Flüchtlingskinder fremd in ihrer neuen Heimat. Und doch war es für die meisten auch eine schöne Zeit, geprägt von Zuversicht, Improvisationsgeist und der Überwindung überkommener Moralvorstellungen

Sendetermine

Mo. 31.07.17, 21.00 Uhr

Di. 01.08.17, 02.00 Uhr

Di. 01.08.17, 13.30 Uhr

Di. 01.08.17, 19.15 Uhr

Die zweiteilige Dokumentation, die den Programmschwerpunkt zur Nachkriegszeit umrahmt, zeichnet die bewegten und aufregenden Jahre des Aufbruchs am Beispiel prominenter Erfahrungsberichte nach, die einen verblüffenden Einblick in die kaum bekannten Kindheitsgeschichten bekannter Persönlichkeiten eröffnen:

ZITAT

„Sie haben uns einfach nicht geglaubt, dass wir überlebt haben. Hitler hat alle Juden ermordet; für diesen sowjetischen Offizier war das selbstverständlich.”

Michael Degen über die Alliierten
So mussten die Schauspieler Peter Sodann, Winfried Glatzeder, Fritz und Elmar Wepper ohne ihre im Krieg vermissten Väter heranwachsen, die späteren Filmstars Ingrid van Bergen und Eva-Maria Hagen einen Teil ihrer Kindheit in Flüchtlingsquartieren verbringen. Marie-Luise Marjan, die „Mutter Beimer“ der „Lindenstraße“, erfuhr erst mit 16, wer ihre leiblichen Eltern waren und Schauspieler Mario Adorf hat seinen Vater nur ein einziges Mal im Leben gesehen. Michael Degens Vater fiel dem Massenmord an den Juden zum Opfer. Deutschlands erstes Top-Model Vera von Lehndorff, Künstlername „Veruschka“, und die erste Moderatorin der heute-Sendung, Wibke Bruhns, wurden in den 50er Jahren als „Verräterkinder“ gebrandmarkt, weil ihre Väter nach dem Attentat auf Hitler hingerichtet worden waren. Uwe Seeler und Helmut Markwort betrachten die fünfziger Jahre aus der Warte des Spitzensportlers und des Journalisten.

Ihre frühen Jahre waren oft mühsam und entbehrungsreich; dennoch oder gerade deshalb bahnten sie sich erfolgreich ihren Weg – ebenso wie das Nachkriegsland, in das sie hineinwuchsen. Illustriert werden diese Lebensberichte von außergewöhnlichen Filmbildern aus jenen Jahren und animierten Zeichnungen im Stil der graphic novel.

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