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Vollgas brutal

Was tun gegen Rüpel und Raser?

Film von Lutz G. Wetzel

Deutschland gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen oftmals kein Tempolimit auf den Straßen gilt. Immer mehr Autos müssen sich diese große Freiheit auf den Schnellstraßen teilen. Und das führt zu immer rauer werdenden Sitten: Viele Autofahrer rasen, drängeln und riskieren ständig noch mehr auf Kosten der Schwächeren. Entspannt gleitet man hingegen über die Straßen im europäischen Ausland, auf denen eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. Aber kaum wieder auf der deutschen Autobahn zurück, sind bei manchen die Rüpelmanieren präsent: Bleifuß, dichtes Auffahren, Telefonieren und E-Mails checken am Steuer, Gaffer bei Unfällen, Rücksichtslosigkeit.

Warum werden viele Autofahrer zu "Ungeheuern auf vier Rädern"? Warum können viele von ihnen mit der Freiheit auf den Straßen in Deutschland so schlecht umgehen? "45 Min" macht eine Erkundung tief in das Seelenleben des deutschen Autofahrers, hat bekennende Schnellfahrer, ertappte Raser und bekehrte Temposünder aufgesucht und sie über ihre Motivation erzählen lassen. Einer von ihnen soll eine Zivilstreife mit 180 km/h in der 70er-Zone riskant überholt haben. Wie geht ein Gerichtsverfahren in einem solchen Fall aus? Was rät ihm der Verkehrspsychologe? Kennt der Anwalt ein paar Tricks, um den
Führerscheinentzug zu vermeiden? "Die Deutschen sind im Straßenverkehr prinzipiell rechthaberisch, und sie nehmen jedes Hupen persönlich", sagt der Unfallforscher der Versicherer Siegfried Brockmann. In seiner
Umfrage haben sich viele Deutsche dazu bekannt, im Straßenverkehr aggressiv zu sein.

Die Konsequenzen sind sichtbar: "Die Unfälle nehmen nicht zu, aber ihre Folgen werden immer schlimmer, weil gnadenlos gerast wird", erklärt Autobahnpolizist Werner Johannes. Seit 26 Jahren macht er Dienst an der A1. Er hat viele furchtbare Unfälle gesehen. Für ihn
gibt es nur ein Mittel, um die Verkehrsdisziplin auf deutschen Straßen zu erhöhen: "Nicht die Bußgelder erhöhen, sondern den Führerschein schneller entziehen. Bei jedem schweren Crash, den ich sehe, denke ich: Hätten wir Tempo 130 auf den Autobahnen, würden so viele Menschen noch leben." Da hätte auch bei Lucia Lüchow und ihrer 15-jährigen Tochter Sofia so sein können. Bei einer Fahrt in den Urlaub an die Ostsee wurde ihr Kleinwagen auf der A20 bei Rostock von einem Audi mit etwa 200 km/h von der Straße gerammt. Beide Frauen starben bei dem
Unfall. Was bedeutet ein solches Drama für die Angehörigen? Wie geht deren Leben weiter?

Sendetermin

Di. 24.10.17, 16.45 Uhr

Die Familie der Opfer und eine Überlebende des Unfalls berichten, wie diese Tragödie ihr Leben verändert hat, wie die unfassbare Nachricht sie erreichte und was sie gegenüber dem Unfallfahrer empfinden. "Hätte sich der Fahrer an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gehalten, würden die Frauen noch leben", schrieb der Gutachter.

Warum gibt es in Deutschland kein Tempolimit? Viele glauben, dass das die Autolobby verhindere. Und die Politik sei zu schwach, um Geschwindigkeitsbeschränkungen auf deutschen Straßen gegen die Macht der PS-Clans durchzusetzen. Der Verband der Automobilindustrie hat seine eigene Vision, deren Ziel ist das unfallfreie Fahren, konstatiert sie. Die Realität sieht anders aus: Vollgas fahren und Schrottautos durch Unfälle mit Todesopfern gehören immer noch zum Alltag auf Deutschlands Straßen.

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