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Ludwig Erhard

Der Optimist

Der Film zeigt die Stationen im Leben eines Wissenschaftlers, der an den politischen Realitäten scheiterte. Erhard war ein Optimist mit unerschütterlichem Glauben an das Gute im Menschen, der Autorität im Amt des Kanzlers nicht durchsetzen wollte und konnte. Noch nie gezeigte Aufnahmen, gedreht vom persönlichen Referenten Dankmar Seibt, zeigen den Menschen Erhard aus nächster Nähe.

Ludwig Erhard, "Mr. Wirtschaftswunder", der Optimist mit der Zigarre, vom Volk liebevoll "der Dicke" genannt, schien geradezu das Fleisch gewordene Symbol für Aufschwung und Wohlstand. Als Wirtschaftsminister in den Aufbaujahren der jungen Republik war er zur Legende geworden. Der Union diente er als zugkräftige Wahllokomotive. Als Erfolgsgarant schien er im Regierungslager der ideale Nachfolger von Konrad Adenauer zu sein. Doch "der Alte" war strikt gegen einen Kanzler Ludwig Erhard. Ihm war sein langjähriger Minister zu unpolitisch, zu unerfahren, vor allem in der Außenpolitik. Vier Jahre bekämpfte Adenauer seinen Kronprinzen, schmiedete Intrigen, demütigte ihn. Am Ende wurde der populäre Erhard doch zum Kanzler gewählt.

Der Volkskanzler in der Wirtschaftskrise
Erhard blieb beliebt, wollte als "Volkskanzler" in die Geschichte eingehen und holte trotz erster Anzeichen einer Wirtschaftskrise bei der Bundestagswahl 1965 fast die absolute Mehrheit. Immer deutlicher aber traten seine Schwächen zu Tage. Erhard, der legendäre Vater des Aufschwungs, wurde zum glücklosen Kanzler, der vor allem an sich selbst scheiterte und an seinem Verhältnis zur Macht.

Sendetermine

Di, 19.05.09, 02.15 Uhr

Taktische Verbindungen eingehen, Widersacher gegeneinander ausspielen - das war diesem Kanzler, der im Kabinett nur von Freunden umgeben sein wollte, zuwider. Er setzte auf Kollegialität, wollte Harmonie, eine "formierte Gesellschaft", die ohne Lobbyisten auskommt. Dass eine parlamentarische Demokratie vom Widerstreit der Interessen lebt, wollte Erhard nicht einleuchten. Er geriet zunehmend in die Defensive. Seine Autorität verfiel. 1966, nach nur drei Jahren, endete die Amtszeit des glücklosen "Volkskanzlers".

Dokumentation von Jörg Müllner und Heiner Wember (1999)

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