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Kurt Georg Kiesinger
Der Vermittler

Kurt Georg Kiesinger (l., undatierte Aufnahme) und sein Nachfolger Willy Brandt. (Quelle: PHOENIX/ dpa)
Er schmiedete ein schwieriges Regierungsbündnis mit Stil und Geschick, aber den Umbruch der Gesellschaft im Zeichen von Vietnam, sexueller Revolution und NS-Debatten quittierte der konservative Gentleman an der Spitze des Staates mit Unverständnis. Kurt Georg Kiesinger war stilvoll und tiefsinnig, ein Schöngeist und Bildungsbürger par excellence im Regierungsamt. Sein Vermittlungstalent und seine Rednergabe - die ihm einst den Ruf als Adenauers "Parlamentsdegen" eintrug - prädestinierten ihn für die Herausforderungen seiner Amtszeit. Unter seiner Obhut fanden die einst verfehdeten Volksparteien zu einer großen Koalition zusammen, die ihre politischen Hausaufgaben mit Erfolg absolvierte. Und doch erschien einer reformhungrigen Protestbewegung diese Politik als Stillstand, der Kanzler als Auslaufmodell einer überholten Epoche. Der Kanzler - mit NS-Vergangenheit - schien trefflich ins Feindbild der Protestgeneration zu passen. Die Ohrfeige der jungen Frau wirkte für die Jugend, die gegen das Schweigen der Eltern revoltierte, wie ein Befreiungsschlag.
Sendetermin
Di, 19.05.09, 03.00 Uhr
Engste Mitarbeiter wie sein Regierungssprecher Günther Diehl oder der spätere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, politische Weggefährten aus unterschiedlichen Lagern wie Reiner Barzel oder Egon Bahr, aber auch Widersacher wie Günter Grass oder Beate Klarsfeld, die den Kanzler 1968 öffentlich ohrfeigte, kommen in diesem Film zu Wort. Aufnahmen aus dem Innenleben des Bonner Machtgefüges schildern den Kanzler im Zwiespalt mit der Zeit des Umbruchs.
Dokumentation von Peter Hartl und Ricarda Schlosshahn (1999)
