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Flucht in die Freiheit (2/2)

Mit allen Mitteln

Film von Oliver Halmburger

Mit jeder geglückten Flucht wurden die Schlupflöcher in den DDR-Grenzanlagen beseitigt. Der Ausbau der Mauer wurde bis ins Wahnhafte perfektioniert - in den 70er Jahren setzte die DDR so genannte Selbstschussanlagen ein. Den "anti-imperialistischen Schutzwall" ließ sie sich einiges kosten: Rund eine Milliarde Ost-Mark flossen jährlich allein in die Instandhaltung der circa 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze. Dennoch suchten immer wieder mutige Menschen nach neuen Wegen, das ausgeklügelte Grenzsystem der DDR zu überlisten.

Mit allen Mitteln 1

1979 wagten die Familien Strelzyk und Wetzel den riskanten Versuch, in einem selbst gebauten Heißluftballon die innerdeutsche Grenze zu überwinden. (Quelle: PHOENIX/ ZDF/ Jasmina Krajacic)

Wettlauf gegen die Zeit

Mit einem selbstgebauten Heißluftballon planen die Familien Strelzyk und Wetzel ihr Flucht in die Freiheit. Die Vorbereitungen dauern Monate. Am 3. Juli 1979 misslingt der erste Versuch. Nur zweihundert Meter vor dem Todesstreifen bleibt der Ballon in den Bäumen hängen. Erst Tage später entdecken ihn die Grenztruppen. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Spur die Stasi zu den Fluchtwilligen führt.

Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Tag und Nacht nähen die Familien Strelzyk und Wetzel an einem neuen, größeren Ballon. Am 16. September 1979 wagen sie den zweiten Versuch. Doch auch dieses Mal läuft nicht alles nach Plan. Der Ballon reißt, der Gasbrenner setzt aus. Die Grenzer entdecken den Ballon und erbitten um Schießbefehl aus Berlin. Doch als der eintrifft, ist der Ballon bereits mit Bruchlandung im Westen angekommen. Die Flucht im selbst genähten Heißluftballon sorgt weltweit für Schlagzeilen. 1981 wird sie in Hollywood verfilmt.

Flucht auf dem "Fun-Board"

Auch die jungen Ostberliner Hobby-Surfer Karsten Klünder und Dirk Deckert wollen die Bevormundungen, Bespitzelungen und Gängeleien in der DDR nicht länger ertragen. Frei reisen, segeln und surfen - davon träumen sie. Heimlich besorgen sie sich aus dem Westen Konstruktionspläne so genannter "Fun-Boards": Surfbretter, die auch bei starkem Sturm noch zu fahren sind.

Im November 1986, als die Herbststürme über das Land fegen, wagen sie das schier Unmögliche: Flucht quer über die Ostsee, 70 Kilometer von Rügen über Hiddensee nach Dänemark. Doch noch in der Brandung reißt sich Dirk Deckert ein Loch in den Neoprenanzug. Die Überfahrt in eiskaltem Wasser ohne ausreichenden Schutz gleicht einem Selbstmordversuch. Er entscheidet sich umzudrehen, den Anzug zu reparieren und es am nächsten Tag erneut zu versuchen. Karsten Klünder gelingt die riskante Flucht auf dem Surfbrett auf Anhieb. Mit dänischen Fischern sucht er nach seinem Freund und kann ihn einen Tag später erschöpft aus dem Wasser ziehen.

Sendetermine

Mi. 16.08.17, 21.00 Uhr

Do. 17.08.17, 02.00 Uhr

Do. 17.08.17, 13.30 Uhr

Do. 17.08.17, 19.15 Uhr

Do. 04.01.18, 23.00 Uhr

Fr. 05.01.18, 05.00 Uhr

Fr. 05.01.18, 15.00 Uhr

Das dreiste Flucht-Trio

Den Brüdern Ingo, Holger und Egbert Bethke gelingt es gleich dreimal, den Todesstreifen zu überwinden.1975 paddelt Ingo Bethke in einer Nacht- und Nebelaktion mit einer Luftmatratze über die Elbe in die Freiheit. Acht Jahre später verhilft er seinem Bruder Holger in einer atemberaubenden Fluchtaktion mit einer selbstgebauten Seilbahnkonstruktion in den Westen.

Im Mai 1989, nur wenige Monate vor dem Fall der Mauer, setzen die Bethke-Brüder ihrer Fluchtserie die Krone auf: Ingo und Holger holen ihren Bruder Egbert mit zwei Ultraleichtflugzeugen aus Ost-Berlin heraus. Ihre Flucht dokumentieren sie auf Video. "Vor lauter Freude und Erregung habe ich mich wirklich auf die Knie begeben und habe den Boden geküsst und habe gesagt "Gott sei Dank, es hat geklappt!"", erinnert sich Egbert Bethke an die Landung vor dem Berliner Reichstagsgebäude. "Flucht in die Freiheit - Mit allen Mitteln" erzählt die packenden Geschichten der Frauen und Männer, die alles riskierten, um endlich frei zu sein. Ihnen gelang die Flucht aus der DDR. Doch rund 1300 Menschen hat die deutsch-deutsche Grenze in den 28 Jahren ihres Bestehens das Leben gekostet. Über 130 davon starben an der Berliner Mauer.

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