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Paul Josef Nardini

Sozialreformer und Gründer des Ordens der "Mallersdorfer Schwestern"

Die Seligsprechungsfeier findet am 22. Oktober im Speyerer Dom statt. Paul Josef Nardini ist der erste Pfälzer, der selig gesprochen wird.

Paul Josef Nardini

Paul Josef Nardini (Quelle: dpa)

Theologische Ausbildung
Paul Josef Nardini wurde am 25. Juli 1821 in Germersheim als uneheliches Kind eines österreichischen Militäringenieurs geboren. Seit 1823 wuchs er in der Familie einer Großtante auf und erhielt später von seinem Pflegevater den Namen "Nardini". Nach dem Abschluss der Volksschule durfte er 1834 die Lateinschule in Germersheim besuchen. 1838 wechselte er auf das Gymnasium in Speyer und wurde 1840 in das nun eröffnete Bischöfliche Konvikt aufgenommen. Nach dem Abitur 1841 ging Nardini zum Studium der Theologie nach München, wo er am 25. Juli 1846 mit Auszeichnung zum Dr. theol. promovierte. Nur einen Monat später wurde er im Dom zu Speyer von Bischof Nikolaus von Weis zum Priester geweiht und zwei Tage später zum Stadtkaplan ernannt. Da er sich der Seelsorge widmen wollte, arbeitete er in einer Pfarrei im pfälzischen Geinsheim.

Zwischen Predigt und Fürsorge
Die Arbeit in Geinsheim war für Nardini nicht leicht. „Nur einer gewissenhaften, umsichtigen Seelsorge, einem rastlosen Eifer und einer vollen männlichen Geistes- und Leibeskraft" könne es gelingen, die Pfarrei "nach Jahren in einen annehmbaren Zustand zu erheben.", schrieb Nardini an das Ordinariat. In einem Brief an den Bischof bemerkten die Katholiken von Geinsheim aber, dass sie Nardini als "einen guten Hirten erkannt" hätten. Sie erklärten: "Unsere Männer sind ganz umgewandelt, unsere Kinder sind neu geboren, wir alle haben jetzt das rechte Licht erhalten. Keiner in Geinsheim, auch wenn er noch so hoch betagt" sei, habe je "solche Worte des heiligen Evangeliums gehört als [...] von [...] Pfarrer Dr. Nardini."

Am 8. Mai 1851 wurde Nardini zum Pfarrer einer 1.800 Seelen zählende Diasporagemeinde in Pirmasens ernannt. Der Priester fand in der westpfälzischen Stadt große soziale Not vor. Gegen viele Widerstände (sowohl aus der Politik als auch von Pirmasenser Bürgern) versuchte Nardini, die prekäre Situation zu verbessern. Dem bayerischen Staat, zu dem die Pfalz damals gehörte, war es ein Dorn im Auge, dass er sich der Armenpflege annahm, die eigentlich Sache des Staates war.

Nardinis Werk
Das Grab Paul Josef Nardinis kann in der Kapelle des Nardinihauses in Pirmasens besucht werden. Dort haben die Schwestern auch eine Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung über sein Leben und Werk eingerichtet. Die "Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie", auch "Mallersdorfer Schwestern" genannt, sind noch heute in der Kranken- und Armenpflege sowie in der Erziehungsarbeit tätig. Dem Schwesternorden gehören rund 1.200 Ordensfrauen an. Sie wirken nicht nur in Deutschland, sondern auch in Rumänien und Südafrika. In der Diözese Speyer gibt es 13 Niederlassungen mit 155 Schwestern.

Um der Not in Pirmasens zu begegnen, errichtete Nardini eine Niederlassung der Niederbronner Schwestern aus dem Elsaß. Er schrieb an seinen Bischof: "Ich habe die schlagendsten Beweise, dass der Allmächtige auch diesem weiblichen Zweige des Franziskanerordens seinen Schutz hat angedeihen lassen." Da die Schwestern jedoch als Ausländerinnen ausgewiesen werden sollten, gründete Nardini am 2. März 1855 eine neue Schwesterngemeinschaft, die er "Arme Franziskanerinnen von der hl. Familie" nannte. Ihre Aufgabe lag in der Armen- und Krankenpflege und in der Erziehung verwahrloster Kinder.

Bedeutung für die Nachwelt
Mitten in seinen Bemühungen um die staatliche Genehmigung seiner Kongregation erkrankte Nardini zu Beginn des Jahres 1862 an einer Lungenentzündung und starb am 27. Januar. Seine letzten Worte waren: "O mein Jesus, bald werde ich aufs innigste mit dir vereint! O Maria, mit deinem sterbenden Sohn, bitte für mich! - Jesus, Maria, Josef!"

von Borries Alexander Thiele, PHOENIX.online

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