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Der Visionär - Willy Brandt

Willy Brandt 1972 (Quelle: tagesschau.de)
Ein deutscher Bundeskanzler kniet nieder und findet dafür Beifall in aller Welt. Das Bild von Willy Brandts Kniefall vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos wurde Ausdruck einer neuen Politik. Brandt war anders als seine Vorgänger. Er konnte sein Publikum mitreißen, aber er konnte auch schroff und abweisend sein. Er wurde geliebt und zugleich gehasst. Als Visionär gab er neue politische Impulse, aber immer wieder versank er in heftigen Depressionen. Er verkörperte wie sein Vorbild John F. Kennedy unerschöpfliche Dynamik, war aber verletzlich, ja mitunter mimosenhaft.
Sendetermine
So, 10.05.09, 03.15 Uhr
Di, 19.05.09, 03.45 Uhr
Der Politiker Brandt blieb Mensch, der zu seinen Schwächen stand. Auch das war Grund für seine Popularität, und zugleich der Keim seines Sturzes nach knapp fünf Jahren Amtszeit. Wegen der Ostverträge kam es zu heftigen Auseinandersetzungen im Bundestag. Hatte man Konrad Adenauer vorgeworfen, die Westbindung gefährde die deutsche Einheit, so warf die Opposition nun Willy Brandt vor, die politische Anerkennung der Ostgrenzen stehe der Wiedervereinigung Deutschlands entgegen.
Das Misstrauensvotum scheiterte unter teils dubiosen Umständen. Die bald darauf folgende Bundestagswahl bestätigte jedoch Brandts Kurs - auch in der Innenpolitik. Doch innerhalb der eigenen Partei formierte sich eine Gruppe von Brandt-Gegnern, denen sowohl der Regierungsstil als auch die privaten Eskapaden des Kanzlers missfielen. Wehner, "Zuchtmeister" und Stratege der SPD, wurde vom Partner zum Antagonisten Brandts. "Der Mann badet gerne lau", ließ der Fraktionschef bei einem Moskaubesuch verlauten.
Dokumentation von Guido Knopp und Ingo Helm (1999)
