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Heiße Spur am Monte Verde

Das Rätsel der ersten Amerikaner

Eine Dokumentation von Gisela Graichen und Peter Prestel

Die ersten Amerikaner seien vor 12.000 Jahren über eine Landbrücke von Sibirien aus auf den Kontinent gelangt - so die gängige Theorie. Doch die Geschichte muss an dieser Stelle neu geschrieben werden. Der Film begleitet eine abenteuerliche Expedition nach Süd-Chile, wo Wissenschaftler Spuren fanden, die auf eine viel frühere Besiedlung schließen.

Sendetermin

Fr, 11.06.10, 18.30 Uhr

Ein Filmteam nahm in diesem Jahr an einer Expedition von Wissenschaftlern teil, die ganz aktuell herausfinden wollten, dass die Völkerwanderung nach Amerika viel früher und mit Papyrusbooten stattgefunden haben könnte. Hatte Thor Heyerdahl, der mit seinen Balsaholz- und Papyrusboot-Theorien in der Mitte des 20. Jahrhunderts viel Aufsehen erregte, doch Recht?

Durch neu entdeckte Fundstellen und Ausgrabungen erhärteten sich die abenteuerlich anmutenden wissenschaftlichen Theorien, die die Urheimat der ersten Amerikaner auf der Iberischen Halbinsel oder gar in Australien sehen. Harte Beweise gegen die nordamerikanischen Anhänger der Clovis-Theorie, benannt nach dem berühmten Fundplatz des angeblich "ersten Amerikaners" in Neu-Mexiko.

In Monte Verde (Süd-Chile) liegt der Ausgangspunkt der neuen und heftig umstrittenen Besiedlungstheorie. Der renommierte Professor Tom Dillehay von der University of Kentucky förderte hier in den letzten Jahren die Zeugnisse einer 15.000 Jahre alten Kultur zu Tage. Viel früher als die "ersten Amerikaner", die über die trockene Beringstraße ausgewandert sein sollen, hatten die hier ansässigen Kanuindianer schon eine ausgeprägte Kultur.

Damit stellte Dillehay die gängige Lehrmeinung über die Ur-Geschichte Amerikas auf den Kopf. Zum Beweis führt er C14- Radiokarbonanalysen seiner Funde, steinzeitliche Klingen, Pfeilspitzen, aber auch organisches Material an. Doch die Skeptiker zweifeln seine C14-Daten an. Besonders in der amerikanischen Öffentlichkeit geriet Monte Verde unter Beschuss, Südamerikaner als Ur-Amerikaner wollte und will man sich nicht vorstellen.

Im Gelehrtenstreit will nun ein deutscher Professor, der Paläobiologe Frank Riedel von der Freien Universität Berlin, neue Beweise für Dillehays These liefern. Mit einem interdisziplinären vierköpfigen "Time-Team" hat er vor, die Umweltbedingungen von vor 15.000 Jahren zu rekonstruieren, um festzustellen, ob eine derart frühe Besiedlung im rauen Patagonien überhaupt möglich war. Es ist eine Expedition zu den Anfängen der Menschheit, bei der die Forscher im wahrsten Sinne des Wortes Neuland betreten.

Riedels Expedition zum "Land des Rauchs", wie Magellan die südlich gelegene Küsten der von ihm entdeckten Meeresverbindung von Atlantik und Pazifik nannte, führt zu den letzten noch lebenden Kanu-Indianern. Diese fast ausgestorbene Ur-Bevölkerung lebt heute weit ab unserer Zivilisation auf der schwer zugänglichen Isla Wellington.

Konnte man damals im noch kälteren Patagonien überhaupt leben? Im Verlauf der abenteuerlichen Reise zum Ende der Welt untersuchen Riedel und sein Team die Vergletscherung des südlichen Kontinents.

Riesige Eisbarrieren sollen in der letzten Eiszeit ein Vordringen der Menschen nach Süden verhindert haben. Doch das Eis band auch große Mengen Wasser, so dass der Meeresspiegel mehr als hundert Meter tiefer lag. Es konnte also heute nicht mehr zu erahnende Landbrücken, Einwanderungsschneisen, gegeben haben. Riedels erste Ergebnisse - er untersucht die DNA von winzigen Meeresschnecken -, die ihm als eine Art biologischer Uhr dienen, klingen revolutionär: Die ersten Amerikaner kamen aus Nordostasien und sie kamen mit dem Kanu über das Meer.

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