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Historische Ereignisse

Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs

So. 29.10.17, 00.00 - 03.00 Uhr, Wdh. So. 29.10.17, 14.00 Uhr, Fr. 03.11.17, 04.30 Uhr

Es war ein Krieg, der deutlich machte, wozu Menschen fähig sind. Alles, was das 20. Jahrhundert ausmacht, spiegelt sich in diesem Weltenbrand. Die kollektive Erinnerung der Deutschen wird er auch in Zukunft entscheidend prägen. Nach mehr als 70 Jahren seit seinem Ende hat die Wissenschaft viele grundlegende Fragen klären können. Und dennoch: Bis heute ranken sich um diesen Krieg zahlreiche Rätsel und Legenden. In vier Folgen, die an die erste Staffel "Geheimnisse des 'Dritten Reichs'" anknüpfen, richtet die zeitgeschichtliche Reihe "Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs" den Blick auf ungeklärte Ereignisse, neue verblüffende Forschungsergebnisse und offene Fragen zu den Geheimnissen des Zweiten Weltkriegs.

ca. 00.00, 14.00 & 04.30 Uhr:
Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs

Die Akte Hess
Film von Jörg Müllner

Die Akte Hess

Karlheinz Pintsch, der Adjutant von Rudolf Heß verbringt drei Jahre - von 1945 bis 1948 - in sowjetischer Haft. Er liefert den Sowjets Einzelheiten zu Heß Englandflug. (Quelle: PHOENIX/ZDF/Harald J. Braun)

Der mysteriöse Englandflug des "Führer"-Stellvertreters Rudolf Heß ist Thema der ersten Folge. War sein Flug am 10. Mai 1941, sechs Wochen vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, die Wahnsinnstat einer labilen Persönlichkeit oder der ernsthafte Versuch eines Überzeugungstäters, den Krieg zwischen England und Deutschland zu beenden?

Was wusste Hitler? Gab er seinem Stellvertreter sogar den Auftrag, den Frieden mit England zu verhandeln? Oder wurde Heß vom britischen Geheimdienst in eine Falle gelockt?

Zum Rätselraten trägt bei, dass über Jahrzehnte wichtige Dokumente nicht freigegeben wurden oder nur schwer zugänglich waren - wie etwa der private Nachlass von Rudolf Heß. Manfred Görtemaker von der Universität Potsdam erforscht als erster Experte die persönliche Korrespondenz des Hitler-Stellvertreters, die im Schweizer Bundesarchiv lagert und trifft auf eine Persönlichkeit, die vom bisherigen Heß-Bild abweicht.

Noch immer beschäftigen die Umstände seines Todes im Spandauer Gefängnis Verschwörungstheoretiker weltweit. War es Mord, Selbstmord oder vielleicht sogar ein Akt aktiver Sterbehilfe? Offiziell heißt es, der 93-jährige Heß habe sich mit einem Kabel erdrosselt. Der Münchner Rechtsmediziner, Professor Wolfgang Eisenmenger hat die Leiche damals obduziert. Er spricht im Interview von Ungereimtheiten und Hindernissen, festlegen auf die Todesursache will er sich nicht. Eine eindeutige Antwort wird es wohl nicht mehr geben können. Die Alliierten lassen das Gefängnis im Oktober 1987 abreißen.

Experten und Zeitzeugen diskutieren den aktuellen Stand im "Fall Heß" - eine Geschichte, über die der Würzburger Historiker Rainer F. Schmidt sagt: "Die Rätsel um Rudolf Heß beginnen mit dem Flug, und sie enden mit seinem Tod im Alliierten Militärgefängnis in Spandau.

Es scheint fast so, als ob er alles daran setzte, sich unauslöschlich in die Geschichtsbücher einzutragen - durch seinen Flug und sein spektakuläres Ende."

ca. 00.45, 14.45 & 05.15 Uhr:
Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs

Das Geheimnis von U 513
Film von Oliver Halmburger

"Wie ein Geisterschiff lag es vor uns", erinnert sich Vilfredo Schürmann an den Augenblick, als er die ersten Bilder sah, die der Tauchroboter im März 2012 aus der Tiefe schickte. Neun Jahre lang hatten der deutschstämmige Brasilianer und sein Team in den Küstengewässern Brasiliens nach Spuren deutscher U-Boote gesucht, die dort vor 70 Jahren - seit dem Kriegseintritt Brasiliens auf Seiten der Alliierten - kreuzten.

Nach jahrelanger Suche war er am Ziel: In 130 Meter Tiefe entdeckte Schürmann das Wrack von U 513, einem deutschen Langstrecken-U-Boot vom Typ IX C, das bislang als verschollen galt.

Elf "Graue Wölfe", wie die Boote damals genannt wurden, sind von 1942 an im Südatlantik im Einsatz. Ihr Auftrag: alliierte Militärtransporter torpedieren und den Nachschub kriegswichtiger Güter nach Großbritannien und den USA unterbinden. Schon drei Jahre tobt die "Atlantikschlacht".

Zunächst sind die alliierten Geleitzüge den unsichtbaren Angreifern fast hilflos ausgeliefert. Doch dann rüsten die Westmächte auf, die deutschen U-Boote werden von Jägern zu Gejagten. Admiral Dönitz, der deutsche Oberbefehlshaber der Marine, sieht sich durch die großen Verluste gezwungen, die Geleitzugschlacht im Nordatlantik einzustellen. Der "Tonnagekrieg" soll im Südatlantik weitergeführt werden.

Friedrich Guggenberger bei der Arbeit in der Kapitänskajüte.

Friedrich Guggenberger bei der Arbeit in der Kapitänskajüte. (Quelle: phoenix/ZDF/Harald J. Braun)

Anfang 1942 wird U 513 in Dienst gestellt, im Mai 1943 übernimmt Kapitänleutnant Friedrich Guggenberger das Kommando. Ein erfahrener Marineoffizier, von seinen Männern verehrt und von der NS-Propaganda als "U-Boot-Ass" wegen der Versenkung des britischen Flugzeugträgers "Ark Royal" gefeiert. Guggenberger nimmt Kurs gen Süden.

Vor der Küste Brasiliens soll er Handelsschiffe torpedieren, denn das Land liefert neben Kaffee auch den kriegswichtigen Kautschuk. Ohne Gummi keine Reifen und somit kein Nachschub für die alliierten Truppen, so das Kalkül der Deutschen. U 513 versenkt fünf alliierte Schiffe. Doch am 19. Juli 1943 gerät das U-Boot ins Visier eines US-Marinefliegers.

Den überraschten Deutschen bleibt keine Zeit zum Abtauchen - von Wasserbomben getroffen sinkt U 513 binnen weniger Sekunden. Von den 60 Besatzungsmitgliedern können sich nur sieben retten - unter ihnen Kommandant Guggenberger.

Es waren brasilianische Fischer, die 2010 entscheidende Hinweise auf das verschollene U-Boot gaben. Mehrmals hatten sich ihre Netze am Meeresgrund verfangen. Den zunächst noch sehr vagen Angaben geht Vilfredo Schürmann nach. Über zwei Jahre lang ist der Weltumsegler immer wieder mit seinem Team hinausgefahren, um den Meeresgrund mit einem Sonar abzuscannen.

"Einige Freunde haben gesagt, ich würde einem Traum nachlaufen und das U-Boot nie finden. Ich ließ mich aber nicht beirren", sagt er im Interview. Am Ende wird er für seine Ausdauer belohnt: "Ich bin glücklich, ein Teil der Geschichte geworden zu sein."

ca. 01.30, 15.30 & 05.45 Uhr:
Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs

Krankenakte Hitler
Film von Friedrich Scherer, Steffi Schöbel und Thomas Staehler

Wie krank war Hitler? Diese Frage beschäftigt Mediziner, Psychiater und Historiker seit mehr als sechzig Jahren. "Ein Mann, der einen verbrecherischen Krieg vom Zaun gebrochen hat und sechs Millionen Juden ermorden ließ, der muss auf seine Gesundheit hin untersucht werden", sagt der Medizinhistoriker Prof. Dr. Hans-Joachim Neumann. Hitlers Medikamentenliste ist lang: 82 verschiedene Präparate nahm er ein - bis zu acht verschiedene Arzneimittel täglich - und das, obwohl er von sich selbst behauptete: "Ich war nie krank". Anhand der Krankenakten Hitlers aus Archiven und Privatbesitz - darunter auch aus dem Nachlass seines Leibarztes Theodor Morell - rekonstruiert der Film, wie es wirklich um die Gesundheit des Diktators stand.

Nach 1945 wurde Hitlers Leibarzt von Kollegen bezichtigt, er habe Hitler "mit Drogen vollgepumpt" und völlig falsch behandelt. Hitler nahm harmlose Substanzen wie Traubenzucker und Vitamine, aber auch abhängig machende Medikamente wie Morphium und barbiturathaltige Schlafmittel. Pillen, die er einnahm, enthielten Strychnin, ein Nervengift. Ab 1944 gab Morell seinem Patienten jeden Tag nach dem Aufstehen eine "Kraftspritze". Zeitgenossen vermuteten, dass es sich dabei um das Aufputschmittel "Pervitin" handelte, ein Metamphetamin, das unter dem Namen "Crystal Meth" auch heute noch zu den gefährlichsten Drogen überhaupt gehört.

Im August 1941 nahmen Zeitgenossen bei Hitler zum ersten Mal ein Zittern seines linken Arms wahr. Die letzten Aufnahmen des Diktators im März 1945 zeigen ihn als zitterndes Wrack. War es eine Folge des jahrelangen Medikamentenmissbrauchs, wie einige Forscher vermuten?

ca. 02.15, 16.45 & 06.30 Uhr:
Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs

Mythos Alpenfestung
Film von Christian Frey

Die "Alpenfestung": mehr als ein dreister Bluff? Die Amerikaner jedenfalls nahmen sie sehr ernst. Schon seit dem Herbst 1944 hatte der US-Agentenchef Allen Dulles in Bern beunruhigende Meldungen gesammelt und nach Washington gekabelt: Die Deutschen seien dabei, die Alpenregion vom Comer See bis zur Wiener Neustadt in ein fast uneinnehmbares "Reduit" zu verwandeln, mit unterirdischen Fabriken und Kommandozentralen, Raketen und Düsenflugzeugen, Hunderttausenden kampferprobter Soldaten und Vorräten für Jahre. Mit der Alpenfestung wollten Heinrich Himmler und seine Gefolgsleute ihre Haut retten: Südbayern und Österreich als letzte Verteidigungsstellung der SS.

Im Angesicht der drohenden Niederlage sahen viele SS-Führer darin wohl einen Faustpfand für einen Deal mit den Alliierten - allen voran den Amerikanern. Ihr Kalkül: Entweder ein Waffenstillstand und damit Schutz vor alliierter Strafverfolgung oder Widerstand bis zum Letzten in einer schier uneinnehmbaren Bergfestung - ein hoher Preis, den die Alliierten zu zahlen gehabt hätten. Soweit kam es glücklicherweise nicht. Doch die Vorbereitungen liefen.

Auch heute noch finden sich - für die Öffentlichkeit unzugänglich - Reste gigantischer unterirdischer Produktionsanlagen, Baustellen und Kommandozentralen in der Alpenregion. Für diese Dokumentation wurden mit einer Sondergenehmigung zwei dieser unterirdischen Gebäudekomplexe zugänglich gemacht: der „Grillstollen“ in Hallein bei Salzburg, von dem aus Himmler die SS in der Alpenfestung befehligen wollte, und eine Fabrik für Düsenjägerteile im Silberbergwerkstollen von Schwaz in Tirol - faszinierende Blicke in eine Unterwelt, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

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