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TACHELES - Talk am roten Tisch
Mo, 04.02.13 00.05 - 01.00 Uhr; So, 10.02.13, 13.00 - 14.00 Uhr & So, 17.02.13, 13.00 - 14.00 Uhr

(Quelle: PHOENIX)
Ein einfacher Bluttest in der Schwangerschaft verspricht Auskunft darüber, ob ein Kind behindert sein wird. Ist der Test ein Fortschritt, weil er riskantere Verfahren ersetzt? Oder verstößt er gegen die Menschenwürde, weil damit unerwünschte Eigenschaften schon vor der Geburt aussortiert werden?
Darum geht es bei Tacheles im Januar, etwa mit dem hessischen Bischof Martin Hein. Er warnt vor einer Gesellschaft, die immer perfekter werden wolle. Die Autorin Monika Hey wirft der Medizin vor, mit den Ängsten von Schwangeren "Schindluder zu treiben". Dagegen sagt der Humanmediziner Klaus Zerres: Schnelle Diagnosen sind zum Vorteil der Schwangeren.
Bevor sich der Bischof der Evangelischen Kirche Martin Hein von Kurhessen-Waldeck für die theologische Laufbahn entschied, studierte er Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main. Der Vater zweier Kinder lehrt Kirchengeschichte an der Universität Kassel und habilitierte sich am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Humanwissenschaften der Universität Kassel. Bischof Hein hält Gentests an Ungeborenen für unwürdig. Eine Skala zu erstellen, welches Leben lebenswert sei und welches nicht, sei ethisch unverantwortlich.
Der Mediziner Klaus Zerres ist Direktor des Institutes für Humangenetik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. 2012 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik gewählt. Klaus Zerres ist verheiratet und hat ein Kind. Er fordert: "Jeder Schwangeren muss der Zugang zum Erbgut ihres Kindes via Bluttest erlaubt sein." Eine schnelle Diagnose sei immer zum Vorteil der Betroffenen.
Monika Hey machte sich nach 20 Jahren als Filmemacherin und Fernsehredakteurin beim Westdeutschen Rundfunk als Beraterin selbstständig. Neben ihrer eigenen Praxis, in der sie Führungskräfte berät, beschäftigt sich Hey aus eigener Betroffenheit mit vorgeburtlicher Diagnostik: Sie trieb ab, weil sie vermutlich ein behindertes Kind bekommen hätte. Heute bereut sie die Abtreibung. 2012 erschien ihr Buch: Mein gläserner Bauch. Wie die Pränataldiagnostik unser Verhältnis zum Leben verändert. Monika Hey sagt: Die Medizin treibe Schindluder mit den Ängsten der Schwangeren.
Barbara Baier, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe betreibt mit einer Kollegin eine Praxis für Pränatalmedizin in Dortmund. Dabei arbeitet sie mit einem Netzwerk aus Kinderärzten, Geburtskliniken und humangenetischen Instituten zusammen. Barbara Baier arbeitet auch mit dem vieldiskutierten Pränatest, und sie sagt: "Solche Tests werden die Zukunft sein. Wir werden immer mehr Fehlbildungen vorab erkennen können." Wenn sich Frauen entschieden, ein behindertes Kind nicht zur Welt zu bringen, sei dies zu respektieren.
Moderation: Jan Dieckmann
