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Das Weib soll schweigen

Die Reformatorin Katharina Schütz Zell

Film von Ute-Beatrix Giebel

Die Reformation war keine reine Männersache, wie das Beispiel von Katharina Schütz Zell zeigt. Für den versöhnlichen Ton hat sie hart gekämpft und manches Tabu gebrochen.

Straßburg und die Reformation
Am Vorabend der Reformation ist die Zahl der Geistlichen in Straßburg beachtlich. Ihr Ansehen in der Bevölkerung ist gering wegen ihres Reichtums, ihrer Hurerei und ihrer Vernachlässigung der seelsorgerlichen Aufgaben. Die Bürger bezahlen eigene Prediger für gute theologische Predigten nach der Messe. So fallen die Lehren der Reformatoren auf fruchtbaren Boden. Erste Auswirkungen sind schon 1517 nachweisbar, was nicht verwundert, denn Straßburg ist das wirtschaftliche Zentrum im Südwesten, eine freie Reichsstadt und eine Druckerstadt.

Katharina Schütz - Bürgerin und Priestergattin
Die Straßburgerin Katharina Schütz sucht wie Luther einen gnädigen Gott. Sie ist die erste Bürgerin, die einen Priester heiratet, den Münsterprediger und Reformator Matthäus Zell, in dem sie einen Seelenverwandten findet. Sie schreibt nicht nur Briefe an den Bischof, an verfolgte Reformationsanhänger und die Bürger der Stadt Straßburg, sie lässt sie auch drucken und verbreiten. Ihre theologische Bildung - Frauen dürfen erst 400 Jahre später studieren - organisiert sie sich durch Predigtbesuche, Lesen der Reformationsschriften, die in Straßburg gedruckt werden und durch Diskussionen mit durchreisenden Reformatoren, die bei ihr logieren.

Armenpflege
Katharina Schütz ist überzeugt, das Leben muss den Glauben bezeugen. Nachdem die Klöster in der Stadt aufgegeben werden und damit auch die Armenpflege, hilft sie mit, eine neue soziale Versorgung in der Stadt aufzubauen. Sie nimmt selbst Arme auf und wirbt bei anderen Bürgern für Unterkünfte und Spenden. Als 1524 im Bauernkrieg vor Straßburgs Toren 3.000 Bauern massakriert werden, hält Straßburg die Stadttore offen für die Überlebenden und die Frauen und Kinder. Allein Katharina nimmt 100 Flüchtlinge im Pfarrhaus auf, zum Teil für ein halbes Jahr.

Sendetermine

Di. 31.10.17, 15.00 Uhr

Di. 31.10.17, 22.30 Uhr

Engagiert und streitbar für den Glauben
Um die Reformation nicht nur durch Predigten und Schriften zu verbreiten, gibt Katharina Schütz 1534 ein Gesangbuch in vier Heften heraus, "dass die Lieder der Handwerksgesell bei der Arbeit, die Dienstmagd beim Schüsselwaschen, der Rebmann auf dem Acker und die Mutter dem weinenden Kind in der Wiege singe." Im Abendmahlstreit, der letztlich die Reformation spaltet, reist sie mit ihrem Mann zu Luther nach Wittenberg und beide werben für eine Verständigung mit Zwingli.

Der versöhnliche Ton der Straßburger ist Luthers Sache nicht. Erst 435 Jahre später, in der Leuenburger Konkordie, wird diese Spaltung aufgehoben. Am 5. September 1562 stirbt Katharina Schütz Zell, die Frau mit dem großen theologischen Sachverstand und dem großen Herzen für Arme und Leidende.

Der Film lässt mit Zeichnungen, Originaltexten und dokumentarischen Teilen das Bild dieser Frau erstehen, von der es kein Abbild gibt.

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