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Das Jahrhunderthaus (1/2)

Wie wir lebten

Film von Elin Carlsson

Eine Familie erbt ein altes, dreistöckiges Haus und betritt voller Spannung zum ersten Mal ihr neues Zuhause. Das erlebt eine deutsche Durchschnittsfamilie mit dem häufigsten deutschen Nachnamen, die Müllers: Vater Thomas (Michael Kessler), Mutter Anna (Ruth Blauert) mit den Kindern Lena (Lilian Prent) und Alex (Benedict Jacob).

In ihrem "Jahrhunderthaus" entdecken die Müllers nach und nach Relikte aus vergangenen Jahrzehnten, die ihre Vorfahren hinterlassen haben. Sie stellen dabei fest, dass Häuser die Archive unseres Lebens sind. Sie bewahren die Spuren der Vergangenheit und zeigen, wie die Müllers, Meiers oder Schmidts vor vierzig, sechzig oder gar hundert Jahren gelebt haben.

In Teil 1 der Dokumentation "Das Jahrhunderthaus: Wie wir lebten" gehen die Müllers auf Zeitreise durch die Epochen und fragen: Was war früher, in der "guten alten Zeit", wirklich besser?

Elektrizität, das "große Wunder" des 20. Jahrhunderts, hat unseren Alltag umgekrempelt wie kaum eine andere Erfindung. "In den 1920er Jahren war die Elektrizität das, was im 21. Jahrhundert die Digitalisierung ist", meint Professor Andreas Rödder, Historiker an der Universität Mainz. Der Einzug von Haushaltsgeräten wie dem Staubsauger, der Waschmaschine oder dem Kühlschrank bedeutete für viele Familien – vor allem für die Frauen – weniger Plackerei, mehr Freizeit. Vom steigenden Stromverbrauch hat damals noch keiner geredet, obwohl die Geräte meist dreimal so viel Energie benötigten wie heute.

Sendetermine

So. 10.09.17, 20.15 Uhr

Mo. 11.09.17, 01.00 Uhr

Mo. 11.09.17, 07.30 Uhr

Mo. 11.09.17, 18.30 Uhr

Bei allem Wandel stellen die Müllers im "Jahrhunderthaus" fest, dass es auch Dinge gibt, die sich über die Jahrzehnte hinweg kaum geändert haben. Dazu zählt die gemeinsame Mahlzeit. Sie ist heute den meisten Deutschen genauso wichtig wie vor knapp einhundert Jahren. Allerdings räumt Kulturanthropologe Prof. Gunter Hirschfelder ein: "Wir finden heute neue Orte des gemeinsamen Essens. Das muss nicht unbedingt die familiäre Mahlzeit sein. Das können auch Kochevents sein oder Treffen von Freunden. Aber der Mensch isst eben nicht gerne alleine."

Die Ess- und Trinkgewohnheiten hingegen unterlagen einem starken Wandel: In den 20er Jahren galt noch jeder vierte Deutsche als mangelernährt. In den 50er Jahren, wo man die Beschwernisse der Nachkriegszeit so rasch wie möglich hinter sich lassen wollte, verschlangen die Deutschen 26 Kilo Fleisch pro Kopf im Jahr. "Damals habe ich mir immer einen Meter Wurst zum Geburtstag gewünscht", berichtet die Zeitzeugin Ursula Müller, Jahrgang 1944 aus Frankfurt am Main. "Heute lebe ich vegetarisch. Vielleicht war es doch ein bisschen zu viel Wurst damals." Trotzdem essen die Deutschen heute im Schnitt mehr als das Doppelte an Fleisch als noch vor 60 Jahren.

Beim Alkohol- und Zigarettenkonsum lagen die Deutschen in den 50ern deutlich vor den heutigen Bundesbürgern: Rund 1250 Zigaretten qualmte der Durchschnittsraucher pro Jahr und nebelte dabei ungeniert auch das Kinderzimmer oder den Kinosaal ein. Die 70er Jahre entwickelten sich zum Jahrzehnt der Sünde. Knapp 80 Prozent der Deutschen litten damals an Übergewicht, der Umsatz von Bier und Zigaretten erreichte Rekordwerte. Mit der Gesundheits- und Fitnesswelle änderte sich das. Heute rauchen und trinken wir deutlich weniger. 2015 waren es 1000 Zigaretten im Jahresschnitt. Noch immer aber ist jeder zweite Deutsche zu dick. Das Fazit der Müllers im Film: Der Lebensstandard hat sich rapide verändert. Was Bestand hat, ist die Familie. Sie ist für die Mehrheit der Deutschen immer noch das Wichtigste im Leben.

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