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Bewegte Republik Deutschland (1/4)

Schuld und Wunder 1945 - 1965

Film von Thomas von Steinaecker

Es herrscht Wiederaufbaustimmung, und die Sehnsucht nach heiler Welt lässt Heimatfilm und Schlager Erfolge feiern. Der Farbfilm "Schwarzwaldmädel" zieht 1950 rund 16 Millionen Menschen in die deutschen Kinos. Der Blick der Menschen richtet sich in den Nachkriegsjahren nach vorn, und bereitwillig toleriert man, wie sich braune Karrieren reibungslos in den politischen und kulturellen Strukturen der BRD fortsetzen.

Während die einen auf eine Rückbesinnung auf die "unbelastete" klassische deutsche Kultur als Gegengift zum Schrecken der Nazidiktatur setzen, gedeiht die künstlerische Avantgarde ausgerechnet in der Provinz: Befreit von ideologischen Fesseln, zeigen Künstler auf der documenta in Kassel, in den modernen Studios für elektronische Musik in Köln und an der Hochschule für Gestaltung in Ulm kulturelle Leistungen auf höchstem Niveau. Junge Literaten sammeln sich in der Gruppe 47: Dort beginnt nicht nur die Karriere des späteren Literaturnobelpreisträgers Günter Grass.

Mit wachsendem Wohlstand und dem Abstand einer Generation ist die Zeit schließlich reif für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit, im Gerichtssaal der Frankfurter Auschwitzprozesse wie auch in der Kunst. Kinofilme wie "Die Brücke", Fernsehsendungen über das "Dritte Reich" und Theaterstücke wie Peter Weiss' "Die Ermittlung" (1965) tragen die Erinnerung an die deutsche Schuld tief hinein ins deutsche Bewusstsein und legen einen Grundstein für die aufgeklärte, offene Kultur der nächsten Generation.

Sendetermine

Fr. 22.12.17, 12.45 Uhr

Sa. 23.12.17, 04.15 Uhr

Mi. 03.01.18, 04.15 Uhr

Die vierteilige Dokumentation "Bewegte Republik Deutschland" lässt Zeitzeugen und jüngere Kulturschaffende zu wort kommen: Günter Grass, Herbert Grönemeyer, K.O. Götz, Alexander Kluge, Gabriele Wohmann, Herbert Lindinger, Volker Schlöndorff, Wolfgang Rihm, Uwe Timm, Stephan Braunfels, Irmin Schmidt (Can), Eva Menasse und Daniel Kehlmann erzählen aus erster Hand und bewerten die künstlerische Arbeit dieser Jahre. Roger Willemsen und die Historikerin Ute Frevert kommentieren die Ereignisse und Filmdokumente. Im ersten Teil der Reihe geht es um die Zeit von 1945 bis 1965.

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