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Sommer im ewigen Eis - Die Arktis (1/2)

Polarsalat und Gletscherbier

Ein Film von Bernd Reufels und Ulli Rothaus

Es gibt Reisen, die sind anders als alle anderen. Anders als all die Fahrten und Flüge zu den üblichen Zielen touristischer Sehnsucht. Es sind Reisen, die uns ans Ende der Welt führen, zu Orten dieser Erde, an denen sich die Zukunft unseres Planeten entscheidet.

Ein solcher Ort rückt in letzter Zeit mehr und mehr in das Interesse der Weltöffentlichkeit: Grönland. Spätestens seit den Bildern der versammelten Politprominenz vor Eisbergen und Gletscherkanten haben die arktischen Eiswelten eine ganz besondere Bedeutung im öffentlichen Bewusstsein - als Freiland-Labor des Treibhaus-Effekts, als Showroom der Klimaveränderung. Es ist ein bedrohter Ort; hier ändert sich das Klima schneller als anderswo, und hier sind die Folgen schon sichtbar. "Kalaallit Nunaat" - Land der Menschen - so nennen die Grönländer ihre kalte Heimat. Eine liebevolle Übertreibung; nicht einmal 60 000 Einwohner leben auf der größten Insel der Erde - und die ist immerhin sechsmal so groß wie Deutschland.

Sommer im ewigen Eis (1/2)

Badespaß der anderen Art: Nur in den heißen Quellen kann man es in Grönland auch im Wasser aushalten. (Quelle: ZDF)

Die filmische Reise durch den arktischen Sommer beginnt im äußersten Süden Grönlands und führt die Westküste entlang bis in den hohen Norden, zum sagenumwobenen Thule, zu den letzten menschlichen Siedlungen und darüber hinaus ins menschenleere Eis - soweit ein Passagierschiff fahren kann. Die Reporter Bernd Reufels und Ulli Rothaus sind mit zwei Kamerateams unterwegs: Ein Team reist über Land und das zweite fährt die Küste entlang, auf der MS Fram. So gelingt es den beiden renommierten Autoren und ihren erfahrenen Kameramännern Jürgen Rapp und Ralph Zeilinger, die spektakulären Höhepunkte der Entdeckungsreise zu dokumentieren und das Lebensgefühl des Nordens aufzuspüren. Sie treffen Menschen, die seit Generationen der kalten Natur ihren Lebensunterhalt abtrotzen, die von den Traditionen des Überlebens im Eis geprägt sind, und die jetzt erleben, wie sich ihre Lebensgrundlage drastisch und nachhaltig verändert. Dabei bietet der arktische Sommer den Betrachtern überwältigende Eindrücke von grandiosen Naturschauspielen: Gletscher, Fjorde, Wasserfälle, Eisberge - im Licht der Mitternachtssonne zeigt sich das Land als faszinierende Welt aus Fels, Eis und Wasser.

Sendetermine

So, 21.08.11, 20.15 Uhr

Mo, 22.08.11, 07.30 Uhr

Mo, 22.08.11, 18.30 Uhr

Der erste Teil der Reise führt vom Süden Grönlands bis hinauf in die Disko-Bucht, zum Eisfjord von Ilulissat. Es ist eine Reise voller intensiver Begegnungen mit interessanten Menschen: etwa mit den Piloten der Eispatrouille, die vom Hubschrauber aus die Schiffe vor gefährlichen Eisbergen auf den Schifffahrts-routen warnen. Oder mit einem jungen Bauern der möglicherweise zu den Gewinnern der Klimakatastrophe gehört, denn auf seinen Feldern gedeihen Gemüsesorten, die hier noch vor wenigen Jahren den sicheren Kältetod gestorben wären. Immer wieder treiben dem Schiff auf seiner Reise gewaltige Berge aus Jahrtausende altem Eis entgegen, das die Gletscher vom Inland ins Meer drücken. Zwischen den Eisbergen messen sich junge Robbenjäger am grönländischen Nationalfeiertag in einem gewöhnungsbedürftigen Jagdwettbe-werb. Und ein pfiffiger Unternehmer fischt Eisbrocken aus dem Meer, um damit Bier zu brauen. Eis-Bier, das hier reichlich fließt - natürlich auch bei der Feier, mit der Internatsschüler ihr Abitur begießen, bevor sie aus der Enge des Inuit-Dorfes in die weite Welt aufbrechen.

Immer wieder verlassen die knapp 200 Passagiere auf ihrem Weg nach Norden das Schiff, um Land und - falls vorhanden - Leute kennen zulernen. Das Schiff fährt tief in die Fjorde hinein und setzt die Passagiere in kleinen Booten ab; wie im Evighedsfjord, wo der Gletscher wie auf Bestellung mit lautem Grollen ins Meer kalbt. Oder in Uummannaq, wo es das beste (Speise-)Eis Grönlands gibt, und wo man schon fürs nächste Jahr seine Wünsche im Sommerhaus des Weihnachts-manns hinterlegen kann. "Grönland" heißt "Grünland" - und die Passagiere mit den schussbereit baumelnden Kameras um den Hals stürzen sich auf alles Grüne, was sich zwischen Fels und Eis ins Licht reckt. Expeditionsleiterin Anja Erdmann und Assistent Marco Voigtländer haben alle Hände voll zu tun, die entdeckungswütigen Passagiere bei ihren Ausflügen auf den rechten Wegen zu halten.
Für Kapitän Stejnar Hansen ist es das erste Mal, dass er diese Reise, die "Expedition Thule", fährt. Er steuert das Schiff mit einer Portion Extra- Ehrgeiz: Er will nach Norden, soweit er fahren kann. 80 Grad Nord, das ist sein Ziel. So hoch im Norden waren bisher weder Kapitän noch Schiff. Für die Passagiere gleicht der Blick vom fahrenden Hotel einer endlos vorbeiziehenden Fototapete: gigantische weiße Riesen, schwimmende Eis-Kathedralen und coole Skulpturen. Und wenn dann zwischen den Eisbergen in der Disko-Bucht der erste Wal auftaucht..

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