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Jean-François Champollion (1/2)

Wettlauf um den Hieroglyphen-Code

Film von Jonathan Rich und Ferdinand Fairfax

Jean-Francois Champollion

Jean-Francois Champollion (Elliot Cowan) erhält die Aufgabe, ein steinernes Fragment aus dem Tempel von Dendera zu datieren. (Quelle: phoenix/ ZDF/ BBC)

Jean-François Champollion war einer der genialsten Köpfe unter den Gelehrten seiner Zeit. Bereits mit 17 Jahren beherrschte das Wunderkind ein halbes Dutzend alter Sprachen und verkündete selbstbewusst: "Ich werde die Hieroglyphen entziffern!" Die spannende BBC-Dokumentation rekapituliert u. a. in Spielszenen die Sternstunden in der Erforschung des ägyptischen Altertums.

1790 als Sohn eines fahrenden Buchhändlers in der französischen Kleinstadt Figeac geboren, verbringt der begabte Junge seine Zeit aus eigenem Antrieb Tag und Nacht über Büchern. Kaum ist er 18, verleiht ihm die Universität Grenoble die Doktorwürde und eine Professur für Alte Geschichte. Doch kein Amt und keine berufliche Aufgabe kann Champollion davon abhalten, seine fixe Idee zu verfolgen. Er will als Erster den Code der Pharaonen knacken - die vergessene Bilderschrift der Alten Ägypter.

Napoleons Einmarsch in Ägypten verschafft den Europäern kurz vor Beginn des 19. Jahrhunderts Zugang zu dem geheimnisvollen Land am Nil. Mehr als 150 Wissenschaftler begleiten das Heer, um die versunkene Kultur zu erforschen und Antiquitäten für Frankreich zu sammeln. Bei Schanzarbeiten nahe der Hafenstadt Rosette - 70 Kilometer östlich von Alexandria - entdecken die Soldaten einen schwarzen Basaltstein. Der massive, fast vier Meter hohe Klotz ist auf einer Seite fein poliert und mit Inschriften bedeckt: drei Kolumnen in drei verschiedenen Schriften - 14 Zeilen in Hieroglyphen, 32 Zeilen in Demotisch - einer Spätform des Altägyptischen - und 54 Zeilen im bekannten Griechisch. Es handelt sich um eine Widmung der Priester von Memphis aus dem Jahr 196 vor Christus an ihren Pharao Ptolemäus V.

Sendetermin

Fr. 07.07.17, 04.15 Uhr

Obwohl Champollion bald darauf nur fehlerhafte Abschriften der Texte vorliegen, ist er davon überzeugt, dass alle drei den gleichen Inhalt haben. Das könnte der Schlüssel zur Lösung des Rätsels sein. Doch der Franzose bleibt nicht der einzige Code-Knacker. Nachdem die britischen Truppen Napoleon geschlagen, den Stein von Rosette erbeutet und nach London geschafft haben, brütet - in Konkurrenz mit anderen Kollegen - vor allem der vielseitige Wissenschaftler Thomas Young über den mysteriösen Zeichen. Zwar beschäftigte sich der renommierte Arzt und Physiker damals schon seit zwei Jahrzehnten mit Hieroglyphen, doch den Durchbruch schaffte er nicht. Jetzt beginnt der Wettlauf zweier ehrgeiziger Sprachforscher, die lange nichts voneinander wissen. Als Champollion wegen politischer Spottreden für mehr als eineinhalb Jahre aus Grenoble verbannt und damit von seinen Studien abgeschnitten wird, verkündet der Brite, kurz vor dem Ziel zu stehen.

Sind die Hieroglyphen wirklich Buchstaben mit Lautwert, wie der Franzose glaubt? Oder stimmt Youngs These, dass es sich lediglich um Bildzeichen handelt, die vollständige Begriffe ausdrücken - ähnlich denen auf Hinweistafeln? François Champollion hat schließlich die zündende Idee. Er widmet sich intensiv dem Koptischen, der alten, aber noch gebräuchlichen Sprache ägyptischer Christen. Davon erhofft er sich eine Annäherung an die Schreibweise der Pharaonenzeit. Nach und nach wird dem unermüdlichen Tüftler klar: Die Hieroglyphen sind ein komplexes System aus Lautzeichen und Symbolen - und damit sehr wohl eine geschriebene Sprache. Den letzten Schlüssel für die Entzifferung liefern die so genannten Kartuschen auf dem Rosette-Stein - die eingerahmten Königsnamen "Ptolemäus" und "Kleopatra", die auch in der griechischen Version stehen und somit leicht zu lesen sind.

Nach zahllosen Anfeindungen und Plagiatsvorwürfen vollendet Champollion 1824 sein bahnbrechendes Werk "Abriss des hieroglyphischen Schriftsystems der Alten Ägypter". Damit hat er sein Versprechen aus Jugendtagen eingelöst - er kann Hieroglyphen deuten! Und noch ein Lebenstraum erfüllt sich. Als gefeierter Experte segelt er mit einer vom König finanzierten Expedition nach Ägypten, wenn auch unter denkwürdigen Auflagen: Sollte er auf Erkenntnisse stoßen, die der kirchlichen Lehre widersprechen, werden seine Forschungen weder anerkannt noch veröffentlicht. Denn die Existenz einer hoch entwickelten Zivilisation im Nilland Jahrtausende vor Christi Geburt stelle die Chronologie der Bibel in Frage - so die Furcht hoher Kirchenfürsten.

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