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Neuer US-Außenminister Kerry betont Führungsanspruch

John Kerry bei seiner ersten Rede als US-Außenminister (Quelle: ap/dpa)
Der neue US-Außenminister John Kerry hat den globalen Führungsanspruch der USA unterstrichen. Amerika dürfe auch angesichts knapper Kassen nicht der Versuchung erliegen, sich aus der Weltpolitik zurückzuziehen. Außenpolitik beeinflusse heute auch die globale Wirtschaft und damit das Wohlergehen Millionen Amerikaner zu Hause. «Wir besitzen nicht mehr den Luxus, nur nach innen zu blicken», sagte er bei einer seiner ersten größeren Reden seit der Amtsübernahme.
«Amerikas nationales Interesse zu führen bleibt in der Welt weiter bestehen», betonte Kerry am Mittwoch (Ortszeit). Erst Anfang des Monats hatte er Hillary Clinton an der Spitze des State Department abgelöst. Der 69-Jährige ehemalige Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei gilt als ein strikter Gegner militärischer Alleingänge und Abenteuer.
Bei seiner Rede an der University of Virginia in Charlottesville betonte Kerry weiter, es gebe keinen Rückzug von der Globalisierung. «Ich weiß, dass einige von Euch und viele im ganzen Land wünschen, dass die Globalisierung einfach verschwindet.» Das sei aber unmöglich. «Kein Politiker, so mächtig er auch sein mag, kann diesen Geist wieder zurück in die Flasche bringen.»
Ausführlich ging Kerry auch auf den Kampf gegen den Klimawandel ein und forderte zum gemeinsamen Handeln der gesamten Staatengemeinschaft auf. «Lasst es uns klar sagen: Wir sind davon alle betroffen.» Keine Nation könne den Kampf allein führen.
Vor Ort
Do. 21.02.13, 08.45 Uhr
Der neue US-Außenminister John Kerry besucht auf seiner ersten Auslandsreise Anfang kommender Woche auch Deutschland. Kerry werde zu politischen Gesprächen nach Berlin kommen, erklärte das US-Außenministerium am Dienstag. Auf dem Programm stehen den Angaben zufolge auch «eine Reihe öffentlicher Auftritte», darunter ein Meinungsaustausch mit jungen Deutschen über den Stand der transatlantischen Beziehungen.
Kerrys Deutschlandbesuch ist Teil einer anderthalbwöchigen Reise durch Europa und den Nahen Osten, die am Sonntag beginnt. Vor der Berlin-Visite besucht der neue US-Chefdiplomat London, weitere Stationen sind dann Paris und Rom. Anschließend reist Kerry in die Türkei, nach Ägypten, nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar. Der frühere Senator war Anfang Februar als Nachfolger von Hillary Clinton vereidigt worden.
"Sein Besuch in Berlin wird auch eine Möglichkeit sein, die Verbindung mit der Stadt wieder aufleben zu lassen, in der er als Kind gelebt hat», sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland. John Kerry hatte Mitte der 50er Jahre im Alter von elf Jahren einige Zeit in Berlin verbracht, als sein Vater Richard Kerry dort als Diplomat beim US-Hochkommissariat arbeitete.
Bei seinem Amtsantritt hatte Kerry vor seinen Mitarbeitern in Erinnerungen an seine Jugend im Berlin der Nachkriegszeit geschwelgt und von seinen Radtouren durch die geteilte Stadt berichtet. Dabei erzählte er auch, wie er auf eigene Faust einen Ausflug in den sowjetischen Sektor unternommen und dort seine erste Lektion über die «Tugend der Freiheit» gelernt habe. «Ich habe wirklich Unterschiede zwischen Ost und West bemerkt», sagte Kerry.
Kerrys erste Auslandsreise führt ihn nun wider Erwarten nicht nach Israel und in die Palästinensergebiete. Sprecherin Nuland erklärte, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Bildung einer neuen Regierung nach den Wahlen Mitte Januar noch nicht abgeschlossen habe. Kerry werde stattdessen US-Präsident Barack Obama bei seiner im Frühjahr geplanten Reise nach Israel und in das Westjordanland begleiten.
In Paris werde Kerry unter anderem über den französischen Militäreinsatz gegen die Islamisten in Mali sprechen, sagte Nuland. Während der Station in Rom will der Außenminister den Angaben zufolge an einem internationalen Treffen zum Bürgerkrieg in Syrien teilnehmen und mit Vertretern der syrischen Opposition zusammenkommen. Die Lage in Syrien werde auch Thema bei den Gesprächen in Ankara und Kairo sein. In der ägyptischen Hauptstadt sei ein Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, geplant.
Mit Material von AFP und dpa
