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Bundestag debattiert über Leiharbeit

Amazon trennt sich von weiterem Dienstleister

Ein Arbeit fertigt ein Amazon-Paket ab

"Amazon wollte die Leute nicht einstellen", sagte Waldemar Dombrowski, Chef der Agentur für Arbeit. (Quelle: dpa)

Die Leiharbeiteraffäre beim Internet-Versandhändler Amazon beschäftigt den Bundestag. Auf Antrag der SPD debattieren die Parlamentarier in einer Aktuellen Stunde über die Haltung der Bundesregierung zu den unwürdigen Arbeitsbedingungen ausländischer Zeitarbeiter in Deutschland.

Der Internet-Versandhändler Amazon hatte sich gestern angesichts der anhaltenden Kritik am Umgang mit Leiharbeitern von einem weiteren Dienstleister getrennt. Die Firma war unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter im Feriendomizil Seepark im hessischen Kirchheim verantwortlich.

Zuvor hatte sich Amazon bereits von einem Sicherheitsdienst getrennt, der auch in dieser Anlage Leiharbeiter überwachte und einem Bericht der ARD zufolge schikanierte und gängelte. Zugleich ging auch die politische Debatte über Leih- und Zeitarbeit weiter.

Zum Aus für den Dienstleister äußerte sich das Unternehmen bereits am späten Montagabend. "Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, zu gewährleisten", teilte der Konzern mit. "Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", heißt es in der Stellungnahme.

VOR ORT

Mi, 20.02.13, 15.40 Uhr

Der in Leipzig sitzende Dienstleister wollte sich am Dienstag nicht zu dem Thema äußern. Es liege noch keine Kündigung vor, erklärte eine Sprecherin. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert Konsequenzen aus dem Fall Amazon und will vor allem bei der Bezahlung von Leiharbeitern ansetzen. "Wir wollen erreichen, dass die Leiharbeit neu reguliert wird", sagte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). "Es muss der Grundsatz gelten: Gleiches Geld für gleiche Arbeit."

Die für das Amazon-Logistik-Zentrum in Bad Hersfeld zuständige Arbeitsagentur sieht sich von den Verantwortlichen des Unternehmens getäuscht. Man sei bei der Vermittlung von 68 Saisonarbeitskräften aus Spanien stets davon ausgegangen, dass diese bei Amazon direkt eingestellt würden, erklärte die Agentur Bad Hersfeld-Fulda. Wie die Beschäftigten habe man erst zwei Tage vor Arbeitsantritt erfahren, dass eine Zeitarbeitsfirma zwischengeschaltet werden sollte.

"Amazon wollte die Leute nicht einstellen", sagte Agenturchef Waldemar Dombrowski. Die Agentur habe ihren Unmut darüber in Gesprächen mit dem Unternehmen deutlich gemacht und werde in Zukunft auf Einhaltung der Spielregeln bestehen. Andererseits seien die Spanier in korrekte Beschäftigungsverhältnisse bei der Zeitarbeitsfirma vermittelt worden und hätten diese Verträge auch freiwillig abgeschlossen. Beschwerden wegen der in einer ARD-Reportage stark kritisierten Unterbringung seien nicht an die Agentur herangetragen worden. Man habe im Vorjahr sehr gute Erfahrungen mit der Saisonarbeit bei Amazon gemacht.

Mit Material von dpa

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