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Leben im Netz - Identität im Web 2.0

Die Menschen schaffen sich heute eine neue, eine digitale Welt. Ein großer Teil der Kommunikation und des sozialen Lebens verlagert sich ins Internet.

Nahezu die gesamte menschliche Kommunikation findet heute auf einer globalen Ebene und ohne die Abhängigkeit von Zeit und Raum statt. Durch die Vernetzung des Internets ist es möglich nahezu überall, zu jederzeit miteinander zu kommunizieren.

Alle sind jederzeit erreichbar. Schnelllebigkeit und Gleichzeitigkeit bestimmen den Alltag. Kommunikation heute ist multimedial und digital. Das klassische Sender- Empfänger- Modell fällt weg. Auf der Basis des Web 2.0s wird nahezu jeder Rezipient zum aktiven Produzenten. Dr. Axel Bruns prägt den Begriff "Produsage" und bezeichnet so die Vermischung von "Produzent" ("producer") und "Nutzer/Rezipient" ("user"). Fast der gesamte Inhalt des Internets wird von den Nutzern und für die Nutzer gestaltet; User-generated-content heißt das in der Fachsprache.

Die sogenannte Computer mediated communication (CMC), die Kommunikation, die auf der Basis eines Computers stattfindet, verändert die Art und Weise der Kommunikation. Das Persönliche, Augenkontakt, Mimik und Gestik fallen weg. Dadurch können Vorurteile verschwinden, weil auf den ersten Blick alle gleich sind. Der Nachteil ist, dass die Kommunikation kühler und weniger emotional wird bzw. werden kann. Negative Inhalte, wie z.B. eine Kündigung sind leichter zu vermitteln, wenn man den Menschen nicht persönlich trifft.

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Zwei Teenager vor Laptop (Quelle: mev)

Vor allem die Nutzung sogenannter sozialer Netzwerke ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Nachrichten schreiben, Chatten, sich verabreden, neue Freunde finden. Die Nutzer haben reale und digitale Freunde im Internet. Man trifft sich, stellt seine Urlaubsphotos online oder verlinkt sein aktuelles Lieblingslied. Durch die Smartphones sind auch die Sozialen Netzwerke fast überall nutzbar. Ein großer Teil der Kommunikation, gerade unter den jungen Leuten, spielt sich heute in den Sozialen Netzwerken ab.

Auch emotional ist das Internet mittlerweile ein wichtiger Marktplatz geworden: Bandelte man früher in der Schule, der Kneipe oder der Diskothek an, gibt es heute immer mehr Dating- Plattformen im Internet mit Millionen angemeldeter User. Diese gehen von seriösen Partnerschaftsseiten, auf denen man die Frau/den Mann fürs Leben sucht, bis zu Dating-Seiten, deren Name und Zweck an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lässt: "Casual Dating" genannt.

Sendetermin

Do, 26.07.12, 13.45 Uhr

Was bewegt Menschen, bei solchen Plattformen mitzumachen? Wer sind die Macher hinter den Websites, wie verdienen diese bei oft kostenfreien Zugängen Geld? Wer sind die User – überwiegend Männer – oder nutzt auch "Frau" die anonyme Freiheit des Netzes?

Sex sells

– auch im Internet ist Zwischenmenschliches eine starke Triebfeder für die eigenen Online-Aktivitäten. Mit nur wenigen Klicks ist frei für alle zugänglich, was früher nur unter der Ladentheke schmuddeliger Geschäfte im Bahnhofsviertel verkauft wurde. Die Pornoindustrie setzt in Deutschland jährlich schätzungsweise alleine 800 Millionen Euro in der DVD Produktion um und ist damit einer der wirtschaftsstärksten Zweige überhaupt. Weltweit werden rund 20 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Doch damit nicht genug. Es erschließen sich immer mehr Märkte. Die Handypornografie ist auf dem Vormarsch. Allein für Deutschland wurden für das Jahr 2009 Umsätze von 2 Milliarden Euro prognostiziert.

Ursachen für die stetige Steigerung der Bedeutung von Sex und Erotik ist auch das Internet. Allein mit der Suchmaschine "Google" finden sich unter dem Stichwort "Sex" 375 Millionen Links. Die neue Dimension des Mediums Internet ist die Interaktion. Pornografie wird nicht mehr nur passiv konsumiert, sondern auch aktiv produziert. Ein gutes Beispiel dafür ist das Internetportal "Youporn.com". Der Provider ist auf Platz zehn der weltweit meist besuchten Internetseiten. Es gibt keine Sicherheitsbeschränkungen, so dass praktisch jeder User, ob Kind oder Erwachsener, problemlos Videos anschauen und hochladen kann.

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Glasstein auf Facesbook-Startseite (Quelle: dpa)

Digitale Identität

Die Menschen generieren sich im Internet eine oder mehrere Identitäten. Es ist möglich, sich eine Parallelwelt zu erschaffen. Sie bauen sich ein neues Profil mit gesellschaftlich anerkannten Merkmalen auf. Aspekte des Aussehens oder Charakters, die gesellschaftlich nicht so anerkannt oder "in" sind, treten in den Hintergrund und werden verdrängt. Auf der anderen Seite können Attribute hinzugefügt werden, die real nicht existieren, aber gewünscht werden. Das Web 2.0 ermöglicht den Menschen, sich ein ideales Ich zu schaffen.
Der Zeitvertreib mit den verschiedensten Internetseiten, Computerspielen oder digitalen Versandhäusern ist groß. Viele Menschen, durch alle Generationen hinweg, verbringen täglich viele Stunden im Internet. Bei manchen besteht die Gefahr, dass aus dem Zeitvertreib eine Sucht wird. Heute gibt es bereits Kliniken, die auf Onlinesucht spezialisiert sind.

Was hat das "zweite, das digitale Leben" für Folgen für die Psyche der Menschen? Welche Konsequenzen gibt es für die tagtägliche, persönliche Kommunikation im Alltag? Wie verändern sich soziale Werte, soziale Kompetenzen und der zwischenmenschliche Umgang?

Besteht die Gefahr, dass sich Menschen, die das Gefühl haben in der "realen Gesellschaft" nicht anerkannt zu sein, in die reale Welt und in das reale Ich zu flüchten und sich darin zu verlieren?

Von Verena Jungbluth

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