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Troja ist überall - Der Siegeszug der Archaeologie (1/3)

Das Rätsel von Machu Picchu

Film von Marc Brasse und Saskia Weisheit

Das wissenschaftliche Erbe des Entdeckungsreisenden Hiram Bingham hält Forscher aus aller Welt bis heute in Atem. 1911 lenkt er die Augen der Welt nach Peru auf eine Inkastadt in atemberaubender Bergkulisse - Machu Picchu.

Der Morgen des 24. Juli 1911: Nebel verschlechtert die Sicht, und nur wenig Licht scheint durch das dichte Gewächs. Ein junger Amerikaner kämpft sich einen unwegsamen Andenpass hinauf. Immer wieder rutscht der Mann ab, Blattwerk peitscht ihm ins Gesicht, Gestrüpp auf dem Boden fesselt ihn. Seine Gesichtszüge sind verzerrt vor Anstrengung und Schmerz. Als er endlich oben ankommt, macht er die spektakulärste Entdeckung in der Geschichte der Inkaforschung.

Vergessen im nahezu unzugänglichen Gebirge Perus und dem dichten Nebel des Regenwaldes thront die atemberaubende Festung Machu Picchu auf einem Felssporn hoch über dem Urubambatal. Es soll der wichtigste Tag im Leben des amerikanischen Forschers Hiram Bingham werden. Er selbst misst dem Fund zunächst allerdings nur wenig Bedeutung bei, da er in den Schriften spanischer Chronisten keinen Hinweis auf den Ort findet.

Sendetermin

Di. 25.04.17, 05.15 Uhr

Der junge Wissenschaftler läutete mit der "Yale Peruvian Expedition" im Jahr 1911 eine neue Ära in der Geschichte der Archäologie ein. Zum ersten Mal bricht ein interdisziplinäres und mit modernster Technik ausgestattetes Team auf, um eine bisher unbekannte Region Perus zu erkunden. Für seine Expedition hat sich Bingham das größte und in vielen Teilen unzugänglichste Reich in der Geschichte Amerikas ausgesucht. Die Inka selbst nannten es Tahuantinsuyu, Land der vier Teile. Ihre Herrschaft schwankte zwischen perfekter Ordnung und grausamer Despotie. Die Ordnung des Reiches spiegelt sich in seiner planvollen Architektur wieder, einem mehr als 20 000 Kilometer umfassenden, phantastisch ausgebauten Straßensystem und einer wirtschaftlichen Verwaltung, die die Versorgung der Bevölkerung auch bei Katastrophen und in Dürrejahren sicherte.

Das Rätsel von Machu Picchu

Inkaruine in atemberaubender Andenkulisse. (Quelle: PHOENIX/ZDF/Ortolf Karla)

Ein Rätsel bleibt bestehen
Hiram Binghams erste Expedition war überaus erfolgreich. Seinem Team gelangen zahlreiche Funde, und die Mitglieder der "Yale Peruvian Expedition" konnten wertvolle wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen. Sie lieferten der Welt mit ihrer ausführlichen Fotodokumentation ein konkretes Bild von der untergegangenen Kultur der Inka. Doch ein Rätsel blieb bis heute bestehen: Machu Picchu sicherte Hiram Bingham zwar einen Platz in den Annalen der großen Entdecker, doch eine schlüssige Erklärung für die mysteriöse Stadt in den Wolken konnte er nicht liefern, obwohl er beharrlich nach dem Sinn der verborgenen Festung in den Anden suchte, wie sein Sohn Alfred in der Biografie seines Vaters berichtet: "Obwohl er auf den ersten Blick die Bedeutung von Machu Piche...unterschätzt hatte...hat ihr Reiz ihn schließlich ergriffen, und als ihr Ruhm wuchs, versuchte er verzweifelt, ihr eine historische Bedeutung zu geben..."

Bingham hinterließ ein wissenschaftliches Erbe, das die Forscher noch immer beschäftigt. Fast 100 Jahre nach der Entdeckung ist der ursprüngliche Zweck Machu Picchus, dieser archäologischen Stätte der Superlative, noch immer nicht geklärt. Im Jahr 2007 wurde der Ort, den die Quechua-Indianer "Alter Gipfel" nannten, zu einem der sieben neuen Weltwunder gekürt. Die "Gralsburg der Inka" gilt als ein Symbol der Macht. Auf einer künstlich angelegten Plattform in 2360 Meter Höhe, nur über beschwerliche Dschungelpfade zu erreichen, errichteten die Inka aus schweren Granitsteinen eine Vielzahl von Gebäuden.

Weitere sensationelle Resultate
Mosaikartig tragen Wissenschaftler aus aller Welt jedes Jahr neue Erkenntnisse zusammen, die das Rätsel von Machu Picchu allmählich lüften. Der Anthropologe John Verano untersuchte vor wenigen Jahren erneut Skelette, die bereits während Binghams Expedition im Jahr 1911 ausgegraben wurden. Er kommt zu sensationellen Resultaten.

Der Archäologe Alfredo Valencia Zegarra und der Ingenieur Kenneth Wright versuchen die letzten Geheimnisse der einzigartigen Architektur der Stadt zu lüften. Richard Burger von der Yale Universität hat sich jahrelang mit seinem wissenschaftlichen Vorgänger Hiram Bingham beschäftigt. Er gibt Aufschluss über die facettenreiche Persönlichkeit des ehrgeizigen Amerikaners. Es ist die Geschichte eines Mannes, der den Traum eines jeden Abenteurers und Forschers lebte. Denn ob der Wissenschaftler von 1911 oder die Archäologen von heute, eines haben sie alle gemeinsam: den Traum, dass ihr Name für immer mit einer großen Entdeckung verbunden ist.

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