Inhalt

"Mobile Stories" von Rasmus Gerlach

PHOENIX-Förderpreis 2010 - Sieger Projektidee

Als Filmemacher sah sich Rasmus Gerlach bereits früh gezwungen, ein Handy zu besitzen und permanent empfangsbereit zu sein. Inzwischen hat sich das Mobiltelefon zum wirtschaftlichen Instrument der Globalisierung entwickelt. In der dritten Welt ermöglicht es den Menschen, ohne Bankkonto am globalen Wirtschaftsleben teilzunehmen. Aber es klebt Blut am Handy – denn es benötigt den Rohstoff Coltan, der unter brutalen Bedingungen im Bürgerkriegsland Kongo abgebaut wird.

In einer "Reise um die Welt" verdeutlicht der Autor die Bedeutung des Handys in kurzen Szenen. Er besucht Handelsreisende im Niger, die ihre Geschäfte per SMS abwickeln ebenso wie einen Felukenkapitän auf dem Nil, dessen ganzes elektronisches Büro in seinem Handy steckt. Auf dem Basar in Istanbul bieten fliegende Handyhändler die bizarrsten Modelle feil. Im Kongo reist Rasmus Gerlach gemeinsam mit der Organisation Peace Brigades International und einem einheimischen Anwalt zu Coltan-Minenarbeitern und dokumentiert, unter welchen Bedingungen der schwarze Sand abgebaut wird. Der Wallstreet-Broker T. Ellison muss im Job gleich drei Handys gleichzeitig parieren. Und ein dänischer Coltan-Händler lenkt im Urlaub von seiner Luxus-Motoryacht aus per Handy seine Firma.

"Mobile Stories" folgt einer essayistischen Dramaturgie. Die einzelnen Episoden werden so klein wie möglich und dadurch "versendbar" gehalten – genrespezifisch spricht man von einer "Video-Jockey-Doku".

Rasmus Gerlach möchte mit "Mobile Stories" weniger die technische Zukunftsmusik anstimmen, als vielmehr die bereits laufenden Veränderungen thematisieren. Das Handy wird so zum Vehikel, um eine Geschichte über Menschen zu erzählen und schlägt dabei die Brücke zwischen den unterschiedlichen Protagonisten.

Seite Drucken nach oben

Fußzeile


 
Top | Zurück