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Ein Jahr Präsident Obama
Wunder dauern etwas länger

Der US-Präsident warnt in der Federal Hall vor den Risiken des Finanzmarktes. (Quelle: ap)
Der Friedensprozess im Nahen Osten stockt. Im Inneren ist der Versuch, das marode Gesundheitssystem zu reformieren, zum ideologischen Grabenkrieg geworden. Die hohe Staatsverschuldung steigt weiter, die Arbeitslosigkeit erreicht Rekordhöhen.
Freudentränen, Jubelstürme, Erleichterung: Vor einem Jahr hat Amerika den Neuanfang gewählt. Den ersten schwarzen Präsidenten, Barack Obama, der sich selbst als "unwahrscheinlichen Kandidaten" bezeichnet hatte. Der junge Präsident hat von Amtsvorgänger George W. Bush einen Berg von Problemen geerbt. Zwei Kriege in Irak und in Afghanistan, eine Weltwirtschaftskrise und ein ganz unamerikanisch verzagtes Volk zu Hause. Obama, die Lichtgestalt, ist hart auf dem Boden der Wirklichkeit gelandet.
Nach einem Jahr hat Obama sichtbar an Glanz verloren. Der grenzenlose Optimismus den er einmal ausgestrahlt hat, das "Yes we can", ist nur noch selten zu spüren. Müde, grauer, dünner ist Barack Obama nach einem Jahr im Weißen Haus. Er ist ein Kriegspräsident. Den Friedensnobelpreis hat er nicht verdient, wie er selbst sagt - sondern als Ermunterung geschenkt bekommen. Er steht vor ungelösten Problemen, wohin er blickt.
Obama hat Vieles gleichzeitig angepackt - hat er sich verzettelt? Er hat mehr Reden gehalten, mehr Fernsehinterviews gegeben, mehr Massen-Emails verschickt als je ein Präsident vor ihm. Obama auf allen Kanälen, bis hart an die Grenze des Overkill.
Wo steht der Polit-Superstar nach einem Jahr? Was hat er geschafft, was angestoßen, wo ist er gescheitert? Vertrauen ihm die Bürger, geben sie ihm Zeit?
Der ZDF-Korrespondent in Washington Matthias Fornoff zieht zum Jahrestag der Amtseinführung des US-Präsidenten eine erste kritische Zwischenbilanz. Der Hoffnungsträger Obama ist in der Wirklichkeit angekommen. Wunder hat er nicht bewirkt - vielleicht dauern Wunder aber auch einfach nur etwas länger.
Film von Matthias Fornoff
