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Grundlegende Umstrukturierungen bei Volkswagen

Früherer BMW-Manager Diess führt Konzern und Kernmarke

Neue Führungsämter, neue Strukturen: Volkswagen verpasst sich wieder einen grundlegenden Umbau. Der neue Chef Diess soll den Wandel zum Mobilitätskonzern vorantreiben. Der Betriebsrat, mit dem er anfangs über Kreuz lag, gibt dem Manager Rückendeckung.

Volkswagen-Konzern soll agiler werden

Der neue VW-Chef Herbert Diess möchte den Konzern mit einer neuen Führungsstruktur auf Trab bringen. Hierfür will er an der bereits beschlossenen Strategie festhalten. Diess betonte aber gleichzeitig, dass Volkswagen in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld sein Tempo erhöhen müsse. Auf der Pressekonferenz am Freitag in Wolfsburg machte der neue VW-Chef deutlich, dass es um eine Weiterentwicklung und "keine Revolution" ginge. Durch schnellere Entscheidungen des Managements und eine Aufteilung in sechs Geschäftssegmenten möchte er den Volkswagen-Konzern wendiger machen. Die Region China soll separat geführt werden. Die acht Pkw-Marken werden in Volumen (VW mit Transportern, Seat und Skoda), Premium (Audi) und Superpremium (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini) gebündelt. Zudem wolle er "auf einen losen Verband von Schiffen" anstelle eines Tankers setzen. "Unser Ziel ist, Volkswagen in Ertragsstärke, Innovationskraft und Nachhaltigkeit zu einem der führenden in der Industrie zu machen", erklärte Diess.

Der Konzern soll mit dem Geschäft mit den Lkw- und Busmarken MAN, Scania und der brasilianischen VW-Nutzfahrzeugtochter börsenfähig gemacht werden. Dafür soll das Geschäft zunächst in eine deutsche AG und anschließend in eine europäische Aktiengesellschaft (SE – Societas Europea) umgewandelt werden. Der Betriebsrat sichert Unterstützung zu. Die Konzernressorts sollen von den Chefs der Markengruppen - Diess für Volumen, Audi-Chef Rupert Stadler für Premium und Porsche-Chef Oliver Blume – geführt werden. Zugleich übernimmt Diess die Ressorts Forschung und Entwicklung und wird für das Tagesgeschäft der Marke VW von einem operativen Chef unterstützt.

Herbert Diess wird neuer VW-Chef

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Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Herbert Diess (Quelle: reuters)

Als neuer Konzernchef bei Volkswagen will Herbert Diess den größten Autobauer der Welt zu einem integrierten Mobilitätsanbieter umkrempeln. Das Unternehmen müsse Tempo aufnehmen und deutliche Akzente bei Elektromobilität, Digitalisierung des Autos und des Verkehrs sowie neuen Dienstleistungen setzen, sagte der Manager. Am Donnerstagabend hatte der VW-Aufsichtsrat nach einer Sitzung bekanntgegeben, dass der bisherige Leiter der Kernmarke VW Pkw die Führung des gesamten Konzerns übernehmen soll. Vom mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh bekam Diess Rückendeckung.

Diess zukünftig in der Verantwortung

Der 59 Jahre alte frühere BMW-Manager Diess verantwortet künftig zusätzlich die Konzernentwicklung und -forschung. Außerdem lenkt er die Fahrzeug-IT - also alles rund um die Vernetzung des Autos. Zugleich führt Volkswagen neue Markengruppen ein. Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll die Neuordnung die Entscheidungen bei dem riesigen Autokonzern beschleunigen und Strukturen verschlanken.

Osterloh, der im Rahmen des Sparprogramms "Zukunftspakt" noch Kritik an Diess geäußert hatte, kündigte nun die volle Unterstützung der Arbeitnehmerseite an. Er begrüße es ausdrücklich, dass der Konzern und die Marke VW Pkw wieder in Personalunion geführt werden sollten, schrieb Osterloh in einem Brief an die Belegschaft. Diess' Vorgänger Matthias Müller wandte sich ebenfalls an die Mitarbeiter. Er sei froh, dass es bei der bisherigen Neuausrichtung schon Erfolge gegeben habe - mit weniger Hierarchie, der "Strategie 2025" unter anderem für mehr Elektromobilität und vielen Projekten und Partnerschaften.

Eingeführt werden nun die einzelnen Markengruppen "Volumen" (VW, Skoda und Seat), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Für die Nutzfahrzeug-Einheit Truck & Bus sollen die Voraussetzungen eines Börsengangs geschaffen werden. Auch diesen Schritt unterstützten die Betriebsräte. Osterloh würdigte zudem die Arbeit Müllers. Dieser habe Volkswagen in der Abgas-Affäre erfolgreich durch die schwerste Krise der Konzerngeschichte gesteuert.

Aufsichtsratschef Pötsch sagte: "Dr. Diess hat bei der Marke Volkswagen erfolgreich bewiesen, mit welchem Tempo und welcher Konsequenz er tiefgreifende Transformationsprozesse umsetzen kann." Daher sei er für das Amt des Konzernchefs "prädestiniert" gewesen. Es war Diess gelungen, die Effizienz der im Vergleich zur Konkurrenz lange Zeit ertragsschwachen Kernmarke zu verbessern. Diess sagte: "Es geht jetzt darum, diesen Kurs konsequent fortzusetzen."

Automobilbranche im Wandel

Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Wandel, hin zu alternativen Antrieben, mehr Vernetzung und autonomem Fahren. Diess löst Müller mit sofortiger Wirkung ab. Die Aufseher beschlossen auch weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und ein enger Vertrauter Osterlohs, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing. Dieser steht für die Dauer seiner Vertragslaufzeit als Berater zur Verfügung. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

vor Ort

Fr. 13.04.18, 10.30 Uhr

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der neue VW-Chef Diess muss eine lange To-Do-Liste abarbeiten. Er muss endlich die Dieselaffäre aufklären und reinen Tisch machen. Andernfalls haftet der Vorwurf der Geheimniskrämereien und Klüngelei auch in Zukunft an VW." Der Konzern müsse auch auf die Kunden zugehen. Volkswagen lehnt in Europa hohe Entschädigungen wie in den USA unter Verweis auf ein anderes Rechtssystem ab.

mit Material von dpa und Reuters

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