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Syrien ist Hauptthema bei G7-Treffen

Außenministertreffen der G7-Länder in Toronto

Bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma, einer Stadt in Ost-Ghuta, sollen am Freitag, den 06.04.18, mehr als 150 Menschen getötet worden sein. Die USA, Großbritannien und Frankreich führten daraufhin in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 14.04.18, einen Militärschlag auf Chemiewaffen-Anlagen in Syrien durch. Die deutsche Bundesregierung, die EU und die Nato stellten sich hinter die Militäraktion. Am 20.04.18 hat sich der UN-Sicherheitsrat in Schweden eingefunden, um über ein einheitliches Vorgehen im Syrien-Krieg vorzugehen. Am Tag darauf sind die internationalen Experten für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Duma eingetroffen. Westliche Diplomaten vermuten jedoch, dass inzwischen eine vollständige Beseitigung aller Beweise stattgefunden hat. Am Sonntag, den 22.04.18, trafen sich die Außenminister der G7-Länder zum ersten Mal nach den Luftangriffen auf Syrien zu einer zweitägigen Konferenz. Vor allem Syrien und Russland sollten thematische Schwerpunkte darstellen.

Sonntag, 22.04.18

G7-Außenministertreffen in Toronto berät über Syrien

Die Außenminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) treffen sich zum ersten Mal nach den Luftangriffen der USA, Frankreichs und Großbritanniens. Vor allem Syrien und Russland sollten thematische Schwerpunkte darstellen. "Keiner will eine Eskalation in Syrien und auch im ganzen Nahen und Mittleren Osten, und dafür muss man miteinander reden", erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas am Sonntag. "Das tun wir jetzt hier erst einmal im Kreise der G7, und das ist ein guter Start."

Nach den westlichen Militärangriffen in Syrien hatten Deutschland und Frankreich eine neue Initiative für eine politische Beilegung des Konflikts angekündigt. Abstimmungsgespräche darüber sind für das G7-Treffen geplant, nicht jedoch über weitere Sanktionen gegen Russland. Diese müssen, zumindest im Fall der Europäer, von der gesamten EU beschlossen werden.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat Russland zu einer konstruktiven Mitarbeit bei der Lösung der Syrien-Krise aufgefordert, da der Konflikt ohne die Regierung in Moskau nicht zu lösen sei. Unklar ist bisher, wie Russland von Gesprächen überzeugt werden soll. Zur Debatte steht der Einbezug des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 als wirtschaftliches Druckmittel. Dazu äußerte sich Maas allerdings bisher nur ausweichend.

Samstag, 21.04.18

Moskau verkündet Eintreffen der OPCW in Duma

Nach Angaben aus Moskau sind die internationalen Experten für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nun in Duma eingetroffen. Ihre Ankunft war schon vor vier Tagen in den syrischen Staatsmedien vermeldet worden. Das Außenministerium in Moskau erklärte, sie "erwarten von den Inspektoren eine unparteiische Untersuchung aller Umstände, was in Duma passiert ist und die schnelle Abgabe eines objektiven Berichts". Westliche Diplomaten vermuten jedoch, dass inzwischen eine vollständige Beseitigung aller Beweise am Ort des mutmaßlichen Giftgasangriffs stattgefunden hat, sodass die OPCW-Mission kaum gesicherte Erkenntnisse bringen werde.

UN-Sicherheitsrat in Schweden

Währenddessen verlegte der UN-Sicherheitsrat seine Beratungen über den festgefahrenen Syrien-Konflikt am Wochenende nach Schweden. Die schwedische Außenministerin Margot Wallström begrüßte die Verlegung der Klausurtagung. Ihr Land sei zwar kein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, habe aber "eine lange Tradition der friedlichen Konfliktprävention und -lösung". Sie erhoffe sich neue Ideen zu den besprochenen Themen, warnte aber gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen. "Selbst eine wunderschöne Kulisse wie diese hier kann nicht alle Probleme regeln".

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte bei seiner Ankunft im südschwedischen Backakra, das Gremium sei beim Thema Syrien immer noch tief gespalten. "Wir müssen wirklich eine Lösung hinsichtlich der Verletzung internationalen Rechts finden, um die es sich beim Einsatz von Chemiewaffen handelt", so Guterres. Auch die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, bedauerte die "Sackgasse", in der sich der Sicherheitsrat beim Thema Syrien befinde. Klausurtagungen dieser Art seien "wichtig, um von Zeit zu Zeit aus New York herauszukommen und diese Themen zu diskutieren", sagte sie.

Freitag, 20.04.18

Verzögerung bei Untersuchung - USA beschuldigen Russland und Syrien

Nach tagelanger Verzögerung der Untersuchung eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in der syrischen Stadt Duma durch internationale Experten vermutet Washington dahinter böses Spiel unter russischer Regie.

"Wir haben glaubwürdige Informationen, dass russische Vertreter mit dem syrischen Regime kooperieren, um den Inspekteuren den Zugang nach Duma zu verwehren und Zeugen zu beeinflussen", twitterte Washingtons Außenamtssprecherin Heather Nauert in der Nacht zum Freitag.

Die USA vermuteten daher, dass Russland und Syrien eine eigene inszenierte Untersuchung in Duma durchführen wollten. Zudem sollten die Stellen, an denen die Giftgasangriffe vermutet wurden, durch das Entfernen möglicher Beweise für den Einsatz von Giftgas "gesäubert" werden.


Dienstag, 17.04.18

G7 und EU verurteilen Chemiewaffeneinsatz

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen die G7-Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Japans, Kanadas, Großbritanniens und der USA, sowie die Europäische Union "einmütig und auf das Schärfste" den Angriff mit chemischen Waffen auf die Stadt Duma in Ost-Ghouta. Die militärische Aktion der USA, Frankreichs und Großbritanniens sei "begrenzt, verhältnismäßig und notwendig" gewesen.


Montag, 16.04.18

May wirft Syrien Vertuschung von Giftgasangriff in Duma vor

Die britische Premierministerin Theresa May hat Syrien den Versuch vorgeworfen, die Umstände eines mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs in Duma zu verschleiern. Russland unterstütze die Regierung von Präsident Baschar al-Assad dabei, so May im britischen Unterhaus.


Sonntag, 15.04.18

Westen setzt auf Diplomatie und Drohungen zugleich

Nach dem Militärangriff auf Syrien am Samstag, den 14.04.18, legten die USA, Frankreich und Großbritannien dem UN-Sicherheitsrat einen neuen Resolutionsentwurf vor. Darin fordern sie eine unabhängige Untersuchung der Giftgasvorwürfe und rufen Damaskus zu "konstruktiven" Friedensverhandlungen auf. Ebenso setzten sich Frankreich und Deutschland für eine Stärkung der diplomatischen Bemühungen ein. Russland soll mit dem Westen an einer politischen Lösung der Lage in Syrien arbeiten. In einem am Sonntag, den 15.04.18, veröffentlichten Interview der Zeitung "Journal du Dimanche" wies Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian darauf hin, dass die Bemühungen gebündelt werden müssten, um einen politischen Prozess in Syrien zu fördern. Die USA drohten mit weiteren Luftangriffen für den Fall neuer Giftgaseinsätze. Auch Le Drian warnte vor einer weiteren "Intervention".

Syrien will trotz des Militärschlags keine Kursänderung

Nach Angaben russischer Politiker lehnt der syrische Machthaber Baschar al-Assad eine Kursänderung ab. Dem russischen Abgeordneten Dmitri Sablin soll er bei einem Treffen in Damaskus am Sonntag gesagt haben, dass Syrien den Handlungen des Westens keine Aufmerksamkeit schenken werde. Der Agentur Tass zufolge habe Assad den Militärangriff als Akt der Aggression bezeichnet. Er sei der Ansicht, dass der Angriff sein Land einen werde.
Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte zuvor betont, dass der Großteil der Geschosse mithilfe russischer Technik abgefangen worden sei. Die USA bestreiten dies jedoch. US-Präsident Donald Trump bezeichnet die Mission als "perfekt ausgeführt". Die Raketenangriffe "hätten kein besseres Ergebnis haben können", schrieb er auf Twitter. Das Pentagon bestätigte, dass "alle Ziele erfolgreich getroffen" wurden. Der Militäreinsatz habe zur Folge, dass das syrische Chemiewaffenprogramm um Jahre zurückgeworfen würde.

Samstag, 14.04.18

USA, Frankreich und Großbritannien führen Angriff gegen syrische Ziele durch

Die Regierungen in London und Paris bestätigten ihre Beteiligung am US-amerikanischen Angriff auf Gebäude in Syrien, die das dortige Regime zur Produktion von Chemiewaffen nutze. Unter den Zielen seien ein Forschungszentrum und ein Armeelager gewesen. Insgesamt sollen dabei drei Menschen verletzt worden sein. Der Angriff wird als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma gesehen. Er galt jedoch vor allem der Verhinderung einer Verwendung weiterer Chemiewaffen durch die syrische Regierung.

Kurz nach Beginn der Luftschläge warnte der russische US-Botschafter Antanow die USA und betonte in einer Mitteilung, dass "solche Aktionen nicht ohne Konsequenzen bleiben" würden. US-Präsident Donald Trump sprach von einem "perfekt ausgeführten Luftschlag" und bedankte sich sowohl bei Frankreich als auch bei Großbritannien. Die britische Premierministerin Theresa May verteidigte die Entscheidung die Luftangriffe durchzuführen. Laut ihrer Aussage gebe es Anzeichen dafür, dass die syrische Regierung über Chemiewaffen verfüge und weiterhin derartige Waffen produziere. Passend dazu veröffentlichte Frankreich einen Bericht seines Geheimdienstes, nach dem die syrische Armee verantwortlich für den Giftgas-Angriff auf Duma sei.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich hinter die Luftangriffe. "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen", erklärt sie. Der russische Präsident Wladimir Putin hingegen verurteilte die Luftschläge. Seiner Meinung nach, verschärften die US-Aktionen die humanitäre Katastrophe in Syrien und hätten verehrende Auswirkungen auf das gesamte System der internationalen Beziehungen. Putin forderte zudem eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates, welche am 14.04.18 gegen 17.00 Uhr geplant sei.
Syriens Regierung zeigte sich von dem Angriff unbeeindruckt und betonte, dass dieser keinerlei Einfluss auf ihre Politik habe.


Freitag, 13.04.18

Russland hält Chemiewaffeneinsatz für eine Täuschung

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hält den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Syrien für eine Erfindung. Am Freitag, den 13.04.18, sagte er zu Journalisten, dass der Chemieeinsatz in Duma am vergangenen Wochenende mithilfe ausländischer Geheimdienste vorgetäuscht worden sei. Russische Experten hätten bei einer Untersuchung vor Ort keine Spuren chemischer Waffen gefunden. Lawrow betonte, dass Russland "unwiderlegbare Informationen" für eine "weitere Erfindung" habe. "Geheimdienste eines Staates, der nun bestrebt ist, eine russophobe Kampagne anzuführen, waren an dieser Erfindung beteiligt", erklärte er. Zudem warnte er vor Ultimaten und Drohungen. Er wies darauf hin, dass die Kommunikationskanäle zwischen Russland und den USA genutzt würden.

Donnerstag, 12.04.18

Macron sieht den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als bewiesen an

Frankreich liegen laut Präsident Emmanuel Macron Beweise für den Einsatz von Giftgas durch die syrische Regierung in der Rebellenbastion Duma vor. In einem Interview mit den Fernsehsendern TF1 und LCI am Donnerstag, den 12.04.18, sagte Macron, es gebe den Nachweis, dass in der vergangenen Woche Chlorgas eingesetzt worden sei, und dass es vom Regime von Baschar al-Assad verwendet wurde. Macron werde eine Entscheidung über einen Militäreinsatz treffen, sobald alle vorliegenden Informationen bestätigt seien. Sein Ziel sei die Verwendung von Chemiewaffen durch die syrische Regierung unmöglich zu machen. "Man kann heute die Regimes nicht gewähren lassen, die glauben, sie könnten sich alles erlauben, auch in klarem Verstoß gegen das Völkerrecht", sagte der Präsident.

Auch sie unterstütze ein deutliches Zeichen gegen den Einsatz von Chemiewaffen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag, den 12.04.18, bei einem Besuch des dänischen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen in Berlin. Eine Beteiligung Deutschlands an einem Militärschlag in Syrien schloss sie allerdings aus.

Syrische Regierung übernimmt Kontrolle über Duma

Das russische Fernsehen zeigte Bilder einer rot-weiß-schwarzen Flagge mit zwei grünen Sternen über einem nicht näher benannten Gebäude. Die Fahne der syrischen Regierung sei auf einem Gebäude der Stadt Duma bei Damaskus gehisst worden, erklärte der russische General Juri Jewtuschenko, Leiter des russischen Zentrums für die Versöhnung der Kriegsparteien in Syrien, nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Die syrische Regierung habe die "Kontrolle über diese Stadt und folglich über ganz Ost-Ghuta". Dies sei ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Syriens.

Zudem teilte das russische Verteidigungsministerium mit, die am Vortag entsandte Militärpolizei habe mit Patrouillen in Duma begonnen. Sie solle für die „Einhaltung von Recht und Ordnung in der Stadt sorgen", erklärte das Ministerium laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Die letzten in der Region verbliebenen Rebellen hätten nach Angaben von Aktivisten ihre Waffen an die russische Militärpolizei abgegeben, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Issam Buwaidani, der Anführer der Gruppe Dschaisch al-Islam, habe die Enklave in Richtung Norden verlassen.

Guterres mahnt Sicherheitsrat

Vor Ort

Do. 12.04.18, 12.00 Uhr

Do. 12.04.18, 14.00 Uhr

Er habe mit den Botschaftern der Vetomächte USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China gesprochen, teilte der UN-Generalsekretär António Guterres am Donnerstag, den 12.04.18, mit. Er appellierte an die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, zu verhindern, dass die Lage in Syrien "außer Kontrolle" gerät. Bisher ist es dem Gremium nicht gelungen, die Situation in dem Kriegsgebiet positiv zu beeinflussen. Es gehe darum, "das schreckliche Leiden der Syrer" zu beenden.

Keine Anfrage an Deutschland zur Beteiligung an Militärschlag

Bundesaußenminister Heiko Maas sprach am Donnerstag, den 12.04.18, mit dem britischen Außenminister Boris Johnson über die Lage in Syrien. Bisher haben die USA und Frankreich keine deutsche Beteiligung an einem möglichen Militärschlag in Syrien gefordert. Maas sagte in Dublin: "Es gibt bisher keine Anforderung an Deutschland." Nach Informationen des SPD-Politikers gebe es auch noch keine US-Entscheidung für einen Militärschlag. Die westlichen Verbündeten dürften sich in dieser Frage nicht auseinanderdividieren lassen, betonte er. "Wenn man den Druck auf Russland aufrechterhalten will, dann können die westlichen Partner jetzt nicht auseinanderlaufen."

Mittwoch, 11.04.18

Trump erwägt Angriff auf Syrien

US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch, den 11.04.18, einen Raketenangriff auf Syrien an. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach' Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen!". Zuvor hatte Trump seine Reise nach Südamerika abgesagt, um zu entscheiden, wie die USA auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien reagieren. Militärische Schritte schloss die Regierung in Washington nicht aus. Nach der Ankündigung mahnte das Außenministerium in Moskau die USA, die Geschosse sollten in Richtung Terroristen und nicht auf rechtmäßige Regierungen fliegen.

Die US-Regierungssprecherin Sarah Sanders betonte, ein Militärschlag durch die Vereinigten Staaten sei denkbar, eine Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, so Sanders. Die USA führen derzeit Gespräche mit den Verbündeten Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien und Israel. Frankreich und das Vereinigte Königreich könnten sich an einem Militärschlag beteiligen. Premierministerin Theresa May sei bereit, die britische Beteiligung zu genehmigen, berichtete die BBC.

Putin appelliert an "gesunden Menschenverstand"

Russland hatte bereits im Vorhinein Vergeltung angekündigt, sollten die USA Syrien mit Raketen angreifen. „Wenn es einen Angriff der Amerikaner geben sollte, dann würden die Raketen abgeschossen“, sagte der russische Botschafter im Libanon, Alexander Sasypkin, dem Hisbollah-Fernsehsender al-Manar. Unter Berufung auf eine Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des russischen Armeechefs sagte Sasypkin, es würden auch die Abschussvorrichtungen angegriffen, von denen aus die Raketen abgefeuert würden. Damit wären auch US-Kriegsschiffe in der Region potenzielle Angriffsziele.

Putin persönlich ging auf Trumps Drohungen nicht ausdrücklich ein. In einer Rede vor ausländischen Diplomaten im Kreml allerdings sagte er am Mittwoch, den 11.04.18, die Lage auf der Welt gebe Anlass zur "Sorge" und werde immer "chaotischer". "Dennoch hoffen wir, dass der gesunde Menschenverstand letztlich die Oberhand behält", so Putin. Er hoffe auf ein "Weltsystem", das wieder "stabiler und vorhersehbarer" werde, und auf eine "konstruktive Richtung" in den internationalen Beziehungen.

Montag, 09.04.18

UN-Sitzung über mutmaßlichen Giftgasangriff

Frankreich hatte für Montag, den 09.04.18, eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York beantragt, um über die jüngsten Vorfälle zu sprechen. Staatschef Emmanuel Macron bezeichnete die Verwendung von Giftgas in Syrien als rote Linie. Im März hatte der französische Präsident mit "gezielten Schlägen" gedroht, falls im Syrien-Krieg ein tödlicher Einsatz von Chemiewaffen unwiderlegbar bewiesen sei. Eine Resolution zum Giftgaseinsatz in Duma konnte der UN-Sicherheitsrat nicht verabschieden, denn drei Vorlagen scheiterten.

Eine Resolutionsvorlage der USA und zwei Russlands wurden abgelehnt. Russland strebte eine Untersuchung durch die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) an. Der russische Botschafter Wassili Nebensja äußerte sein Bedauern angesichts der gescheiterten Resolutionen. US-Botschafterin Nikki Haley kritisierte, dass der russische Vorschlag der Regierung in Moskau die Möglichkeit gegeben hätte, die Ermittler auszusuchen und deren Ergebnisse zu bewerten. Ein OPCW-Ermittlerteam sei schon auf dem Weg nach Syrien. „Dieses untersucht nur, ob Giftgas eingesetzt wurde, aber nicht, wer für den Einsatz verantwortlich ist“, sagte Pierce.

Aus Sicht der Europäischen Union deutet alles darauf hin, dass die syrische Regierung um Präsident Bashar al-Assad für den Einsatz von Giftgas in der Region Ost-Ghouta verantwortlich ist: "Die Beweislage deutet auf einen weiteren Chemieangriff durch das Regime hin", heißt es in einer Stellungnahme des Auswärtigen Dienstes der EU. Eine sofortige Reaktion der internationalen Gemeinschaft wird gefordert. In Zuge dessen fordert die EU Russland und den Iran als Unterstützer von Assad dazu auf, ihren Einfluss zu nutzen, weitere derartige Angriffe zu verhindern.

Auswärtiges Amt verurteilt Tat aufs Schärfste

Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich in großer Sorge. "Sollte sich das bewahrheiten, worauf im Moment vieles hindeutet, dann hat das Regime, fast auf den Tag genau ein Jahr nach Khan Sheikhoun, erneut international geächtete Waffen eingesetzt und Unschuldige auf grausame Art und Weise getötet. Dies verurteilen wir auf das Schärfste", teilte ein Sprecher mit. Die Angriffe richteten sich offensichtlich gezielt gegen diejenigen, die in Kellern und Bunkern Schutz und Zuflucht suchten.

"Wir fordern die Unterstützer des Regimes, insbesondere Russland und Iran auf, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden und in Übereinstimmung mit internationalem Recht für den Schutz und die humanitäre Versorgung der Zivilisten zu sorgen", erklärte der Sprecher. "Der Kampf gegen den Terrorismus darf nicht als Vorwand dienen, unterschiedslos und mit äußerster Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder vorzugehen. Die Verantwortlichen für diese Verbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

Sonntag, 08.04.18

Vorwürfe gegen Russland und Iran

US-Präsident Donald Trump gab Russlands Präsidenten Wladimir Putin sowie dem Iran eine Mitverantwortung für den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff. "Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Rückendeckung des Tieres Assad", schrieb Trump am 08.04.18 auf Twitter. Das russische Militär und die syrische Führung wiesen die Vorwürfe zurück. Es handele sich um "fabrizierte Anschuldigungen", sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko der Agentur Interfax. Das russische Außenministerium bezeichnete die Vorwürfe als Provokationen, die lediglich für die Terroristen und die radikale Opposition von Vorteil seien, die nicht zu einer politischen Lösung bereit seien.

Trump sagte eine Auslandsreise ab, bis geklärt ist, wie die USA auf den mutmaßlichen Giftgasangriff reagieren. Die syrische Armee sei in "höchste Alarmbereitschaft" versetzt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mehrere Stützpunkte seien wegen möglicher Angriffe vorsorglich geräumt worden, so die Beobachtungstelle. Russland warnte die USA in einer UN-Sitzung vor einem Angriff auf Stellungen des Assad-Regimes.

Freitag, 06.04.18

Eine der schlimmsten chemischen Attacken in Syrien

Am Freitagabend, den 06.04.18, waren die Kämpfe um die Stadt Duma, die von der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam ("Armee des Islams") kontrolliert wird, erneut eskaliert. Videos aus sozialen Netzwerken zeigten heftigen Beschuss und Luftangriffe. Zuvor war es einige Tage lang in dem Rebellengebiet ruhig geblieben, nachdem sich Oppositionsgruppen und Regierung auf einen Abzug geeinigt hatten. Teile der Rebellengruppe Dschaisch al-Islam forderten jedoch, in Duma zu bleiben, was abgelehnt wurde.

Die Hilfsorganisation UOSSM sprach angesichts des mutmaßlichen Giftgas-Einsatzes von einer der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte. Retter hätten große Probleme, an die Opfer zu gelangen, sagte ein Sprecher. Es sei über den Geruch von Chlor berichtet worden. Retter glaubten jedoch an die Verwendung von Sarin-Gas, da der Stoff zu Boden sinke und viele Opfer in Kellern gefunden worden seien, wo sie Schutz vor den Angriffen gesucht hätten.

Hilfsorganisationen werfen der syrischen Regierung vor, Chemiewaffen bei Angriffen auf die letzte Rebellenhochburg in Ost-Ghuta eingesetzt zu haben. Mehr als 150 Menschen sollen dabei getötet und mehr als 1000 verletzt worden sein. Sowohl Syriens Führung als auch Russland wiesen die Berichte zurück. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

Die syrisch-amerikanisch medizinische Gesellschaft berichtete, dass am 06.04.18 kurz vor 20.00 Uhr Ortszeit hunderte Menschen in medizinische Einrichtungen in Duma gebracht worden seien. Die Menschen zeigten Anzeichen, einem Nervengas ausgesetzt gewesen zu sein. Sie hätten Herzprobleme gehabt und unter Atemnot gelitten. Die Hilfsorganisation Weißhelme sagte, ein Hubschrauber habe zuvor eine Fassbombe mit Chemikalien abgeworfen.

Mit Material von dpa, AP, AFP und tagesschau.de

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