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Weltfrauentag

Frauenpower am 08.03.18

"#Press for Progress" lautet das Motto des Weltfrauentages 2018. In Zeiten von #MeToo und #TimesUp ist der globale Aktivismus gegen sexuelle Gewalt und für Gleichberechtigung und Chancengleichheit zu spüren. Am Donnerstag, den 08.03.18, ist die Aufmerksamkeit für das Thema groß. Reaktionen und Statements zum Internationalen Frauentag.

Weltfrauentag

Demo vor dem Internationalen Frauentag (Quelle: dpa)

Die Gleichstellung der Frau ist und bleibt ein umstrittenes Thema: zu wenig Frauen in Führungspositionen, Unterschiede im Gehalt und Sexismus im Alltag. In den letzten Jahren hat es viele Bewegungen bei den Frauenrechten gegeben, doch ist es für viele nicht genug. In vielen Ländern fehlen den Frauen noch grundsätzliche Rechte. Auf all das soll am Internationalen Frauentag aufmerksam gemacht werden.


#MeToo-Aktivistin: Asia Argento
"Die bedeutendste Frauenbewegung seit der Erstreitung des Wahlrechts"

Die italienische Schauspielerin Asia Argento sieht in der #MeToo-Kampagne eine weltweite Bewegung für die Freiheit und Gleichheit von Frauen. "Es ist die bedeutendste Bewegung für die Rechte von Frauen seit der Erstreitung des Wahlrechts", sagte Argento in einem exklusiven Gespräch mit phoenix-Moderator Michael Kolz anlässlich des Weltfrauentages. Asia Argento gehörte zu den ersten Betroffenen, die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein öffentlich gemacht und damit die #MeToo-Bewegung ausgelöst hatten. Sie nimmt in Brüssel an Diskussionen anlässlich des Weltfrauentages teil.

Vor Ort

Do. 08.03.18, 09.00 Uhr

"Der Anstoß für die #MeToo-Kampagne ist zwar von Frauen aus der Filmindustrie ausgegangen, hat sich jedoch längst auf andere Branchen ausgeweitet. Die Diskussion hat sich gewandelt und prangert grundlegend den Machtmissbrauch durch Männer an", sagte Argento. Viel habe sich in den vergangenen sechs Monaten bereits verändert. "Hunderte von Frauen haben sich gegen ihre Unterdrücker aufgelehnt, die Unterdrücker haben ihre Jobs verloren, sie haben keine Macht mehr. Zuvor mussten wir fürchten, unsere Jobs zu verlieren, wenn wir den Mund aufmachen." Dadurch würden sich die Machtstrukturen verändern. "Das ist ein Tsunami, der nicht so schnell gestoppt werden kann", so Argento.

Erfüllt sei die Mission aber erst, "wenn vollkommene Gleichstellung zwischen Frauen und Männern erreicht ist, in der Bezahlung, in der Repräsentation in Politik und Wirtschaft. Ich hoffe, dass ich das noch erleben werde", sagte Asia Argento.


Video-Botschaft von Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Morgen des Weltfrauentages per Video-Botschaft zu Wort gemeldet. Sie betont, dass viele Frauen für die heutigen Rechte gekämpft haben und schon viel erreicht wurde. Seit 100 Jahren haben Frauen das Recht zu wählen. "Aber damit geben wir uns natürlich nicht zufrieden - zu wählen - sondern wir wollen gestalten, Politik in allen Bereichen: in der Familie, in der Arbeitswelt, politische Verantwortung übernehmen.", sagte sie. In vielen anderen Ländern fehlen Frauen noch grundlegende Rechte, weshalb der Tag nicht nur ein Tag ist, "auf das Erreichte zurückzublicken, sondern auch ein Tag, an dem wir sagen, der Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen geht weiter."


Frauenquote im Bundestag – Prüfung der Wahlrechtsänderung

Bundesfrauenministerin Katarina Barley, SPD, und Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, plädieren für eine Debatte über eine Frauenquote in den deutschen Parlamenten. Die Parteien müssten etwas gegen den gesunkenen Frauenanteil im Bundestag tun, sagte Barley den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland am Donnerstag, den 08.03.18, "Wir müssen aber auch prüfen, welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können, damit wieder mehr Frauen in den Parlamenten einziehen."

Mit der Bekanntgabe der CSU-Besetzungsliste für das Bundeskabinett ist ein Kabinett mit gleich vielen Männern und Frauen nicht mehr möglich. Andere Staaten, wie zum Beispiel Frankreich, seien in der gleichen Repräsentation von Männern und Frauen in Parlamenten Deutschland voraus, machte Barley deutlich.

Auch Kramp-Karrenbauer wolle im Zuge einer Bundestagsreform darüber reden, "ob wir diese Teilhabe von Frauen ins Wahlrecht bringen können", sagte sie gegenüber 'Focus Online' am Donnerstag, den 08.03.18.

Während CDU und SPD jeweils die gleiche Anzahl von Männern und Frauen ins Kabinett schicken wollen, besetzt die CSU ihre drei Ministerposten mit Männern. Dorothee Bär, CSU, geht als einzige CSU-Frau als Staatsministerin im Kanzleramt nach Berlin. Laut Kramp-Karrenbauer habe Bär "zu Recht darauf hingewiesen, dass da noch Luft nach oben ist".

Der Frauenanteil im neuen Bundestag ist so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zu 491 Männern, wurden im September 218 Frauen als Abgeordnete in den Bundestag gewählt. Das ist ein Frauenanteil von rund 30 Prozent. Dabei gibt es zwischen den Fraktionen deutliche Unterschiede. Bei den Grünen und der Linkspartei sind die Frauen in der Mehrheit, bei der CDU/CSU, FDP und AfD ist der Frauenanteil bei jeweils unter 25 Prozent und bei der SPD bei 42 Prozent.


Frauen in Führungspositionen

In der deutschen Wirtschaft hat sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent von 21,4 auf 22,6 Prozent erhöht. Das ergab eine am Donnerstag, den 08.03.18, veröffentlichte Datenbank-Auswertung der Wirschaftsauskunftei CRIFBürgel von 2,3 Millionen Führungspositionen bei mehr als einer Million Unternehmen.

Dabei sind in den unterschiedlichen Branchen deutliche Unterschiede zu erkennen. Mit einem Anteil von 36,5 Prozent sind Frauen in Führungspositionen am stärksten im Gesundheitswesen vertreten. Danach folgen mit überdurchschnittlich vielen Frauen in Führungspositionen der Handel mit 25,9 Prozent und das Verlagswesen mit 24,9 Prozent. Nur wenige Frauen finden sich in den Führungsetagen des Maschinenbaus (10,8 Prozent), des Baugewerbes (11,1 Prozent) oder der Energieversorgung (11,8 Prozent).

Auch regional sind deutliche Unterschiede in den Anteilen von Frauen in Führungspositionen zu sehen. Der Osten liegt dabei mit beispielsweise 28,3 Prozent in Brandenburg vorne, wobei das Schlusslicht die wirtschaftlich erfolgreichsten Bundesländer mit Baden-Württemberg (18,8 Prozent) und Bayern (19,6 Prozent) bildet.

Iran: Justiz will gegen Feier zum Frauentag vorgehen

In Teheran fand eine Feier zum iranischen Frauentag statt, die vom Rathaus veranstaltet worden war. Gegen diese kündigt Staatsanwalt Mohammed Dschafar Montaseri an, vorzugehen. In den sozialen Medien fand ein Video der Veranstaltung Verbreitung, in dem eine Gruppe Mädchen in engen Hosen zu sehen ist, die zur Musik eines traditionellen Orchesters und eines mehrheitlich weiblichen Chors tanzen.

Laut der Nachrichtenagentur Isna sagte Montaseri, die Veranstaltung habe womöglich "gegen die öffentliche Moral" und islamische Traditionen verstoßen. Er habe den Teheraner Generalstaatsanwalt angewiesen, Ermittlungen einzuleiten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Teherans reformorientierter Bürgermeister Mohammed Ali Nadschafi hat an der Feier im Rathaus teilgenommen.

Heiko Maas, SPD: Noch gibt es keine volle Gleichberechtigung von Frauen

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas, SPD, beklagt, Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen würde immer noch in vielen Bereichen der Gesellschaft stattfinden. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, dass die Einführung des Frauenwahlrechtes vor 100 Jahren zwar ein epochaler Schritt zu mehr Gleichberechtigung gewesen sei, aber doch nur ein Etappensieg. Zu wenig weibliche Führungskräfte, Sexismus und Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen seien immer noch vorhanden.

"Dass sich im Jahr 2018 tatsächlich noch immer einige trauen, zu argumentieren, es gäbe doch gar nicht genug qualifizierte Frauen, ist grotesk", sagte Maas. "Dieses Argument ist einfach nur noch peinlich." Frauen seien so gut ausgebildet wie noch nie. "Wenn bestimmte Branchen und Unternehmen von reinen Männervereinen geleitet werden, verhindert das nicht nur echte Gleichberechtigung, sondern es kann auch ein Umfeld für sexualisierte Gewalt schaffen", mahnte er. "Und ganz klar ist: Sexismus beginnt schon lange, bevor es strafbar wird."


Nadine Schön, CDU: Internationaler Frauentag – viel erreicht, aber noch viel zu tun

Nadine Schön teilte am Mittwoch, den 07.03.2018, im Namen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit, dass der Internationale Frauentag in diesem Jahr wegen des 100-jährigen Jubiläums des Wahlrechtes für Frauen in Deutschland ein besonderer Frauentag sei. Es sei heute selbstverständlich, dass Frauen wie Männer wählen und gewählt werden können. Dass Frauen aber ein politisches Mandat anstreben und auch gewählt werden, sei nicht selbstverständlich. Im Deutschen Bundestag sei der Frauenanteil in dieser Legislaturperiode von knapp 37 Prozent auf etwa 30 Prozent gefallen.

Auch in den Landes- und Kommunalparlamenten sehe es nicht besser aus. Damit, dass die Hälfte der Bevölkerung nicht angemessen repräsentiert sei, könne man sich nicht zufriedengeben. Daher sei im Koalitionsvertrag festgehalten, um eine höhere Repräsentanz von Frauen in der Politik zu erreichen, bewährte politische Programme zu verstetigen, die Frauen auf dem Weg in ein politisches Amt unterstützen, wie das Helene-Weber-Kolleg und den Helene-Weber-Preis.

Schön sieht weiterhin Handlungsbedarf: "Der Weltfrauentag 2018 steht unter dem Motto 'Press for Progress', also weitermachen, dranbleiben. Das ist für uns selbstverständlich! Wir haben frauenpolitisch viel erreicht. Dennoch bleibt der Auftrag, auf dem Weg zur Gleichberechtigung und Chancengleichheit nicht stehen zu bleiben, sondern ihn konsequent weiter zu gehen."


Schon am Donnerstag, den 01.03.18, hat im Deutschen Bundestag eine vereinbarte Debatte zum Weltfrauentag stattgefunden.


Dokumentationen am Weltfrauentag: Donnerstag, den 08.03.18

20.15 Uhr - Tausendundein Tag - Neue Frauenpower in Saudi-Arabien
Film von Ute Brucker

Klischee und Wirklichkeit: Frauen in Saudi-Arabien „die dürfen doch nicht mal Auto fahren“. Und „wenn sie aus dem Haus gehen, müssen sie sich komplett verschleiern“. Stimmt das?

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Im Dezember 2015 durften saudi-arabische Frauen zum ersten Mal wählen gehen. (Quelle: dpa/epa/Ahmed Yosri)

Was wissen wir schon von den weiblichen 51% der Bevölkerung auf der arabischen Halbinsel? Wenig außer ein paar Klischees. Kein Wunder, berichten westliche Medien doch äußerst selten über dieses Land, weil ihnen kaum Zugang gewährt wird. Jetzt hat die saudische Botschaft in Berlin der Autorin und Team Visa in Aussicht gestellt.
Die Türen öffnen sich: Saudische Frauen machen inzwischen spektakulären Aufstieg, sind Managerinnen, zum ersten Mal auch Chefin der saudischen Börse (seit Februar 2017!), Professorinnen oder Parlamentsabgeordnete.

Die Reportage gibt exklusive Einblicke ins Leben saudischer Frauen und Familien. Gleichzeitig zeigen wir, was dieses Land an Naturschönheiten zu bieten hat.

21.15 Uhr - Surfen um frei zu sein. Mutige Mädchen in Bangladesch
Film von Gábor Halász

Sie ist 13 Jahre alt, und seitdem Sumi Akter surft, hat sich ihr Leben verändert: "Bevor ich anfing mit dem Surfen, war ich ängstlich. Aber mit der Zeit habe ich mich geändert." Doch Sumi lebt in Bangladesch und hier herrscht die Meinung, für Frauen gehöre es sich nicht, in der Öffentlichkeit zu surfen. Die konservative, islamische Welt beginnt bereits am Strand. Frauen sollten sich fithalten, sagen die Männer, aber nur in einem Pool, geschützt vor Männerblicken.

Die heute 18-jährige Nasima Akter stand lange auf dem Surfbrett, war die beste Surferin im Club, war sogar ein wenig berühmt. Doch dann musste sie heiraten und vorbei war es mit der kurzen Freiheit auf den Wellen. Ihr Mann hat ihr den Sport verboten. Und doch bleibt sie Vorbild für die wenigen mutigen Mädchen, die für ihre Leidenschaft und für ihre Freiheit kämpfen.

Katharina Hensel mit Material von DPA und AFP

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