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Mehrjährige Haftstrafen für "Gruppe Freital"

Urteil im Terrorprozess

Das Oberlandesgericht Dresden hat das Urteil im Terrorprozess gegen "Gruppe Freital" gesprochen: Es werden lange Haftstrafen zwischen vier und zehn Jahre verhängt. Die Angeklagten wurden am Mittwoch unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes beziehungsweise Beihilfe dazu verurteilt.

Gruppe Freital

Kundgebung vor Freitaler Flüchtlingsheim (Quelle: Oliver Killig/dpa)

Im Sommer 2015 wurde in der sächsischen Kleinstadt Freital eine Anschlagserie auf Flüchtlingsunterkünfte und deren Unterstützer verübt. Vor einem Jahr hat der Prozess gegen die "Gruppe Freital" begonnen. Am Mittwoch, den 07.03.18, wurde nach 73 Verhandlungstagen das Urteil gesprochen. Es sprach die Angeklagten der Bildung einer terroristischen Vereinigung schuldig und verhängte Gefängnisstrafen zwischen vier und zehn Jahren. Wegen Rädelsführerschaft erhielten die Angeklagten Timo S. und Patrick F. mit zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahren die höchsten Strafen. Das zur Tatzeit erst 18-jährige Mitglied der Gruppe erhielt eine Jugendfreiheitsstrafe von vier Jahren. Die übrigen vier Verurteilten erhielten Freiheitsstrafen zwischen fünf und acht Jahren.

Rechtsextreme bildeten Terror-Zelle

Angeklagt werden die sieben Männer und eine Frau für insgesamt fünf verübte Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden. Die Anschlagserie hat im Sommer 2015 stattgefunden.

Für die beiden Rädelsführer hatte die Bundesanwaltschaft unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und versuchten Mordes auf Freiheitstrafen von elf Jahren beziehungsweise zehn Jahren und neun Monaten plädiert. Zwischen fünf und neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe forderte die Bundesanwaltschaft für die anderen sechs Angeklagten.

Gewalt richtete sich gezielt gegen Flüchtlinge und Helfer

Freital Gericht

Einer der Angeklagten vor dem Oberlandesgericht Dresden. (Quelle: Reuters)

Verschiedene Sprengstoffanschläge machten 2015 auf Freital aufmerksam: Das Auto eines Freitaler Linke-Stadtrats wurde gesprengt sowie das lokale Parteibüro der Linken angegriffen. Außerdem wurden Explosionen in zwei Flüchtlingsunterkünften in Freital ausgelöst. Dazu wurde in Deutschland nicht zugelassene Pyrotechnik aus Tschechien an den Fenstern der Unterkünfte angebracht. Auch ein alternatives Wohnprojekt von Flüchtlingsunterstützern in Dresden wurde gemeinsam mit Mitgliedern der rechtsextremen "Freien Kameradschaft Dresden" überfallen.

Dabei sollen die Mitglieder der "Gruppe Freital" in wechselnder Zusammensetzung und Tatbeteiligung gehandelt haben. Die Bundesanwaltschaft führte im Vorfeld des Urteilspruches aus, dass es nur glücklichen Umständen zu verdanken gewesen sei, dass bei den Anschlägen niemand schwer verletzt oder gar getötet wurde. Die Gruppe habe 'ein Klima der Angst und Repression' schaffen wollen. Mit einer fremdenfeindlichen, rechtsextremen und zum Teil nationalsozialistischen Ideologie seien die Taten mit dem Ziel Ausländer zu vertreiben ausgeübt worden.

Der Tag

Mi. 07.03.18, 17.30 Uhr

Die Taten waren im Vorfeld des Urteilspruches unstrittig und wurden im Laufe der Gerichtsverhandlungen zum Teil von den Angeklagten selbst zugegeben. Für die Verteidigung ist der Vorwurf der Bildung und Mitgliedschaft einer Terrorgruppe zu überzogen und zog diesen wie auch den des versuchten Mordes zurück. Sie plädierte für deutlich geringere Haftstrafen als die Bundesanwaltschaft.

Katharina Hensel mit Material von dpa

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