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Kursabsturz an den Börsen

In den USA, Asien und Australien brechen die Leitindizes ein. Für den Dax geht der Handelsbeginn am Dienstag glimpflich aus.

Am Montag, den 05.02.18 hat der Dow Jones 1175 Punkte verloren, so viel wie noch nie zuvor an einem Handelstag. Stunden später riss der Kurssturz auch die Börsen in Asien und Australien nach unten, eine befürchtete Panik beim Dax blieb aber aus. Als Grund vermuten Ökonomen gute Wirtschaftszahlen und steigende Löhne: Diese lassen die Anleger einen baldigen Zinsanstieg erwarten.

Dax Börse Panik 06.02.

Die Dax-Kurve im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main. Nach deutlichen Abwärtstrends in den USA und in Asien hat der Dax die Einbrüche in Übersee bisher aber gut verkraftet. (Quelle: Boris Rössler/dpa)

Aus Furcht vor einem Ende der lockeren Geldpolitik flüchteten in den USA Anleger am Montag panikartig aus Aktien, der Dow Jones sackte um 4,6 Prozent ab. Auch in Tokio und Hongkong wurden daraufhin am Morgen des Dienstag, 06.02.18 empfindliche Zählerverluste verzeichnet. „Das, was heute passiert, darf als Crash bezeichnet werden“, sagt Experte Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners der Nachrichtenagentur dpa. An der Frankfurter Börse blieb indes ein dramatischer Absturz aus, die Marke von 12.000 Punkten wurde nicht unterschritten.

Paradox: Gute Wirtschaftszahlen stecken wohl hinter dem Crash

Die Nachrichten vom „dunkelgrauen Montag“, wie der kleine Crash in Anspielung auf dem schwarzen Montag von 1987 genannt wird, kommen nur wenige Tage nach dem jüngsten Rekordhoch des Dow Jones. Die US-Regierung hatte bis zuletzt die guten Wirtschafts- und Börsenzahlen als Erfolg von Präsident Trumps Agenda bezeichnet. Die Pressesprecherin des Weißen Haus Sarah Huckabee Sanders zeigte sich angesichts des Kurssturzes zuversichtlich, die Aufmerksamkeit der Administration liege auf Daten wie der niedrigen Arbeitslosigkeit und den steigenden Löhnen.

Dabei sind es wohl genau diese guten Konjunkturzahlen, die letztlich entscheidend zu den plötzlichen Abschlägen geführt haben. Sie lassen eine bevorstehende Inflation vermuten. Die schon lange angekündigten Zinserhöhungen durch die Federal Reserve („Fed“) könnten dadurch schneller kommen, als viele Anleger erwartet hatten. Die Aussicht auf einen höheren Leitzins macht das Aktiengeschäft gegenüber Anleihen weniger attraktiv, weswegen es am Montag zu massenweisen Abverkäufen kam.

Der Führungswechsel in der Fed könnte zusätzlich zur Unsicherheit beigetragen haben. Nach 10 Jahren lief just am Montag die Amtszeit der bisherigen Vorsitzenden Janet Yellen aus, welche die bisherige Niedrigszinspolitik maßgeblich geprägt hatte. Ihr Nachfolger Jerome Powell schlägt zwar in eine ähnlich pragmatische Kerbe, doch übt Trump durch seine protektionistische Politik Druck auf die Zinspolitik aus.

Von einer Rezession trotzdem weit entfernt

Die mögliche Zinswende in den USA wirft die Frage auf, ob der Euroraum bald folgen könnte. EZB-Präsident Draghi macht aber keine Anzeichen für eine baldige Abkehr vom niedrigen Leitzins, zum Leidwesen der Sparer. Wie er erst am Montag, 05.02.18 vor dem EU-Parlament berichtete, ist zwar das Wirtschaftswachstum EU-weit robust, doch das Ziel einer Inflation von annähernd zwei Prozent noch lange nicht erreicht.

Experten machen zusätzlich auch die Automatisierung an den Börsen für die Panik verantwortlich. Ein Großteil der Finanzmärkte wird inzwischen durch Computerprogramme gesteuert. Dies kann im Fall eines Kurssturzes zu einem Phänomen führen, das Börsianer „Flash Crash“ nennen: Wird eine gewisse Marke unterschritten, werfen die Programme automatisch weitere Papiere auf den Markt, was den Kurssturz in diesem Fall beschleunigte.

Die Stimmung an den Börsen könnte laut Insidern jetzt erstmal trüb bleiben. Eine neue Rezession steht der Weltwirtschaft allerdings nicht ins Haus. Die realen Wirtschaftszahlen seien stabil. Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel sprach am Montag von „irrationalen Bewegungen“ hinter dem Crash. Eine übergeordnete Aufwärtsbewegung seit 2009 sei beim Dax noch immer intakt.

Vor Ort

Di. 06.02.18, 14.00 Uhr

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte in Berlin am Rande der Koalitionsverhandlungen auf die Ereignisse: „Die Börsenentwicklung der letzten Stunden zeigt, dass wir in unsicheren Zeiten leben“, sagte sie. Es gehe darum, mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, „dass wir morgen auch noch in Wohlstand und in Sicherheit im umfassenden Sinne leben können“.

Die Erinnerung an den Finanzcrash von 2008 ist weltweit noch frisch. Damals verloren Nikkei und Dax zeitweise bis zu neun Prozent an Wert an einem einzigen Handelstag. Der Dow Jones verzeichnete Einbrüche von über 30 Prozent innerhalb weniger Monate. Der Finanzkrise folgte eine weltweite Rezession, die nach fast zehn Jahren zwar überwunden, aber noch nicht spurlos verschwunden ist. Die Niedrigzinspolitik von Fed und EZB ist nur eine der bleibenden Folgen.

Dennis Forster mit Material von dpa, tagesschau.de, Reuters, AP

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