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BVB-Anschlag: Prozess beginnt

Täter wegen Mordversuchs vor Gericht

Laut Anklage soll Sergej W. am 11.04.17 versucht haben, Fußballspieler von Borussia Dortmund in ihrem Mannschaftsbus zu töten, um sich am Kapitalmarkt zu bereichern. Der Prozessauftakt findet am 21.12.17 statt. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslängliche Haft für den mutmaßlichen Täter.

Polizeieskorte BVB

Der Mannschaftsbus des BVB wird von Polizeifahrzeugen begleitet (Quelle: dpa/Marius Becker)

Am 11.04.17 soll Sergej W. laut Staatsanwaltschaft versucht haben, mit drei Bomben Spieler des BVB zu töten, um bei Aktienspekulationen Geld zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 28-fachen Mordversuch und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Heimtückisch, aus Habgier und mit gemeingefährlichen Mitteln habe der Elektrotechniker gehandelt, so die Staatsanwaltschaft.

Nach der Explosion stand zunächst der Verdacht eines weiteren islamistischen Anschlags im Raum. Schnell waren die Ermittler aber der Meinung, dass Sergej W. die Tat aus Geldgier verübt hat. Drei selbst gebaute Sprengsätze soll er in einer Hecke am Mannschaftshotel des BVB deponiert haben. Den Ermittlungen zufolge hat er die Bombe mithilfe von Fernzündern zur Explosion gebracht, als das Team vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco am Hotel in den Bus gestiegen war.

Anschlag, um Kurs der BVB-Aktie zu schwächen

der Tag

Do. 21.12.17, 17.30 Uhr

Der BVB ist der einzige Fußballverein in Deutschland, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Laut Staatsanwaltschaft kaufte W. in der Woche vor dem Anschlag für mehr als 26.000 Euro Optionsscheine und Kontrakte und schloss eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie ab. Wäre der Kurs tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige über eine halbe Million Euro Gewinn gemacht.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fällt es noch heute schwer, über die Geschehnisse am 11.04.17 zu reden: "Das war schon eine Extremsituation", sagte er. Lange Zeit wurden die BVB-Profis psychologisch betreut: "Wir haben intensiv beobachtet, ob sich bei dem einen oder anderen Spieler eine posttraumatische Störung entwickelt hat", erklärte Watzke.

18 Verhandlungstage bis März 2018

Zehn Tage nach der Tat wurde Sergej W. festgenommen. Für den Prozess hat das Dortmunder Schwurgericht 18 Verhandlungstage bis Ende März 2018 angesetzt. Die Polizei hat akribisch ermittelt und eine detaillierte Indizienkette zusammengetragen. Insgesamt umfassen die Prozessakten fast 70 Ordner und 18.000 Seiten. Dutzende Zeugen und zahlreiche Sachverständige sollen im Prozess aussagen. Auch mehrere Spieler von Borussia Dortmund haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen.

Carl W. Heydenreich, einer der Verteidiger, kritisierte die Ermittlungsarbeit, da lediglich zwei Metallstifte den Bus getroffen hätten. Die übrigen seien weit verteilt "in der Pampa" gelandet. "Ein Spieler, der unbedrängt aus fünf Metern das leere Tor nicht trifft, bei dem fragt man sich zwangsläufig, wollte er nicht oder konnte er nicht." Heydenreich stellt eine Tötungsabsicht seines Mandanten in Abrede.

von Merle van Berkum mit Material von dpa und tagesschau.de

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