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Hunderte Tote bei Anschlag auf Moschee in Ägypten

Ägyptisches Militär startet Offensive

Bei einem der schlimmsten Anschläge, den es in den vergangenen Jahren in Ägypten gegeben hat, sind mindestens 305 Menschen getötet worden. Nach dem Anschlag hat die ägyptische Luftwaffe noch in der Nacht mit Angriffen reagiert. Ziel seien Verstecke von mutmaßlichen Terroristen gewesen. Bislang hat sich noch keine Gruppierung zu dem Anschlag bekannt. Laut Berichten aus Ägypten trägt er aber die Handschrift der Terrormiliz Islamischer Staat.

Anschlag Ägypten

Verletzte werden am 24.11.17 nach einem Anschlag auf die Al-Raudah-Moschee zu den Krankenwagen gebracht. (Quelle: dpa/uncredited)

Bei dem bislang opferreichsten Anschlag in Ägypten sind am Freitag, den 25.11.17, mindestens 305 Menschen getötet worden. Mehrere Attentäter griffen während der Freitagsgebete eine volle Moschee auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel an, indem sie Sprengsätze zündeten und das Feuer auf die Gläubigen eröffneten. Es gab außerdem 209 Verletzte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena am Freitagabend berichtete. Ägyptische Sicherheitskräfte haben nach dem Anschlag eine Offensive gegen mutmaßliche Terroristen auf der Sinai-Halbinsel begonnen.

tagesschau

Fr. 24.11.17, 20.00 Uhr

Das Militär sei vor Ort und werde nicht eher ruhen, bis alle eliminiert seien, die an dem Anschlag auf die Moschee beteiligt gewesen seien, zitiert die staatliche Zeitung "Al-Ahram" ägyptische Sicherheitskreise.

Ägyptens Präsident kündigt verstärkten Kampf gegen Terrorismus an

Ägyptens Präsident

Der ägyptische Präsdient Abdel Fattah Al-Sisi (m.) traf sich am 24.11.17 mit seinen Ministern nach dem Anschlag in Kairo. (Quelle: epa/egyptian presidency handout)

Der Anschlag richtete sich gegen die Al-Raudah-Moschee in der Stadt Bir al-Abd, die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt des nördlichen Sinai, Al-Arisch, entfernt liegt. Das Gotteshaus wird von Anhängern des Sufismus besucht, einer mystischen Strömung des Islam. Islamistische Kämpfer wie diejenigen des auf dem Sinai aktiven Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat betrachten Sufisten wegen deren weniger wörtlichen Interpretation der Religionslehre als Ketzer. Nach Angaben von Polizisten schossen die Angreifer aus vier Geländewagen auf die Gläubigen, als gerade die Predigt gehalten wurde.

Sie sprengten demnach Fahrzeuge in die Luft, um so mögliche Fluchtwege rund um die Moschee zu versperren. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi verurteilte den Anschlag ebenso wie Staats- und Regierungschefs zahlreicher anderer Länder. Die Tat werde nicht unbestraft bleiben, sagte Al-Sisi am Abend des Anschlags in einer Fernsehansprache. Das Leid der Opfer werde die Beharrlichkeit seines Landes beim Kampf gegen Terrorismus nur verstärken. Er verkündete nach Mena-Angaben eine dreitägige Staatstrauer.

Internationale Reaktionen auf den Anschlag in Ägypten

International wurde die Tat scharf verurteilt. "Die Welt kann Terror nicht tolerieren, wir müssen sie (die Terroristen) militärisch besiegen und ihre extremistische Ideologie, auf der ihre ganze Existenz fußt, diskreditieren", schrieb US-Präsident Donald Trump auf Twitter. In einem späteren Telefonat mit Al-Sisi verurteilte er den "feigen Anschlag" und versicherte, dass die USA "im Angesicht des Terrorismus" an der Seite Ägyptens stünden, wie das Weiße Haus mitteilte. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Bemühungen verstärken, Terrorismus und Extremismus in allen seinen Formen zu besiegen, wurde Trump weiter zitiert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich ebenfalls betroffen von dem Anschlag: "Gläubige Moslems, die sich zum traditionellen Freitagsgebet in ihrem Gotteshaus getroffen haben, sind Opfer von feigen Mördern geworden." Der UN-Generalsekretär António Guterres ließ seine Anteilnahme über einen Sprecher mitteilen: Er hoffe, dass die Verantwortlichen schnell zur Verantwortung gezogen werden.

Auch der Vorsitzende des UN-Sicherheitsrates, der Italiener Sebastiano Cardi, verurteilte im Namen aller Mitglieder den Anschlag aufs Schärfste. "Die Mitglieder des Sicherheitsrates sind sich einig, dass Terrorismus in all seiner Form die gravierendste Gefahr für internationalen Frieden und Sicherheit ist." Alle Täter, Organisatoren und Unterstützer müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

IS-Ableger verübt wiederholt Gewalttaten in Ägypten

Der lokale IS-Ableger verübt seit Jahren vermehrt Gewalttaten auf dem nördlichen Sinai. Er hat sich auch zu tödlichen Bombenanschlägen auf Kirchen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo und in anderen Städten bekannt. Dabei wurden Dutzende Christen getötet. Die Extremisten sollen auch hinter dem Abschuss eines russischen Passagierflugzeugs stecken, bei dem im vergangenen Jahr 226 Menschen ums Leben kamen. Während die Extremisten ansonsten vor allem Polizisten und Soldaten attackiert hatten, stellte die Tat vom Freitag, den 24.11.17, den ersten großen Anschlag auf ein muslimisches Gotteshaus dar.

Merle van Berkum mit Material von AP, DPA und AFP

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