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Urteil gegen serbischen Ex-General Ratko Mladić

UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilt Mladić zu lebenslanger Haft

In Den Haag hat das UN-Kriegsverbrechertribunal Ratko Mladić am Mittwoch, 22.11.17, zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem letzten Völkermord-Prozess fiel nun das Urteil im Fall um den "Schlächter vom Balkan". Insgesamt wurden Mladić elf schwerwiegende Straftaten vorgeworfen.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat das Urteil über den serbischen Ex-General Ratko Mladić gefällt. Der 74-Jährige wurde rund 22 Jahre nach dem Balkankrieg zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Anklage listete Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in insgesamt elf Fällen.

Die Richter unter Vorsitz des Niederländers Alphons Orie sahen die Schuld des Angeklagten als zweifelsfrei erwiesen an. "Das Gericht verurteilt den Angeklagten daher zu einer lebenslangen Haftstrafe", sagte Orie.

Mladic

Der serbische Ex-General Ratko Mladic (Quelle: stringer/epa-efe/rex/shutterstoc/EPA)

Die Urteilsverkündung gestaltete sich holprig, Mladić störte währenddessen immer wieder mit Zwischenrufen. „Sie lügen“, schrie der frühere Armeechef in Richtung Alphons Orie, Vorsitzender Richter, der das Urteil verlas. Er ließ Mladić aus dem Saal bringen. Zuvor war ein Antrag der Verteidigung abgelehnt worden, das Verfahren wegen Mladićs hohem Blutdruck zu unterbrechen.

Unter anderem gehörten zu den Vorwürfen die über drei Jahre andauernde Belagerung Sarajevos mit etwa 10.000 Toten und der Völkermord von Srebrenica. Dort hatten serbische Einheiten 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet, nachdem sie die damalige UN-Schutzzone überrannt hatten. Im Balkankrieg von 1992 bis 1995 waren etwa 100.000 Menschen getötet und zwei Millionen vertrieben worden.

Langer Prozess geht zu Ende

Der Prozess gegen Mladić läuft bereits seit 2012, er wurde erst 2011 nach jahrelanger Flucht festgenommen. Als Oberkommandant der bosnischen Serben war Mladić der Anklage zufolge hauptverantwortlich für Vertreibungen, Folter, Mord und Vergewaltigungen. Die Ankläger erklärten: "Das Ziel von Mladić war ein 'ethnisch reines Großserbien'".

Vor Ort

Mi. 22.11.17, 10.00 Uhr

Es wäre eine Beleidigung der Opfer, eine andere Strafe zu verhängen als eine lebenslängliche. Einige Dutzend Angehörige der Opfer waren zur Urteilsverkündigung nach Den Haag gereist.

Mladić selbst zeigt sich uneinsichtig, er hatte erklärt, unschuldig zu sein. Seine Anwälte hatten auf Freispruch plädiert.

Bereits 2016 Urteil gegen Ex-Serbenführer

Radovan Karadzic, enger Vertrauter von Mladić, war bereits 2016 für ähnliche Taten verurteilt worden. Die Anklage gegen den bosnischen Serbenführer war fast identisch, am Ende lautete sein Urteil auf 40 Jahre Haft. Karadzic und die Anklage hatten Berufung eingelegt.

Von Caroline Niehus mit Material von dpa

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