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Ermittlungen in Russland-Affäre

Präsidentensohn Trump Junior im Fokus

In der Russland-Affäre ist erneut ein pikantes Detail öffentlich geworden. Nachdem Trumps Wahlkampfmanager und weitere Berater mit Russland in Verbindung gebracht wurden, steht nun ein weiteres Mal der Präsidenten-Sohn Donald Trump jr. im Fokus der Ermittlungen. Er soll mit Wikileaks kommuniziert haben.

Donald Trump jr., ältester Sohn des US-Präsidenten, soll sich während des Wahlkampfes mit der Enthüllungsplattform Wikileaks ausgetauscht haben. Diese Nachricht ist am Dienstag, 13.11.17, öffentlich geworden, nachdem das Magazin „The Atlantic“ darüber berichtet hatte. Als Reaktion darauf twitterte Trump jr. Screenshots der Konversationen, offenbar wollte er so die Bedeutung herunterspielen.

Auf den Fotos ist zu erkennen, dass die Kommunikation über die Twitteraccounts eher einseitig ablief, Trumps Sohn war daran lediglich mit drei Nachrichten beteiligt. Die erste Anfrage von Seiten Wikileaks kam am 20. September 2016, also mitten in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes.

Trump jr

Donald Trump jr. in New York (Quelle: Kathy Willens/AP)

Wikileaks schickte zu dieser Zeit eine Frage zu dem Initiator eines politischen Aktionskomitees. Trump jr. antwortete, er wisse nicht, wer das sei, wolle sich aber umhören. In der nächsten Nachricht bat Wikileaks ihn, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump Jr. entgegnete, er habe dies bereits getan. Außerdem fügte er hinzu: „Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.“ In der dritten Nachricht fragte er Wikileaks, was hinter einer Enthüllung stecke, von der er gelesen habe. Die Plattform bat ihn dann darum, einen Link zu verbreiten. Dies tat er zwei Tage später.

Die Enthüllungen sind pikant, da Trump jr. bereits im Juli diesen Jahres in den Fokus der Ermittlungen geriet. Auch dazu schickte Wikileaks dem 39-Jährigen eine Anfrage, es ist die letzte in der Konversation. Damals ging es um ein Treffen mit einer russischen Anwältin. Im Juli hatte er einräumen müssen, sich während des Wahlkampfs mit dieser getroffen zu haben. Aus E-Mails geht hervor, dass er der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über Clinton versprochen worden war.

Wahlkampfmanager Manafort angeklagt

Sonderermittler Robert Mueller leitet Untersuchungen dazu, ob Mitglieder von Trumps damaligem Wahlkampf-Team in die Affäre um eine mutmaßliche Beeinflussung der Präsidentenwahl durch Russland verwickelt sind. Sowohl Trump als auch die russische Regierung haben dies zurückgewiesen. Neben Paul Manafort wurde auch sein Ex-Geschäftspartner Rick Gates angeklagt. Beide plädierten vor einem Bezirksgericht in Washington auf nicht schuldig.

Der Ex-Wahlkampfmanager stellte sich am 30.10.17 dem FBI in einer Außenstelle der Bundespolizei in der Hauptstadt Washington. Der Anklage zufolge gibt es zwölf Punkte, die eine Geschworenenjury gegen den 68-Jährigen vorbringt. Der Vorwurf der Geldwäsche könnte für Manafort bis zu 20 Jahre Gefängnis bedeuten. Trumps Ex-Berater George Papadopoulos droht ebenfalls ein Prozess. Mueller zufolge gab dieser zu, FBI-Ermittler im Zuge von Untersuchungen zur Russland-Affäre belogen zu haben.

Ob die Anklage auch Manaforts Arbeit im Wahlkampf betrifft, war zunächst unklar. Die Anklageschrift liefert keinerlei Hinweise darauf, dass Manafort in irgendwelche Absprachen mit Moskau über den US-Wahlkampf verwickelt gewesen sein könnte - geschweige denn darauf, dass er den Präsidenten mit Enthüllungen in Schwierigkeiten bringen könnte.

Paul Manafort und Rick Gates wurden vom Gericht unter Hausarrest gestellt. Für Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager wurde zudem eine Kaution von zehn Millionen Dollar festgesetzt und für Gates fünf Millionen. Er war zwischen Juni und August 2016 Trumps Wahlkampfmanager. Nach Berichten, wonach er Millionen Dollar an illegalen Zuwendungen für seine Mitarbeit bei einer prorussischen Partei in der Ukraine erhalten, trat er zurück.

Trump leugnet Vorwürfe der Wahlkampfmanipulation

Trump und Manafort

Rick Gates (l.), US-Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka zusammen mit dem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort (r.) am 21.07.16 in Cleveland. (Quelle: ap/Evan Vucci)

"Sorry, aber das ist Jahre her und bevor sich Manafort am Trump-Wahlkampf beteiligte", twitterte Trump. Stattdessen stelle sich die Frage, warum nicht die "korrupte Hillary" und die Demokraten im Blickpunkt stünden, kritisierte der Präsident mit Blick auf seine damalige Konkurrentin Clinton und deren Partei. Die Vorwürfe hätten nichts mit ihm zu tun. Trump wies jegliche Anschuldigung, sein Wahlkampfteam habe mit Russland zusammengearbeitet, zurück. Im Zusammenhang mit den Nachforschungen hatte er FBI-Chef James Comey entlassen.

US-Geheimdienste waren im Januar 2017 zu dem Schluss gekommen, der russische Präsident Wladimir Putin habe eine Beeinflussung des US-Wahlkampfs zugunsten Trumps und gegen Clinton angeordnet. So sollen Hacker peinliche E-Mails ausgespäht und veröffentlicht haben. Zudem soll im Auftrag Russlands Anti-Clinton-Propaganda in sozialen Netzen verbreitet worden sein.

Russland bestritt Einmischung in US-Wahlen

Tagesschau

Di. 14.11.17, 20.15 Uhr

Russland hat angesichts der US-Ermittlungen gegen das Team von Präsident Donald Trump eine Verwicklung in die US-Wahlen mit Nachdruck zurückgewiesen. "Ohne irgendeinen Beweis wird uns eine Einmischung in die Wahlen vorgeworfen, nicht nur in den USA, sondern auch in europäischen Staaten", sagte Außenminister Sergej Lawrow am 31.10.17 in Moskau. "Die Fantasie kennt keine Grenzen", sagte der Chefdiplomat der Agentur Interfax zufolge.

Auf die Anklagen von FBI-Sonderermittler Robert Mueller gegen den früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort sowie zwei weitere Mitarbeiter des Trump-Teams ging Lawrow nicht ausdrücklich ein.

Merle van Berkum und Caroline Niehus mit Material von Reuters und DPA

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