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Nordkorea: Trump hat uns den Krieg erklärt

Nordkoreas Außenminister droht mit Abschuss von US-Kampfflugzeugen

Nordkoreas Außenminister Ro Yong Ho hat am Montag, 25.09.17, einen Tweet von US-Präsident Donald Trump als Kriegserklärung an Nordkorea gedeutet. Daraufhin drohte er mit dem Abschuss von US-Kampfflugzeugen, auch wenn sich diese nicht im nordkoreanischen Luftraum befänden.

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag, 24.09.17 (Ortszeit), auf eine Rede des nordkoreanischen Außenministers Ri Yong Ho mit einem Tweet reagiert. Darin schrieb er: "Wenn er (der nordkoreanische Außenminister) die Gedanken des 'kleinen Raketenmanns' wiedergibt, werden sie nicht länger hier sein." Am gleichen Tag noch schickten die USA als Zeichen der Stärke Langstreckenbomber und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea.

Außenminister Ri Yong Ho hatte Trumps Tweet so gedeutet als hätte er „unserem Land den Krieg erklärt.“ Er drohte daraufhin mit dem Abschuss von US-Kampfflugzeugen, auch wenn sich diese noch nicht im nordkoreanischen Luftraum befänden.

Das Weiße Haus hat den Vorwurf der Kriegserklärung inzwischen zurückgewiesen. Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders bezeichnete den Vorwurf des nordkoreanischen Außenministers als „absurd“. Sie betonte, die USA strebten nach wie vor eine friedliche Lösung im Nordkorea-Konflikt an. Das US-Verteidigungsministerium erklärte allerdings: „Wenn Nordkorea seine Provokationen nicht einstellt, werden wir dem Präsidenten Optionen anbieten, um mit Nordkorea umzugehen.“

Nordkorea hatte bereits in der vergangenen Woche mit dem Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik gedroht. Trump hatte zuvor in seiner Rede vor den Vereinten Nationen die „völlige Zerstörung“ des Landes angekündigt, falls sie ihr Atomprogramm nicht stoppen würden.

Mehr zu Donald Trumps erster Rede vor der UN

US-Präsident Trump hielt am Dienstag, den 19.09.17, seine erste Rede vor der UN-Vollversammlung. Staaten wie Nordkorea, Iran und Venezuela mussten viel Kritik einstecken. Auch wenn die Probe am Montag noch harmlos verlief, beschreibt die "New York Times" ihn nach seiner offiziellen Rede eher als Tiger anstelle eines Kätzchens. Einige seiner Aussagen bekamen zwar Lob, aber die meisten Staatenlenker reagierten mit Fassungslosigkeit.

Kim Jong Un der "Raketen-Mann"

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-Un und der US-Präsident Donald Trump. (Quelle: dpa/ Maye-E Wong)

Es sei bereits seit langem nötig, Machthaber Kim Jong Un in die Schranken zu weisen, sagte Trump am Dienstag, den 19.09.17 und drohte dem Land im Falle eines Angriffs mit völliger Zerstörung. "Die USA stehen für große Stärke und Geduld", sagte Trump. "Aber wenn wir gezwungen werden, uns selbst oder unsere Verbündeten zu verteidigen, werden wir keine andere Wahl haben, als Nordkorea völlig zu zerstören. Der Raketen-Mann ist auf dem Weg des Selbstmordes für sich selbst und für sein Regime."

Donald Trump bleibt bei seiner Denkweise

"America First" ist das Prinzip, auf das Donald Trump seit seinem Amtsantritt im Januar die Amerikaner und Partner im Ausland einstellt. In der zur Zusammenarbeit gegründeten Weltorganisation aus 193 Staaten scheint diese Botschaft irgendwie fehl am Platz. Doch nach Ansicht Trumps sollte das Vorbild des "Amerika zuerst" auch vernünftige Grundlage für andere Länder sein. Er fordert mehr Nationalismus und gemeinsame Reaktionen auf Bedrohungen aus Nordkorea.

Kritik am Atomabkommen mit dem Iran

Nur eine halbe Stunde vor dem US-Präsidenten hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres Nordkorea für seine Raketen- und Atomtests zwar scharf verurteilt, zugleich aber für den Weg der Diplomatie geworben. "Wenn Spannungen zunehmen, dann auch die Gefahr von Fehleinschätzungen", warnte er. "Hitzige Reden können zu fatalen Missverständnissen führen. Die Lösung muss eine politische sein - diese Zeit verlangt Staatskunst."
Die Mahnung blieb ungehört. Trump attackierte nicht nur Nordkorea, sondern auch den Iran. Er wiederholte seine Kritik an einem der - so der US-Präsident - schlechtesten Abkommen für die USA überhaupt, dem Atomabkommen. "Ehrlich gesagt: Dieses Abkommen ist geradezu peinlich für die USA", sagte er. "Dazu wird noch mehr zu sagen sein - glauben Sie mir." Zudem brandmarkte er Iran als Schurkenstaat.
Donald Trump sprach in seiner Rede auch davon, dass der Iran auf einem Kurs von Tod und Zerstörung sei . "Die iranische Regierung verbirgt eine korrupte Diktatur hinter der Verkleidung einer Demokratie", so Trump.

Reaktionen auf Trumps Rede

Vor Ort

22.09.17, 09.00 Uhr

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte Trumps Worte: "In meinen mehr als 30 Jahren Erfahrung mit den Vereinten Nationen habe ich noch nie eine kühnere oder mutigere Rede gehört." Auch in Südkorea erntete er Zuspruch. Ein Regierungsvertreter sagte, die Zeit, die Trump in seiner Rede für Nordkorea verwendete, zeige, wie ernsthaft Washington die Angelegenheit nehme.

Neben dem Lob war auch die Kritik groß, so meldete sich beispielsweise die schwedische Außenministerin Margot Wallström zu Wort und bedauerte, die Rede sei nationalistisch gewesen, so etwas habe sie seit Jahren nicht vor der UN gehört. "Es war die falsche Rede zur falschen Zeit vor den falschen Zuhörern."

Franziska Venjakob und Franziska Schmitt mit Material von dpa, afp, Reuters, tagesschau.de und heute.de

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