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Türkische "Reisewarnung" für Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel weist türkische "Reisewarnung" für Deutschland entschieden zurück.

Die türkische Regierung in Ankara rät ihren Bürgern zur Vorsicht bei Deutschland-Reisen. Der Schritt ist als "Retourkutsche" für die Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für die Türkei in der vergangenen Woche zu verstehen.

Deutsch-Türkische Beziehungen sind seit Monaten angespannt

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind seit Monaten angespannt. (Quelle: DPA/ Bernd Thissen)

Die türkische Regierung in Ankara hat am Samstag, den 09.09.2017, eine "Reisewarnung für die Bundesrepublik Deutschland" ausgesprochen. Das türkische Außenministerium ruft in Deutschland lebende oder dorthin reisende Türken zur "Vorsicht" wegen "wahrscheinlicher fremdenfeindlicher und rassistischer Behandlung, Verhalten und Verbalangriffen" auf. "Die Wahlkampf-Kampagnen in Deutschland fußen auf gegen die Türkei gerichteten Ressentiments und zielen darauf ab, den Beitritt unseres Landes zur EU zu verhindern", teilte das türkische Außenministerium mit.

Unterscheidung zwischen Reisehinweis und "Reisewarnung"

Vor Ort

Mo. 11.09.17, 09.00 Uhr

In Deutschland gibt es eine klare Unterscheidung zwischen einem Reisehinweis und einer Reisewarnung: Eine ausdrückliche Warnung des Auswärtigen Amtes erleichtert beispielsweise die Stornierung von Urlaubsreisen, die in das betroffene Land gebucht wurden. In Deutschland hatten Grüne und Linke am Sonntag, den 10.09.2017, eine offizielle Reisewarnung für die Türkei gefordert. Zur Zeit besteht lediglich ein Reisehinweis des Auswärtigen Amtes.

Forderung nach Abbruch der Beitritts-Verhandlungen mit der Türkei

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister, reagierte mit Unverständnis auf die "Reisewarnung" der türkischen Regierung für Deutschland: „Das kann doch kein vernünftiger Mensch mehr ernst nehmen“, sagte der CSU-Spitzenkandidat den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag, den 11.09.2017. Zudem stellt er klar: "Was die EU-Beitrittsverhandlungen angeht, ist die rote Linie doch längst überschritten. Ich halte es daher auch für absolut konsequent, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei jetzt zu beenden." Des Weiteren fordert Herrmann, die Zahlung Deutschlands an die Türkei "müssen gestoppt werden - und zwar so bald wie möglich."

Goekay Sofuoglu

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Goekay Sofuoglu. (Quelle: DPA/ Gregor Fischer)

Kritik auch seitens der Türkischen Gemeinde

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sagte der Nordwest-Zeitung am Montag, den 11.09.2017: "Diese Reisewarnung ist lächerlich. […] Mir wäre wichtig, dass die türkische Regierung sich aus dem Bundestagswahlkampf heraushält."

Weiterhin diplomatisch bleiben

Volker Kauder, der Vorsitzende der Fraktion von CDU und CSU im Bundestag, sprach sich dafür aus, den Kontakt vorerst nicht abzubrechen. "Ich würde jetzt gern mit der Türkei über die Menschenrechte, Religionsfreiheit, Rechtsstaat sprechen", sagte er am Sonntagabend im "Bericht aus Berlin" in der ARD. Wenn Präsident Recep Tayyip Erdogan das ablehne, dann würde er die Tür selbst zuschlagen. Des Weiteren kritisiert Kauder SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz für seinen Vorstoß, die Beitrittsverhandlungen abzubrechen. Deutschland steht mit dem Ansinnen in der EU weitgehend isoliert da.

Seit Monaten Spannungen in deutsch-türkischer Beziehung

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind seit Monaten angespannt. Grund sind unter anderem die Inhaftierungen deutscher Staatsbürger in dem Land aus politischen Gründen – darunter auch der Die Welt-Korrespondent Deniz Yücel. Die Bundesregierung fordert deren Freilassung. Die Türkei ihrerseits fordert die Auslieferung von Terrorverdächtigen aus Deutschland. Angesichts der Massenfestnahmen von Gülen-Anhängern und anderen Regierungskritikern nach dem Putschversuch flohen zahlreiche Türken ins Ausland, darunter auch solche, nach denen die Behörden fahnden.

Nadja Christ mit Material von Reuters und DPA

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