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Bieterfrits beendet

Entscheidung voraussichtlich nicht vor dem 12. Oktober

Die Bieterfrist um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin endete pünktlich am Freitag, 15.09.17, um 14.00 Uhr. Dies gab die Fluggesellschaft bekannt. Der Gläubigerausschuss berät seit dem 21. September über die eingegangenen Angebote. Eine Entscheidung wird es aber voraussichtlich erst nach dem 12.10.17 geben, da die Verhandlungen bis dahin andauern sollen.

Inzwischen ist die Deadline abgelaufen, bis zu der Interessenten Kaufangebote für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin einreichen konnten. Nach den Ankündigungen der Interessenten dürften mehrere Angebote eingegangen sein.

Zu den Verhandlungspartner zählten neben der Lufthansa auch die Fluggesellschaften Easyjet, Condor sowie der Unternehmer Hans Rudlof Wöhrl. Außerdem wurde der Bieterkreis um den Berliner Unternehmer Alexander Skora und den früheren EnBW-Chef Utz Claassen erweitert, berichtete das "Handelsblatt".

Niki Lauda

Auch der ehemalige Formel-1-Fahrer Niki Lauda hat nun ein Kaufangebot vorgelegt. (Quelle: dpa/ Uli Deck)

Erst wenige Tage vor dem Stichtag hatte auch die chinesische Fluggesellschaft LinkGlobal ihr Interesse bekundet.
Am Donnerstag, 14.09.17, hat außerdem der ehemlaige Formel-1-Fahrer Niki Lauda gemeinsam mit dem Reisekonzern Thomas Cook und der Fluggesellschaft Condor ein Kaufangebot für Air Berlin vorgelegt.

Demnach wollen die Partner die Fluggesellschaft Niki, Tochterunternehmen der Air Berlin und gegründet vom Rennfahrer selbst, sowie 17 weitere Maschinen der Air Berlin übernehmen. Geplant ist es, dann ausschließlich touristische Ziele auf Kurz- und Mittelstrecken anzufliegen. Dies bestätigten Sprecher des Unternehmers und auch des Reisekonzerns.

Zahlreiche Krankmeldungen und Flugausfälle in dieser Woche

Air Berlin musste am Dienstag, 12.09.17, etwa 100 Flüge absagen, da sich rund 200 der 1 500 Piloten krank gemeldet hatten. Die Fluggesellschaft gab bekannt, sie wolle den Passagieren die "bestmögliche Reisealternative" anbieten. Betroffen waren rund 8 000 Passagiere und insbesondere innerdeutsche Flüge.

Auch am Mittwoch, 13.09.17, lagen der insolventen Fluggesellschaft erneut knapp 150 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor, wie der Vorstand um Thomas Winkelmann mitteilte. Deshalb mussten auch am Mittwoch wieder etwa 70 Flüge gestrichen werden. Stark betroffen waren offenbar die Flughafen Berlin-Tegel und Düsseldorf.

Die Air Berlin hatte zwar angekündigt, der Flugbetrieb werde am Donnerstag wieder normal stattfinden, weil sich viele Piloten wieder gesund gemeldet hätten. Entgegen dieser Aussage berichtete die dpa jedoch von erneuten Flugausfällen in Düsseldorf, Berlin-Tegel und Frankfurt.

Die Kosten, die Air Berlin aufgrund der vielen Krankmeldungen und Flugausfälle tragen muss, belaufen sich nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro.

Hintergrund der zahlreichen Krankmeldungen könnten Streitigkeiten über die Übernahme der Piloten beim Verkauf der Airline sein. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erklärte jedoch, sie sei überrascht gewesen von den vielen Krankmeldungen und habe die Piloten zuvor nicht dazu aufgerufen, sich krank zu melden.

Vergangene Woche gab Air Berlin bekannt, dass nach und nach alle Langstreckenflüge der Fluggesellschaft gestrichen werden sollten. Der VC-Präsident Ilja Schulz vermutete, die Fluggesellschaft wolle womöglich die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden bevor es zu einer Übernahme des insolventen Unternehmens kommt. "Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen", so Schulz. "Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen."

Kritik vom Vorstand und der Bundesregierung

Der Vorstand der Air Berlin, die VC sowie der Betriebsrat riefen die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung wies außerdem darauf hin, dass es die Investoren verschrecken könnte, wenn sich so viele Piloten aktuell krank melden. Man müsse den Flugbetrieb kurzfristig stabilisieren. Konzernchef Thomas Winkelmann sagte, wenn der Flugbetrieb wieder normal aufgenommen würde, verspreche er, Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften zu führen, nachdem die Kaufangebote ausgewertet sind. Sein Ziel sei es dabei, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sprach sich dafür aus, dass „alle Beteiligten […] die Nerven behalten“, Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte, der Flugbetrieb müsse aufrechterhalten bleiben.


Hintergründe zum Insolvenzantrag von Air Berlin

Übergangskredit der Bundesregierung genehmigt

Die Bundesregierung gewährte Air Berlin einen Übergangskredit von 150 Millionen Euro: Damit kann der laufende Flugbetrieb weitere drei Monate aufrechterhalten werden.
Gegen die Bürgschaft der Bundesregierung für Airberlin hatte am Dienstag, 29.08.17, die Fluggesellschaft Germania ein Eilverfahren beim Landesgericht Berlin beantragt. Dadurch sollte dem Bund untersagt werden, den Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro zu gewähren, bevor die EU-Kommission diese Form der Beihilfe genehmigt habe. Das Wirtschaftsministerium gab jedoch bekannt, dass die Auszahlung des Kredits wie geplant fortgesetzt werde.

Die EU-Kommission hat den Staatskredit inzwischen genehmigt. Die Zahlung von 150 Millionen Euro stehe im Einklang mit EU-Recht. Zudem werde der Kredit nach strengen Vorgaben ausgezahlt und eine Rückzahlung durch Air Berlin sei gewährleistet, so die Kommission. Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle verteidigte den Überbrückungskredit. Er sei besonders wichtig für die Fluggäste und Beschäftigten der Fluggesellschaft. "Ohne dieses Darlehen wären Fluggäste in der ganzen Welt gestrandet und hätten auf eigene Kosten zurückfliegen müssen", erklärte sie. Zudem solle der Kredit an die Bedingung geknüpft werden, die Arbeitsplätze bei Air Berlin zu erhalten.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sowie Air Berlin selbst lobten die Entscheidung der EU-Kommission. Mit dem Kredit sei nun gewährleistet, dass Air Berlin den Flugbetrieb vorerst weiterführen kann.

Zukunft der Beschäftigten im Fokus

Wolfgang Fleischer, Vize-Chef des Gesamtbetriebsrates, wies daraufhin, dass Air Berlin der Umgang mit seinen vielen tausend Beschäftigten besonders wichtig sei. Es wäre demnach wünschenswert, dass mögliche Käufer auch die Beschäftigten übernehmen.

Am Montag, 04.09.17, haben sich der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), mit Vertretern der Gewerkschaft ver.di und des Betriebsrates von Air Berlin getroffen. Sie berieten über die Interessen der Beschäftigten von Air Berlin. Während ver.di-Vorstandsmitglied Christine Behle kritisierte, dass die potentiellen Käufer nicht genug Interesse an den Beschäftigten zeigten, beteuerte Air Berlin das Gegenteil. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Winkelmann erklärte, Air Berlin habe von Beginn an „großen Wert darauf gelegt, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.“

Auch der nun genehmigte Übergangskredit dient der Zukunftssicherung der Beschäftigten und soll möglichst garantieren, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Tagesschau

Do. 14.09.17, 20.00 Uhr

Seit 2008 in den roten Zahlen

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.
Die 1978 gegründete Fluggesellschaft Air Berlin ist mit dem Boom der Billigflieger groß geworden. Erfolg hatte sie zunächst mit Flügen von Berlin nach Mallorca. 2002 nahm sie Linienflüge in europäische Städte ins Programm. Nach einem radikalen Expansionskurs geriet das Unternehmen in eine Krise. Seit 2008 schreibt Air Berlin - mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms - rote Zahlen.

Ann-Mareike Bauschmann und Franziska Schmitt mit Material von Reuters, AFP, tagesschau.de, heute.de, dpa

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