Inhalt

Nordkorea-Konflikt

Nordkorea zieht militärische Lösung vorerst zurück

Das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA ist auf einem Tiefpunkt angelangt: Nach einer rheotorischen Zuspitzung der verbalen Auseinandersetzung zwischen den USA und Nordkorea, schlägt die nordkoreanische Regierung nun vorerst mildere Töne an: Man wolle Trump "etwas länger beobachten", heißt es.


Im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea hatten die verbalen Drohungen eine neue Ebene erreicht. Im Fokus dabei vor allem die US-Pazifikinsel Guam: Auf der Insel besteht eine US-Militärbasis, auf der etwa 6000 Soldaten abgeordnet sind.

Trump Nordkorea

US-Präsident Donald Trump spricht in Bedminster über den Konflikt mit Nordkorea. (Quelle: Evan Vucci/dpa)

Trump hatte zu erneuten Raketentests und Entwicklungen im Atomprogramm Stellung bezogen, nachdem die UN ebenfalls überraschend einstimmig - also auch mit Chinas Zustimmung - ihre Sanktionen gegen Nordkorea ausgeweitet hatte. Der amerikanische Präsident sagte während seines Sommeraufenthalts in einem seiner Golfclubs in New Jersey, Nordkorea solle den USA besser nicht mehr drohen, "sie werden mit Feuer und Zorn getroffen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat."

Reaktion aus Pjöngjang: Verbale Aufrüstung, schließlich doch Entschärfung

Die Regierung Nordkoreas reagierte umgehend mit dem Verweis auf ihre eigene militärische Stärke und drohte mit einem Raketenangriff auf die Pazifikinsel Guam. Es hieß, die Streitkräfte zögen eine solche Attacke "ernsthaft in Erwägung". Ein Armeesprecher sagte laut dem staatlichen Sender KCNA, die Vereinigten Staaten sollten ihre "rücksichtslosen militärischen Provokationen" unterlassen.
Am Dienstag, 15.08., entschärfte Kim Jong Un seine Drohung schließlich doch. Man wolle das Verhalten des US-Präsidenten "ein wenig länger" beobachten und einen Angriff auf die Pazifikinsel Guam vorerst zurückstellen, hieß es aus Regierungskreisen.

China setzt UN-Sanktionen gegen Nordkorea um

Im Konflikt um das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas hat China einen Importstopp für Eisen, Eisenerz, Kohle und Meeresfrüchte aus dem Land verhängt. Die Einfuhr dieser Produkte aus Nordkorea sei von Dienstag, 15.08.17, an "komplett verboten", teilte das Handelsministerium am Montag mit. Die Regierung in Peking, die als wichtigster Verbündeter des international isolierten Staates gilt, setzt damit den jüngsten Sanktionsbeschluss des UN-Sicherheitsrats gegen Nordkorea um. China hatte die Verschärfung der Sanktionen durch den Sicherheitsrat unterstützt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte die schärferen Sanktionen bereits vor der jüngsten Eskalation Anfang August beschlossen. Die Sanktionen könnten das ohnehin bereits isolierte Nordkorea rund eine Milliarde Dollar (rund 843 Millionen Euro) an Einnahmen pro Jahr kosten. Das entspricht einem Drittel der Summe aller Ausfuhren aus Nordkorea. Die neuen Sanktionen waren als Reaktion auf den Test von zwei Interkontinental-Raketen durch Pjöngjang verhängt worden.

Ziel: Pazifikinsel Guam

Die Drohung mit Angriffen auf Guam hat strategische Gründe. Sie beherbergt die US-Luftwaffenbasis Anderson, von der die USA immer wieder strategische Bomber des Typs B-1 zu Militärmanövern in Richtung koreanische Halbinsel entsendet haben. Mit der angedrohten Attacke durch ballistische Raketen sollen vor allem die dort stationierten Streitkräfte und Bomber in Schach gehalten werden.

Vor Ort

Di. 15.08.17, 09.00 Uhr

Trump kündigt Gefechtsbereitschaft via Twitter an

Trump hat Nordkorea mit einer militärischen Lösung gedroht. Für den Fall, dass Nordkorea unklug agiere, hätten die USA "die militärischen Lösungen nun vollständig vorbereitet", erklärte Trump am Freitag, 11.08., über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg", sagte er mit Blick auf den nordkoreanischen Machthaber.

Schmucker: Nordkorea habe "kein ernsthaftes Raketenarsenal"

Der jüngsten Eskalation waren Erkenntnisse der Washington Post und des japanischen Verteidigungsministeriums vorausgegangen, in denen beschrieben wird, dass das nordkoreanische Atomprogramm weiter als bisher angenommen ist. Nordkorea sei mittlerweile in der Lage, Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen auszustatten. Damit eingeschlossen seien auch die Interkontinentalraketen, die Pjöngjang erst im Juli in zwei umstrittenen Tests ausprobiert hatte.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk bescheinigte der Raketenforscher Robert Schmucker, Nordkorea selbst "habe kein ernsthaftes Raketenarsenal". Nach der Stärke der nordkoreanischen Raketenkapazität gefragt, antwortete Schmucker: "Die größte [Rakete], das ist die Hwasong-14, kommt nach meinen Rechnungen so 5.200 Kilometer, sagen Sie 5.500, aber mit einer Tonne [Sprengstoff] kommt die eben gerade mal so an den Rand der Mittelstrecken- oder IRBM-Raketen, ist jedenfalls keine Interkontinentalrakete."

Caroline Niehus und Ann-Mareike Bauschmann mit Material von dpa, Reuters und AFP

Seite Drucken nach oben

Fußzeile


 
Top | Zurück