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Eier-Skandal: Über 15 EU-Länder betroffen

Ermittlungsverfahren gegen niedersächsische Landwirte, Festnahmen in den Niederlanden

In deutschen Legebatterien wurde ein Reinigungsmittel versprüht, welches mit dem Insektizid Fipronil versetzt war. Dadurch wurden Eier verseucht und belastet. Über zehn Millionen kontaminierte Eier sind in den deutschen Handel gelangt. Auch EU-Länder, die Schweiz und sogar Hong-Kong sind betroffen.

Das Ausmaß des Fipronil-Skandals ist einem Medienbericht zufolge deutlich größer als bisher bekannt. Laut dem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" wurden allein nach Niedersachsen mehr als 28 Millionen Eier geliefert, die möglicherweise mit dem Insektizid belastet sind. Die Bundesregierung hatte zuletzt von der Lieferung von bis zu 10,7 Millionen möglichen Fipronil-Eier nach Deutschland gesprochen.

Die Zeitung beruft sich auf eine Auswertung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums auf Basis der Daten im EU-Schnellwarnsystem. "Rückrufe zu allen diesen Chargen sind erfolgt", teilte das Ministerium in Hannover mit. Aus Niedersachsen wurden wiederum knapp 17 Millionen Fipronil-Eier nach außerhalb geliefert. Sie stammten demnach aus Verdachtsbetrieben in den Niederlanden sowie aus den insgesamt vier Legehennenbetrieben in dem Bundesland, in denen Fipronil nachgewiesen wurde.

vor Ort

Di, 08.08.17, 09.00 Uhr

Einberufung einer Krisensitzung

Die EU-Kommission in Brüssel drängt auf Initiative des für Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissars Vytenis Andriukaitis auf ein baldiges Gipfeltreffen, um sich über den Skandal um die mit Fipronil belastete Eier auszutauschen. Das Treffen solle bis Ende September stehen. "Es bringt uns nicht weiter, wenn einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt. Ich will das stoppen", sagte der Litauer. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sieht hinter dem Skandal um mit dem Insektizid Fipronil versetzte Eier kriminelle Machenschaften. Obgleich neben den Behörden in Belgien und den Niederlanden auch deutsche Staatsanwälte mittlerweile ermitteln, wirft Schmidt den belgischen Behörden vor, von der Belastung der Eier schon früh gewusst zu haben.

Die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Eier sind weiter verbreitet als zunächst angenommen. Nach neuesten Informationen handele es sich um zehn Millionen Eier, sagte der niedersächsische Agrarminister und Grünen-Politiker Christian Meyer im ZDF. In Deutschland sind 12 Bundesländer betroffen, so Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Noch immer werden bundesweit Eier auf Fipronil untersucht. Unterdessen hat sich jetzt auch die Justiz eingeschaltet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat am Montag, den 07.08.2017, ein Ermittlungsverfahren gegen niedersächsische Landwirte eingeleitet. Bislang gab es ähnliche Verfahren nur in den Niederlanden und Belgien, wo der Eier-Skandal seinen Ursprung hat.

Eier Vernichtung

Im Auftrag der niederländischen Lebensmittelkontrolbehörder NVWA wurden bereits rund eine Millionen Eier vernichtet. (Quelle: DPA)

Inzwischen wurden in den Niederlanden zwei Verdächtige festgenommen. Es handle sich um zwei Manager des Unternehmens Chickfriend, das das Insektengift in Agrarbetrieben angewandt habe, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag, den 10.08.2017, mit. Zudem ist die massive Verbreitung der betroffenen Eier durch den Einsatz von mit Fipronil-verseuchten Reinigungsmittel in verschiedenen Legebatterien in Deutschland begründet. Das Mittel wird auch zur Abwehr von Flöhen, Läusen und Zecken genutzt. Die kontaminierten Eier wurden zurückgerufen und die betroffenen Bauernhöfe wurden gesperrt.

Christian Schmidt

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gab am 03.08.17 eine Pressekonferenz zum "Eier-Skandal". (Quelle: DPA/ Jörg Carstensen)

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vermutet hinter dem Skandal womöglich gezieltes kriminelles Handeln. "Wenn hier kriminelle Energie quasi in einem Netzwerk stattfindet, dann müssen wir da kräftig ran, das ist inakzeptabel", sagte Schmidt dem ARD-Morgenmagazin. Die verspätete Informationsweitergabe in diesem Fall sei nicht im Sinne des Schnellwarnsystems und nicht akzeptabel, bemängelte er und fordert, den Fall bei der EU-Kommission und dem EU-Ministerrat zu thematisieren. Belgien und die Niederlande hätten inzwischen Transparenz zugesagt.

Niedersachen und Nordrhein-Westfalen im Fokus

Eine "Schlüsselrolle" bei der Verbreitung spielen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, da von dort aus die belasteten Eier in andere Bundesländer geliefert wurden. Zur Zeit werden unter Hochdruck die Warenströme untersucht. Die Behörden der Lebensmittelüberwachung haben betroffene Ei-Chargen zurückgerufen und untersuchen, ob weitere ebenfalls kontaminiert sind.

Aldi nimmt Eier aus dem Sortiment

Aldi

Auch die Aldifamilie nahm alle Eier aus dem Sortiment. (Quelle: DPA/ Wolfgang Steinberg)

Auch Supermärkte reagierten auf den Eierskandal und nahmen betroffene Ware aus dem Sortiment, so auch der Discounter Aldi. Wie die Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd mitteilten, handele es sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme", es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung. Im Vordergrund stehen die "Klarheit und Transparenz" zu den Kunden. Eier, die bereits bei Aldi gekauft wurden, können ohne Vorlage des Kassenbons gegen den vollen Verkaufspreis zurückgegeben werden.

Deutscher Bauernverband hält Reaktion für "überzogen"

Der Deutsche Bauernverband hat den Verkaufsstopp des Discounters Aldi für sämtliche Eier kritisiert. Diese Entscheidung nach Funden des Insektengifts Fipronil in Eiern sei "zum jetzigen Zeitpunkt eine überzogene Reaktion", teilte der Verband am Freitag mit. Auch angesichts bisheriger amtlicher Risikobewertungen und Untersuchungen von Eiern aus deutscher Produktion erscheine dies nicht angemessen.

Konsequenzen vom Bund gefordert

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer fordert nun auch im Bund Konsequenzen. Das Insektizid Fipronil müsse in das bundesweite Rückstandsmonitoring für Lebensmittelkontrollen aufgenommen werden. "Wir haben schon Anfang der Woche dazu aufgefordert, Fipronil aufzunehmen und [vorgeschlagen], dass alle Bundesländer und Landkreise regelmäßig eine Zahl von Stichproben machen sollen von Eiern, die im Verkauf sind", sagte Meyer der dpa. Das sollte nicht nur für Eier aus den Niederlanden gelten, sondern auch für Eier aus Deutschland. "Wenn wir was finden, wird gesperrt, gewarnt und zurückgerufen." Eine akute gesundheitliche Gefährdung sei durch die belasteten Eier zur Zeit nicht gegeben, allerdings werde bei Kindern ein gesundheitliches Risiko nicht völlig ausgeschlossen, so das Landwirtschaftsministerium.

Pauline Bergerhoff und Nadja Christ mit Material von tagesschau.de, bmel.de, dpa, AFP und Reuters

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