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Portrait: Michael Glos

Vom Müllermeister zum Wirtschaftsminister

Als Kind wäre "der Michel" - wie ihn Freunde nennen - am liebsten der Karl-May-Held "Kara Ben Nemsi" gewesen, erzählte er einmal. Nun soll Michael Glos Wirtschaftsminister werden in der neuen Regierung, nachdem CSU-Chef Edmund Stoiber das nicht mehr will.

Michael Glos (CSU)

Michael Glos (Quelle: Deutscher Bundestag)

Seit zwölf Jahren führt der 60-jährige Müllermeister aus Unterfranken, der nach eigenem Eingeständnis beim Zappen gern bei Börsenkursen hängen bleibt, die Gruppe der CSU-Abgeordneten im Bundestag, seine Machtbasis. Für den einen war er dabei Stoibers Strippenzieher im Parlament, für den anderen gilt er inzwischen als Vertrauter von CDU-Chefin Angela Merkel, die ihn vor gut zwei Wochen noch zum Verteidigungsminister machen wollte. Weggefährten beschreiben den vor allem in der Haushalts- und Finanzpolitik versierten Glos als mitunter unberechenbaren Taktierer. Fachlich eindeutig festgelegt hat er sich auch nach knapp 30 Jahren im Bundestag nicht. Für den Bereich Wirtschaft, Energie und Mittelstand war er schon einmal in der Unions-Fraktion verantwortlich.

Unabhängiger Stratege
Als Analytiker hat sich Glos kaum einen Namen gemacht. Er gilt vielmehr als harter, gegebenenfalls aber auch geschmeidiger Polit-Profi im Tagesgeschäft, als Haudrauf in heftigen Parlamentsdebatten. In den vergangenen Jahren legte er sich bevorzugt mit Außenminister Joschka Fischer an, den er äußerst rustikal zu attackieren verstand.
Fernab von München war Glos als mächtiger Statthalter der CSU anfangs in Bonn, später in Berlin immer darauf bedacht, sich seinen Handlungsspielraum unter den mächtigen CSU-Vorsitzenden zu bewahren. Weder Theo Waigel noch dessen Nachfolger Stoiber konnten Glos ohne weiteres als Gefolgsmann zählen. Er hielt sich beispielsweise vor Jahren im Streit zwischen Waigel und Stoiber um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten bedeckt, ohne es sich mit einem der beiden Kontrahenten zu verderben.

Diese Unabhängigkeit musste Stoiber jüngst erneut erkennen, als Glos im Streit um die Besetzung des zweiten CSU-Ressorts in der angestrebten großen Koalition umgehend Merkels Angebot zum Wechsel in das Verteidigungsressort annahm und damit Stoibers Pläne zur Berufung des umstrittenen CSU-Sozialexperten Horst Seehofer an die Spitze des Verbraucherschutzministeriums attackierte. Aber auch Merkel musste schon Querschüsse ihres designierten Wirtschaftsministers hinnehmen. So sorgte er Anfang des Jahres für Aufruhr mit seiner Kritik an der damals schwer angeschlagenen CDU-Vorsitzenden, ihr mangele es an Teamfähigkeit.

Was will der Wirtschaftspolitiker Glos?
CSU-Vize Seehofer beeilte sich umgehend nach der Berufung seines künftigen Kabinettskollegen Glos, dies als "gutes Signal für den Mittelstand" zu werten. Glos, einer der wenigen deutschen Spitzenpolitiker ohne Abitur und Studium, ist formal Chef einer familieneigenen Getreidemühle mit drei Mitarbeitern. Ansonsten aber ist wenig bekannt von den Leitlinien, an denen sich Glos als Wirtschaftspolitiker orientieren wird. Wiederholt mahnte er die Großkonzerne aber, sich auch ihrer sozialen Verantwortung zu stellen.
Sein Vorgänger in dem nun zu erwartenden Ministeramt, Wolfgang Clement, hat eine hohe Meinung von Glos. "Den schätze ich, der hat einen praktischen Verstand, der hat auch Verstand für unternehmerisches Tun, der hat einen Verstand für den Mittelstand", lobte Clement. Wenn Glos komme, werde er im Ministerium offene Türen finden. Auch DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun lobte auf Reuters-Anfrage: "Michael Glos kennt die Sorgen und Nöte aus eigener Erfahrung." Der CSU-Politiker sei durchsetzungsstark, ein Fachmann im Bereich Wirtschaft und Finanzen und könne "ein Sachwalter des Mittelstands werden".

Mit Material von Reuters

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