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Wettstreit der Unschuldsgutachten

Widersprüchliche Gutachten von Stadt und Innenministerium

Fast sechs Wochen nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten hat ein Wettstreit der Unschuldsgutachten begonnen. Fast zeitgleich wurden am Mittwoch Gutachten im Auftrag der Stadt und des NRW-Innenministeriums präsentiert, die jeweils den Auftraggeber entlasten. Nun müssen sich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Vertreter des Veranstalters vor dem Innenausschuss verantworten.

Loveparade Unglück Kerzen

Die Frage, die noch immer nicht geklärt ist: "Warum?" (Quelle: apn)

Der Chef der Veranstalterfirma Lopavent, Rainer Schaller, hatte bereits zu Wochenbeginn den Schwarzen Peter weitergereicht: Nach einem aus Aufnahmen von Überwachungskameras zusammengeschnittenen Film, den Schaller ins Internet stellte, soll eine Polizeikette auf der Hauptrampe zum Loveparade-Gelände Hauptursache der Katastrophe sein. Seinen Auftritt in einer Talkshow, zu der Zuschauer elektronisch Fragen einreichen durften, sagte er am Mittwochabend ab. Der öffentliche Druck auf Schaller sei zu groß geworden.

Innenministerium gibt Stadt und Veranstalter die Schuld

Das Gutachten für das nordrhein-westfälische Innenministerium sieht die Verantwortung für die Sicherheit bei der Duisburger Stadtverwaltung und dem Veranstalter Lopavent. Die Polizei habe laut Ordnungsrecht nur eine nachgeordnete Zuständigkeit gehabt.

In erster Linie sei der Veranstalter zuständig für die Sicherheit gewesen. Die Stadt hätte auch am Tag der Loveparade kontrollieren müssen, ob der Veranstalter alle Sicherheitsauflagen einhält, heißt es in dem Gutachten einer Bonner Rechtsanwaltskanzlei. Bei Mängeln hätte die Stadt dafür sorgen müssen, dass sie abgestellt werden. Gegen OB Sauerland, der einen Rücktritt abgelehnt hat, läuft derweil ein Abwahlverfahren im Duisburger Rat.

Stadt Duisburg: "Mitarbeiter haben rechtmäßig gehandelt"

Zu einem anderen Ergebnis kommt das von der Stadt Duisburg beauftragte Gutachten. "Die Stadt hat bei der Planung und Vorbereitung der Loveparade nicht gegen Amtspflichten verstoßen. Die Mitarbeiter haben rechtmäßig gehandelt", lautet das Resümee eines 130 Seiten starken Abschlussberichtes, den am Mittwoch in Duisburg eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Stadt vorlegte.

VOR ORT

Do, 02.09.10, 17.00 Uhr

Der Veranstalter Lopavent habe aber beispielsweise Zäune auf der Zugangsrampe nicht entfernt und dadurch Wege eingeschränkt. Die Ermittlungsbehörden müssten prüfen, ob die Stagnation im Tunnel und auf der Rampe verursacht wurde, weil die Rampe gesperrt, die Eingänge aber nicht gleichzeitig geschlossen wurden. Die Gefahrenabwehr auf dem Veranstaltungsgelände sei Sache der Polizei und der Veranstalter gewesen.

Welche Rolle spielte die Polizei?

Kritik an der Polizei wies der innenpolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, Thomas Stotko, bei der Präsentation des Düsseldorfer Gutachtens zurück: Die Duisburger Ordnungsbehörden hätten das Gelände auf dem ehemaligen Güterbahnhof zuletzt am Vorabend der Veranstaltung kontrolliert. Am Tag der Loveparade habe es nach den ihm vorliegenden Unterlagen keine Kontrolle gegeben. Ob die Polizei am Tag der Katastrophe früher eingreifen "und den Laden" hätte übernehmen müssen, könne nur die Staatsanwaltschaft klären, sagte Stotko.

Die ohnmächtige Wut und die Trauer vieler Duisburger äußerte sich bisher in Plakaten, zahllosen Kerzen und Blumen an der Unglücksstelle. Damit ist jetzt aber bald Schluss: Der Unglückstunnel wird als wichtige Straßenverbindung in der Ruhrgebietsstadt für den Verkehr gebraucht. Ende der Woche werden deshalb die Trauergaben eingesammelt und eine Gedenktafel wird enthüllt. Dann rollen die Autos wieder - ohne Antwort auf die große Frage: "Wie konnte es dazu kommen?"

Mit Material von DPA und AP

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